Nahverkehr in Schleswig-Holstein: Tarifabschluss bringt 1.800 BeschÀftigten mehr Lohn
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der vierten Verhandlungsrunde in Flensburg haben sich die Gewerkschaft Verdi und der Kommunale Arbeitgeberverband Schleswig-Holstein (KAV SH) auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt.
Wie aus Berichten vom 29. September 2026 hervorgeht, betrifft die Vereinbarung rund 1.800 BeschĂ€ftigte der kommunalen Stadtbusunternehmen in Kiel, LĂŒbeck, NeumĂŒnster und Flensburg. Durch den Durchbruch am Verhandlungstisch konnten unmittelbar bevorstehende, mehrtĂ€gige Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr (ĂPNV) verhindert werden.
Zweistufige Lohnsteigerung und Laufzeit bis Ende 2027
Die erzielte Einigung sieht fĂŒr die Angestellten deutliche GehaltszuwĂ€chse in zwei Phasen vor. RĂŒckwirkend zum 1. Juli 2026 werden die Entgelte um +3,0 % angehoben. In einem zweiten Schritt folgt zum 1. April 2027 eine weitere Erhöhung um +2,6 %. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags wurde auf 18 Monate festgesetzt und endet demnach am 31. Dezember 2027.
Obwohl die Tarifkommissionen beider Seiten das Ergebnis bereits angenommen haben, steht der Abschluss noch unter einem Gremienvorbehalt. Die endgĂŒltige Zustimmung der zustĂ€ndigen Entscheidungsorgane muss bis zum 13. Oktober erfolgen.
Abwendung massiver Verkehrsbehinderungen
Ohne die Einigung in Flensburg hĂ€tte ab Mittwoch ein fĂŒnftĂ€giger Warnstreik den Busverkehr in den vier gröĂten StĂ€dten des Landes weitgehend zum Erliegen gebracht. Betroffen gewesen wĂ€ren die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG), der Stadtverkehr LĂŒbeck, der Flensburger Anbieter Aktivbus sowie die Stadtwerke NeumĂŒnster (SWN).
Vier Verhandlungsrunden, zwei Warnstreiks im September, dann der Durchbruch in Flensburg: Der Tarifabschluss fĂŒr rund 1.800 BeschĂ€ftigte der kommunalen Stadtbusse zeigt, wie Arbeitgeber und Gewerkschaft in Schleswig-Holstein zueinander gefunden haben. Wie Sie Ihre eigene Verhandlung strukturieren â von der ersten Forderung bis zur finalen Zustimmung der Gremien â zeigt dieser kostenlose Praxisleitfaden. Praxisleitfaden Tarifverhandlung ĂPNV jetzt anfordern
Der Konflikt hatte sich in den vergangenen Wochen zugespitzt. Bereits im September 2026 kam es zu zwei Arbeitsniederlegungen: Einem 48-stĂŒndigen Warnstreik Anfang des Monats folgte ein weiterer ganztĂ€giger Ausstand am 21. September. Die dritte Verhandlungsrunde war zuvor ergebnislos geblieben, nachdem zwei Angebote der Arbeitgeberseite von der Gewerkschaft abgelehnt worden waren.
Verhandlungspositionen und politische Einordnung
Die GesprĂ€che wurden seit August gefĂŒhrt. Verdi-VerhandlungsfĂŒhrer Sascha BĂ€hring war mit einer Forderung von 6,5 % mehr Lohn sowie einer jĂ€hrlichen Sonderzahlung in Höhe von 650 Euro exklusiv fĂŒr Gewerkschaftsmitglieder in die Verhandlungen gegangen.
Ein fĂŒnftĂ€giger Warnstreik hĂ€tte den Busverkehr in Kiel, LĂŒbeck, NeumĂŒnster und Flensburg weitgehend lahmgelegt â die Einigung kam kurz vor knapp. Wer als kommunaler Verkehrsbetrieb frĂŒh erkennen will, wann ein Konflikt eskaliert, braucht einen klaren Fahrplan fĂŒr Eskalationsstufen und Ausfall-Szenarien. Die Checkliste Streikvermeidung im Nahverkehr zeigt, welche Schritte wann greifen. Checkliste Streikvermeidung jetzt sichern
Auf Arbeitgeberseite hatten KAV-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Jan Jacobsen und der stellvertretende Vorsitzende Andreas Schulz ihr Angebot zuletzt auf 5 % Gesamterhöhung in zwei Stufen bei einer Laufzeit von zwei Jahren nachgebessert. Die von Verdi geforderte Sonderzahlung fĂŒr Mitglieder lehnten die Vertreter des KAV SH jedoch ab.
Angesichts der drohenden Auswirkungen auf die MobilitÀt im Land hatte auch der Verkehrsminister von Schleswig-Holstein, Claus Ruhe Madsen, auf eine Einigung zwischen den Tarifparteien gedrÀngt. Mit dem nun vorliegenden Kompromiss scheint die StabilitÀt im kommunalen Nahverkehr des Bundeslandes bis Ende nÀchsten Jahres gesichert.
