Putin zeigt mit massiver Attacke Verachtung fĂŒr Trump
04.07.2025 - 12:59:38Absatz)
KIEW/MOSKAU (dpa-AFX) - Der ukrainische AuĂenminister Andrij Sybiha hat den jĂŒngsten nĂ€chtlichen Angriff russischer Drohnen und Raketen als einen der schlimmsten seit Kriegsbeginn vor mehr als drei Jahren angeprangert. "Hunderte russische Drohnen und ballistische Raketen rasselten auf die ukrainische Hauptstadt nieder. Direkt nach Putins GesprĂ€ch mit PrĂ€sident Trump", erklĂ€rte er. Kremlchef Wladimir Putin zeige deutlich "seine völlige Verachtung fĂŒr die Vereinigten Staaten und alle, die ein Ende des Krieges gefordert haben". US-PrĂ€sident Donald Trump fordert seit Wochen vergeblich ein schnelles Ende der Angriffe.
Putin hatte mit Trump in dem Telefonat am Donnerstag unter anderem ĂŒber seinen Krieg gegen die Ukraine gesprochen. Trump Ă€uĂerte sich anschlieĂend "nicht glĂŒcklich": Es habe keinen Fortschritt gegeben.
SchÀden und viele Verletzte in Kiew
Nach dem GesprĂ€ch gab es nach ukrainischen Angaben mehr als 500 Angriffe mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern. Der Schwerpunkt war Kiew, wo Medien von starkem Rauchgestank auch im Zentrum der Hauptstadt nach den Attacken berichteten. Laut BĂŒrgermeister Vitali Klitschko gab es allein in Kiew 23 Verletzte und SchĂ€den an der Infrastruktur. 14 Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden, wie Klitschko in seinem Telegram-Kanal mitteilte. Nach Angaben des Zivilschutzes ist auch ein zehn Jahre altes MĂ€dchen unter den Verletzten.
Es gebe SchÀden an WohnhÀusern, an Bildungs- und medizinischen Einrichtungen und Verkehrsinfrastruktur. Auch mehrere Autos seien getroffen worden. Wegen SchÀden an Bahngleisen gebe es Verzögerungen im Zugverkehr, hieà es.
Bei dem Angriff wurde auch das KonsulatsgebĂ€ude der polnischen Botschaft in Kiew beschĂ€digt, wie Polens AuĂenminister Radoslaw Sikorski auf X schrieb. Die Mitarbeiter seien unverletzt. "Die Ukraine braucht dringend Mittel zur Flugabwehr", appellierte Sikorski.
AuswÀrtiges Amt wirft Russland "brutale Gewalt" vor
Die ukrainischen LuftstreitkrĂ€fte meldeten seit Donnerstagabend 550 Angriffe mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern im ganzen Land. Die Flugabwehr zerstörte demnach 478 Ziele. Es gebe EinschlĂ€ge an acht Stellen. Zudem seien vielerorts TrĂŒmmer abgeschossener Drohnen eingeschlagen.
Das AuswĂ€rtige Amt verurteilte die russischen Angriffe - kurz nach einem Besuch von BundesauĂenminister Johann Wadephul (CDU) diese Woche in Kiew. "Der massive Angriff auf Kyjiw unmittelbar nach dem GesprĂ€ch Putins mit PrĂ€sident Trump zeigt erneut: Russland setzt weiter auf brutale Gewalt. Die Ukraine braucht mehr zur Verteidigung, nicht weniger", teilte das Ministerium auf dem Portal X mit.
"HĂ€rteste Sanktionen" gegen Russland gefordert
Mit den Attacken, die immer wieder Ă€hnliche GröĂenordnungen haben, will Russland die Ukraine zermĂŒrben und zur Aufgabe ihres Widerstandes zwingen. Eine Kapitulation lehnt Kiew ab.
Der ukrainische AuĂenminister forderte "hĂ€rteste Sanktionen" des Westens gegen Russland, um das Land zu bestrafen. Zudem mĂŒssten die VerbĂŒndeten der Ukraine die notwendigen Mittel fĂŒr die Verteidigung liefern. "Falsche Entscheidungen können den Aggressor nur zur Eskalation des Terrors anspornen", sagte er. Das sei dann auch eine Ermutigung fĂŒr jedes "verbrecherische Regime" in der Welt.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als drei Jahren gegen die russische Invasion und drĂ€ngt die westlichen VerbĂŒndeten immer wieder zu einer StĂ€rkung der Flugabwehr.
Erst am Dienstag war bekanntgeworden, dass die USA die Lieferung einiger Waffen - darunter auch Flugabwehrraketen - an die Ukraine gestoppt haben. Das US-Verteidigungsministerium erklĂ€rte dazu, dass die USA dabei seien, ihre eigenen FĂ€higkeiten zu ĂŒberprĂŒfen - und auch Hilfen fĂŒr andere LĂ€nder gestoppt hĂ€tten. Ministeriumssprecher Sean Parnell betonte jedoch auch, dass die amerikanischen StreitkrĂ€fte alles hĂ€tten fĂŒr jeden Einsatz weltweit.
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj setzt darauf, zeitnah mit Trump ĂŒber den teilweisen Waffenlieferstopp sprechen zu können. Manches könnten die europĂ€ischen Staaten nicht liefern, etwa Raketen fĂŒr die so wichtigen Patriot-Flugabwehrsysteme, sagte Selenskyj am Donnerstag im dĂ€nischen Aarhus.
Russisches Verteidigungsministerium: 48 Drohnen zerstört
In ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg griff die Ukraine das Nachbarland erneut mit Drohnen an. Im Gebiet Rostow starb dabei eine Rentnerin nach dem Einschlag einer Drohne in einem zweigeschossigen Wohnhaus, wie die Behörden mitteilten. Das Haus mit acht Wohnungen musste demnach evakuiert werden. Nördlich von Moskau, in der Stadt Sergijew Possad, gab es laut Behörden zwei Verletzte nach einem Drohnenangriff.
Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen, dass insgesamt 48 ukrainische Drohnen zerstört worden seien.

