Nahrungsergänzungsmittel, Produktion Deutschland

Nahrungsergänzungsmittel: 72 Hersteller produzieren Rekordmenge

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 09:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Deutschland produziert so viele Nahrungsergänzungsmittel wie nie zuvor. Gleichzeitig wächst die Zahl der Anbieter, während Experten vor Qualitäts- und Sicherheitsproblemen bei pflanzlichen Inhaltsstoffen warnen.

Herstellerzahl erreicht neuen Stand

  • 2025 produzierten in Deutschland 72 Unternehmen Nahrungsergänzungsmittel.
  • Der Produktionswert stieg seit 2019 um 137,6 Prozent auf gut 2,08 Milliarden Euro.
  • Wissenschaftler, Ärzte und Verbraucherschützer forderten Änderungen bei Botanicals.
  • Es gibt reichlich Angebote an Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Tabletten und Kapseln. (Symbolbild) - Bild: Vanessa Reiber/dpa
  • Viele Menschen ergänzen ihre Ernährung durch Einnahme von Mineralstoff-Präparaten. (Symbolbild) - Bild: Monika Skolimowska/dpa/dpa-tmn
Es gibt reichlich Angebote an Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Tabletten und Kapseln. (Symbolbild) - Bild: Vanessa Reiber/dpa Viele Menschen ergänzen ihre Ernährung durch Einnahme von Mineralstoff-Präparaten. (Symbolbild) - Bild: Monika Skolimowska/dpa/dpa-tmn

Nahrungsergänzungsmittel erreichen Produktionsrekord

Die Produktion von Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland ist 2025 auf 241.000 Tonnen gestiegen. Der Produktionswert erhöhte sich seit 2019 um 137,6 Prozent auf gut 2,08 Milliarden Euro.

Mehr Unternehmen im Markt

Damit lag die hergestellte Menge 1,6 Prozent über dem Vorjahreswert, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Erfasst wurden unter anderem Vitamin- und Mineralstoffpräparate, Eiweißgetränke, Johanniskrautdragees und Zink-Hefe-Kapseln.

Auch die Zahl der Unternehmen nahm zu. 2025 produzierten 72 Firmen mit mindestens 20 Beschäftigten entsprechende Mittel, nach 64 im Jahr zuvor und 52 im Jahr 2019.

Breites Sortiment für Verbraucher

Zum Sortiment zählen unter anderem Vitamin C und D, Zink, Calcium- und Magnesium-Brausetabletten, eiweißhaltige Trinknahrung sowie Produkte mit Kieselerde. Viele Menschen greifen besonders in der Erkältungszeit zu solchen Präparaten, der Markt reicht jedoch weit darüber hinaus.

Experten warnen vor Botanicals

Gesunde Menschen mit abwechslungsreicher und ausgewogener Ernährung benötigen Nahrungsergänzungsmittel in der Regel nicht. Für bestimmte Risikogruppen oder bei einem nachgewiesenen Mangel können sie jedoch sinnvoll sein.

Wissenschaftler, Ärzte und Verbraucherschützer warnten jüngst vor erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsproblemen bei Nahrungsergänzungsmitteln mit sogenannten Botanicals. In einem Brief an die Bundesministerien für Landwirtschaft, Ernährung sowie Wirtschaft forderten sie, die ungeregelte Situation bei pflanzlichen, algen-, pilz- oder flechtenbasierten Inhaltsstoffen im Sinne des Verbraucherschutzes zu beenden.

Der Anstieg der Produktion zeigt, dass Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland ein wachsender Wirtschaftszweig sind. Binnen sechs Jahren hat sich der Produktionswert mehr als verdoppelt, während die Zahl der erfassten Hersteller ebenfalls deutlich zunahm. Erfasst werden dabei Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten; kleinere Anbieter und Importprodukte bilden den Markt nur teilweise ab.

Für Verbraucher bedeutet das größere Auswahl, aber nicht automatisch einen gesundheitlichen Vorteil. Bei ausgewogener Ernährung benötigen gesunde Menschen Nahrungsergänzungsmittel in der Regel nicht. Sinnvoll können sie bei nachgewiesenem Mangel oder für bestimmte Risikogruppen sein, etwa wenn der Bedarf über die normale Ernährung nicht gedeckt wird.

Wachstum trifft auf Sicherheitsfragen

Die Debatte über sogenannte Botanicals verweist auf ein strukturelles Problem: Pflanzliche, algen-, pilz- oder flechtenbasierte Inhaltsstoffe können sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein und gesundheitliche Risiken bergen. Mit dem wachsenden Angebot steigt damit die Bedeutung klarer Kennzeichnung, verlässlicher Qualitätskontrollen und einer verständlichen Abgrenzung zwischen Nahrungsergänzung und Arzneimitteln.

Für die weitere Marktentwicklung wird entscheidend sein, ob Hersteller das Vertrauen der Verbraucher sichern können und ob die Regulierung mit neuen Produkten Schritt hält. Besonders relevant bleibt, dass Werbeversprechen nicht den Eindruck erwecken, Präparate könnten eine ausgewogene Ernährung oder eine notwendige medizinische Behandlung ersetzen.

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