Nebenjob statt Teilzeit: 12 Prozent wünschen sich Vollzeit plus Zusatzjob
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Immer mehr Arbeitnehmer entscheiden sich dafür, verschiedene Tätigkeiten in unterschiedlichen Arbeitsmodellen miteinander zu verknüpfen, anstatt ihre Gesamtarbeitszeit pauschal zu reduzieren. Dieser Wandel auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich aktuellen Erhebungen zufolge deutlich ab: Statt des Rückzugs in klassische Teilzeitmodelle streben viele Beschäftigte nach flexiblen Kombinationen aus Hauptanstellung, Nebentätigkeiten oder Selbstständigkeit.
Diskrepanz zwischen Teilzeitrealität und Wunschmodellen
Ergebnisse aus dem Randstad Arbeitsbarometer 2026 belegen eine spürbare Kluft zwischen gelebter Praxis und den eigentlichen Präferenzen der Erwerbstätigen. In Deutschland arbeiten derzeit 24 Prozent der Befragten in Teilzeit, doch lediglich 16 Prozent betrachten dies als ihre Idealform.
Bei den Frauen sind gegenwärtig 10 Prozent in Teilzeit tätig, während 15 Prozent dieses Modell als Ideal ansehen. Bei den Männern arbeiten 22 Prozent in Teilzeit, wohingegen 34 Prozent dies favorisieren würden. In der Generation Z sind aktuell 20 Prozent in Teilzeit beschäftigt, der Wunschwert liegt hier bei 13 Prozent.
Gleichzeitig wächst das Interesse an hybriden Erwerbsformen. Nach Angaben des Randstad Arbeitsbarometers 2026 sind aktuell 5 Prozent der Befragten selbstständig, perspektivisch streben jedoch 10 Prozent danach. Eine Vollzeitstelle in Kombination mit einem Nebenjob praktizieren derzeit 3 Prozent, während 12 Prozent dieses Modell gerne leben würden.
Zudem messen 49 Prozent der Befragten dem persönlichen Unterschied am Arbeitsplatz eine wichtige oder sehr wichtige Rolle bei; 45 Prozent nannten Innovation und 43 Prozent die eigene Karriereentwicklung. Verena Menne, Director Group HR Randstad Deutschland, stellte fest, dass der Trend klar in Richtung Mehrarbeit gehe.
Finanzielle Notwendigkeiten und angespannter Arbeitsmarkt
Hinter dem Drang zu zusätzlichen Einkommensquellen stehen oft wirtschaftliche Erwägungen. Eine HDI-Umfrage unter rund 3.900 Erwerbstätigen in Deutschland ergab, dass 59 Prozent nur noch oder hauptsächlich des Geldes wegen arbeiten – ein Anstieg um 17 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
Bei den 55- bis 64-Jährigen ist die Unzufriedenheit besonders ausgeprägt: Fast zwei Drittel von ihnen würden am liebsten sofort aufhören zu arbeiten, wenn sie nicht finanziell auf den Job angewiesen wären.
Wer im Berufsalltag neben dem Hauptjob zusätzliche Aufgaben übernimmt, benötigt ein exzellentes Selbstmanagement. Dieser kostenlose Ratgeber liefert sieben praxiserprobte Techniken, mit denen Sie mehr schaffen, ohne das Stresslevel zu erhöhen. 7 Methoden für effektives Zeitmanagement kostenlos herunterladen
Auch international zeigt sich der Trend zur Mehrarbeit: Federal Jobs Data wiesen für das Schlussquartal des Vorjahres 2025 einen Höchststand von 9,3 Millionen US-Amerikanern aus, die mehrere Jobs gleichzeitig ausübten – der höchste Wert seit Beginn der Erfassung durch das Bureau of Labor Statistics im Jahr 1994. Nach Erhebungen von Bankrate gingen 2025 allerdings 27 Prozent der Erwachsenen einer Nebenbeschäftigung nach, was den niedrigsten Wert seit Messbeginn 2017 darstellte; der Durchschnittsverdienst lag bei 885 US-Dollar, während der Median lediglich 200 US-Dollar betrug. Eine Analyse von Monarch vom September 2026 bezifferte den Median-Verdienst aus Nebenbeschäftigungen ebenfalls auf 200 US-Dollar.
Gleichzeitig trüben sich die Rahmenbedingungen für Nachwuchskräfte ein. Die Trendstudie Jugend in Deutschland 2026 unter rund 2.000 Befragten im Alter von 14 bis 29 Jahren zeigt, dass eine gute Arbeitsatmosphäre für 56 Prozent wichtig ist, nachdem dieser Wert in den Jahren 2024 und 2025 noch über 60 Prozent gelegen hatte.
Die Koordination von Hauptberuf und Nebenbeschäftigung erfordert oft eine präzise Planung der verfügbaren Stunden. Erfahren Sie in diesem kompakten Themenheft, wie Sie Ihren Tag in wenigen Minuten so strukturieren, dass Sie Ihre Ziele effizient erreichen. Gratis-Download: Zeitmanagement-Techniken für produktiveres Arbeiten
Die Arbeitsplatzsicherheit stuften 49 Prozent als wichtig ein, nach über 50 Prozent in den Vorjahren. Der Forscher Simon Schnetzer beobachtet, dass Demut zurückkehre und Ausbildungsberufe an Popularität gewinnen. Laut einer Analyse der Plattform Indeed gingen die Stellenangebote für Einstiegsjobs seit dem Rekordjahr 2022 um zwei Drittel zurück.
Die Ökonomin Virginia Sondergeld von Indeed erklärte, Berufseinsteiger seien vordergründig das erste Opfer der schwachen Konjunktur, während sich ein Einfluss künstlicher Intelligenz anhand der vorliegenden Datenlage nicht belegen lasse.
Steuerliche Pflichten bei zusätzlichen Einnahmen
Wer in Deutschland neben dem Hauptberuf Zusatzeinkünfte erzielt, sieht sich mit spezifischen steuerlichen Vorgaben konfrontiert. Nach der ersten Steuererklärung, in der Nebeneinkünfte die Freigrenze von 410 Euro überschreiten, setzt das Finanzamt meist zusammen mit dem Steuerbescheid erstmalig Einkommensteuer-Vorauszahlungen fest.
Gemäß § 37 des Einkommensteuergesetzes werden Vorauszahlungen verlangt, wenn die jährliche Vorauszahlung mindestens 400 Euro und der Betrag je Quartalstermin mindestens 100 Euro beträgt. Bei einer beispielhaften Nachzahlung von 600 Euro auf Nebeneinkünfte fallen vier vierteljährliche Raten von jeweils 150 Euro an, die zum 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember fällig werden.
Gemäß § 233a der Abgabenordnung werden Nachzahlungszinsen in Höhe von jährlich 1,8 Prozent fällig. Steuerexperten empfehlen als Faustregel, rund 25 bis 30 Prozent des Gewinns aus Nebentätigkeiten zurückzulegen. Eine Herabsetzung festgesetzter Vorauszahlungen kann formlos über das Portal ELSTER beantragt werden; die Bearbeitungszeit liegt üblicherweise zwischen zwei und acht Wochen.
