Neue Gaskraftwerke: ZuschlĂ€ge fast nur fĂŒr RWE und Leag
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDies ist das Ergebnis einer ersten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur. Die ZuschlĂ€ge gingen in dieser Runde fast alle an die Energiekonzerne RWE DE0007037129 und Leag, die ĂŒberwiegend an bestehenden oder frĂŒheren Kohlekraftwerksstandorten neue Kraftwerke errichten wollen. Eine weitere Bieterrunde startet in KĂŒrze.
Die neuen Kraftwerke sollen im Zuge des bis 2038 geplanten schrittweisen Ausstiegs aus der Kohleverstromung die Versorgungssicherheit mit Strom gewĂ€hrleisten. Als Backups sollen sie vor allem dafĂŒr sorgen, dass bei zu wenig Energiegewinnung aus Wind und Sonne trotzdem genug Strom da ist. Die neuen Anlagen sollen zunĂ€chst Erdgas verbrennen. SpĂ€testens 2045 sollen die Gaskraftwerke dann aber mit klimafreundlich erzeugtem Wasserstoff laufen.
Betreiber erhalten 15 Jahre lang Geld fĂŒr die Bereitstellung
Die Bundesnetzagentur hat jetzt die ersten Kraftwerksprojekte benannt, die fĂŒr das Bereithalten der sogenannten ErzeugungskapazitĂ€t 15 Jahre lang Geld bekommen sollen - auch wenn sie möglicherweise nur wenige Stunden im Jahr laufen. Ermittelt wurden sie in einem Bieterverfahren, bei dem 41 Gebote abgegeben wurden. Geplant sind noch zwei weitere Ausschreibungen.
Elf Gebote erhielten einen Zuschlag. Bieter dieser Projekte waren die Unternehmen RWE, Leag, die Leag-Tochtergesellschaft Gaskraftwerk Leipheim und die Stadtwerke Karlsruhe, die mehrheitlich in Kommunalbesitz sind. Nach dpa-Informationen wurden auch Gebote fĂŒr Batteriespeicher abgegeben, die sich preislich aber nicht durchsetzen konnten.
Energiekonzern Leag bekommt sieben ZuschlÀge
Die neuen Gaskraftwerke liegen in Brandenburg (4 ZuschlĂ€ge fĂŒr den Leag-Standort JĂ€nschwalde), Nordrhein-Westfalen (3 ZuschlĂ€ge fĂŒr die RWE-Standorte Voerde, Weisweiler und Werne), Sachsen (2 ZuschlĂ€ge fĂŒr den Leag-Standort Boxberg), Bayern (1 Zuschlag fĂŒr den Leag-Standort Leipheim) und Baden-WĂŒrttemberg (1 Zuschlag fĂŒr den Standort Karlsruhe).
Zusammen haben die elf Projekte eine StromerzeugungskapazitĂ€t von 5.160 Megawatt ( 5,16 Gigawatt). Die Betreiber sollen im Durchschnitt rund 155.300 Euro je Megawattstunde erhalten. Daraus ergeben sich fĂŒr diese elf Kraftwerksprojekte jĂ€hrliche Kosten von gut 800 Millionen Euro. Die Kosten sollen durch eine neue Umlage von allen Stromverbrauchern getragen werden. Um wie viel der Strom dann teurer wird, ist aber noch offen, weil es noch weitere Ausschreibungen gibt.
Reiche: Erneuerbaren-Ausbau und Kohleausstieg wird abgesichert
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche nannte die erste Ausschreibung einen groĂen Erfolg. "41 Gebote ĂŒber knapp zwölf Gigawatt zeigen, wie viel Investitionsbereitschaft wir mit den richtigen Rahmenbedingungen mobilisieren", sagte die CDU-Politikerin in Berlin. Dieser Wettbewerb zahle sich aus: Der durchschnittliche Zuschlagspreis habe deutlich unter dem Höchstpreis von 244.000 Euro gelegen. "Das ist auch fĂŒr die Stromkunden wichtig, denn es senkt die Kosten fĂŒr die Absicherung unserer Stromversorgung."
Mit den neuen Gaskraftwerken werde gesicherte Leistung geschaffen, die spĂ€testens ab 2031 dann zur VerfĂŒgung stehe, wenn Wind und Sonne nicht ausreichend Strom lieferten. "Damit sichern wir den weiteren Ausbau der Erneuerbaren und den Kohleausstieg ab", so Reiche weiter.
NĂ€chste Ausschreibungsrunde: Angebote bis zum 29. Dezember
"Die regionale Verteilung der ZuschlĂ€ge trĂ€gt zukĂŒnftig zu einem sicheren Netzbetrieb bei", sagte NetzagenturprĂ€sident Klaus MĂŒller. Man werde zĂŒgig die zweite Ausschreibungsrunde vorbereiten. Nach dpa-Informationen mĂŒssen Gebote bis zum 29. Dezember abgegeben werden.
Die Planungen fĂŒr solche Kraftwerke sind bei einigen Unternehmen schon weit fortgeschritten. RWE erklĂ€rte, dass bereits internationale Konsortien mit der Genehmigungsplanung beauftragt worden seien. Auch habe man sich FertigungskapazitĂ€ten fĂŒr Kernkomponenten gesichert und Genehmigungsverfahren angestoĂen. "Daher ist geplant, schon in wenigen Wochen mit dem Bau der ersten Anlage zu beginnen", sagte ein Sprecher.
Leag will neue Anlagen fĂŒr den Wasserstoff-Einsatz ertĂŒchtigen
Das Energieunternehmen Leag will die neuen Anlagen in JĂ€nschwalde und Boxberg nach eigenen Angaben unter Nutzung vorhandener Kraftwerksinfrastruktur errichten und perspektivisch fĂŒr den Einsatz von Wasserstoff ertĂŒchtigen. "Wir bleiben ein Motor fĂŒr die Transformation der Energielandschaft in Ostdeutschland, denn Energie liegt seit Generationen in unserer DNA", erklĂ€rte Leag-Chef Adi Roesch laut Mitteilung.
DUH-Kritik: GeschÀftsinteressen fossiler Megakonzerne dominieren
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte die Ergebnisse der ersten Ausschreitungsrunde. "Die Bundesregierung lĂ€sst Stromkundinnen und Stromkunden fĂŒr neue fossile Kraftwerke zahlen und verkauft das als Versorgungssicherheit", erklĂ€rte DUH-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Sascha MĂŒller-Kraenner. Das Ergebnis der ersten Auktion zeige, dass von fairem Wettbewerb verschiedener Technologien und Akteure keine Rede sein könne. "Batteriespeicher gehen leer aus, wĂ€hrend fossile GroĂkonzerne gefördert werden." Die LEAG lasse sich jetzt den Umbau ihres alten Braunkohleparks subventionieren. Dies zeige, "dass hier die GeschĂ€ftsinteressen fossiler Megakonzerne dominieren".
