Deutschland, Arbeit

Umfrage: BeschÀftigte tÀuschen Engagement vor

27.03.2026 - 03:30:09 | dpa.de

NÀchtens verschickte E-Mails und scheinbarer Online-Status: Viele BeschÀftigte tÀuschen einer Umfrage zufolge AktivitÀt vor - weil das offenbar honoriert wird.

In vielen Betrieben wird eher auf PrÀsenz geachtet als auf Arbeitsergebnisse. - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa-tmn
In vielen Betrieben wird eher auf PrÀsenz geachtet als auf Arbeitsergebnisse. - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa-tmn

In deutschen BĂŒros tĂ€uschen BeschĂ€ftigte gezielt ProduktivitĂ€t vor, um FĂŒhrungskrĂ€ften zu imponieren. Die Jobseite Indeed und das Meinungsforschungsinstitut Appinio haben in einer Umfrage 1.000 hybrid arbeitende BeschĂ€ftigte befragt. Zwei Drittel gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten Maßnahmen ergriffen zu haben, um produktiver oder engagierter zu wirken, als sie tatsĂ€chlich waren. 

Zu solchen Maßnahmen zĂ€hlen laut Indeed unter anderem ein kĂŒnstlich auf anwesend gehaltener Online-Status im Homeoffice (27,7 Prozent), lĂ€ngeres Verbleiben im BĂŒro, weil die FĂŒhrungskraft noch anwesend ist (25,4 Prozent), bewusst zu ungewöhnlichen Zeiten versendete E-Mails (23,2 Prozent) oder Wortmeldungen in Konferenzen ohne inhaltlichen Mehrwert, um PrĂ€senz zu zeigen (22,3 Prozent). 17,3 Prozent haben schon einmal ihre Jacke oder Tasche im BĂŒro gelassen, um Anwesenheit vorzutĂ€uschen. 56,6 Prozent sagten offen, sie kĂ€men primĂ€r ins BĂŒro, um «Gesicht zu zeigen». 

Sichtbarkeit statt QualitÀt

«Die Debatte um BĂŒroprĂ€senz hat in vielen Unternehmen ein problematisches Signal hinterlassen: Nicht die QualitĂ€t der Arbeit entscheidet, sondern ihre Sichtbarkeit», sagte Indeed-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Frank Hensgens zu den Umfrageergebnissen. «Doch wenn BeschĂ€ftigte anfangen, ihre Anwesenheit zu inszenieren, statt sich auf Ergebnisse zu konzentrieren, ist das weder effizient fĂŒr Unternehmen noch nachhaltig fĂŒr die BeschĂ€ftigten», betonte er. 

Die Umfrage lege nahe, dass das BĂŒro seine Funktion als produktiver Arbeitsort teilweise verloren hat. «Gerade in einer Zeit, in der viel ĂŒber die WettbewerbsfĂ€higkeit Deutschlands gesprochen wird, sollten wir uns fragen, ob wir wirklich die richtigen Anreize setzen, oder ob wir ein System geschaffen haben, in dem PrĂ€senz wichtiger erscheint als Leistung.» Und er fĂŒgte hinzu: «Wer vor allem Anwesenheit einfordert, darf sich nicht wundern, wenn genau diese optimiert wird.»

PrÀsenzkontrolle prÀgt Unternehmenskultur

Die GrĂŒnde fĂŒr das Verhalten liegen den Umfrageergebnissen zufolge vor allem in unternehmensinternen Strukturen und der wirtschaftlichen Lage. 32,5 Prozent der Befragten hĂ€tten eine von PrĂ€senzkontrolle geprĂ€gte Unternehmenskultur bemĂ€ngelt, 31,6 Prozent fĂŒhrten Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz angesichts der wirtschaftlichen Lage an. 24,4 Prozent sehen Druck oder Mikromanagement durch Vorgesetzte als Auslöser.

Eine Mehrheit der Befragten (55,9 Prozent) vertrat die Meinung, dass ihr Arbeitgeber Anwesenheit höher bewertet als messbare Ergebnisse. Aber 66,2 Prozent wĂŒrden sogar auf fĂŒnf Prozent oder mehr ihres Gehalts verzichten, wenn ihre Leistung ausschließlich an Ergebnissen gemessen wĂŒrde. Noch mehr, nĂ€mlich 70 Prozent, wĂ€ren bereit, fĂŒr die Möglichkeit, dauerhaft im Homeoffice zu arbeiten, derartige finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen.

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