Niedriglohn, Millionen

Niedriglohn: 6,3 Millionen BeschÀftigte unter 14,32 Euro verdienen

16.06.2026 - 01:30:32 | boerse-global.de

BetriebsrĂ€te mĂŒssen sich zu KI, Cloud und psychischer Gesundheit weiterbilden. Neue LeitfĂ€den und politische Forderungen prĂ€gen die Arbeit.

Betriebsrat: Freistellung, KI-Mitbestimmung & psychischer Arbeitsschutz
Niedriglohn - Eine Gruppe von Menschen, die an einem Konferenztisch sitzen und sich ĂŒber rechtliche Dokumente und Tablets unterhalten. 16.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Arbeitnehmervertreter brauchen Kenntnisse ĂŒber gesetzliche Grundlagen, Mitbestimmungsrechte und aktuelle Entwicklungen – von KI bis Arbeitsschutz.

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Freistellung und rechtliche Absicherung

Die rechtliche Basis liefert das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG). Ein zentraler Punkt: die Freistellung von der regulĂ€ren Arbeit. In Betrieben mit mindestens 200 Mitarbeitern hat ein Betriebsratsmitglied Anspruch auf vollstĂ€ndige Freistellung (§ 38 BetrVG). Die Wahl dafĂŒr erfolgt geheim durch den Vorsitz.

Das Lohnausfallprinzip (§ 37 Abs. 4 BetrVG) stellt sicher, dass das Gehalt nicht gemindert wird. Hinzu kommen ein Benachteiligungsverbot (§ 78 BetrVG) und ein besonderer KĂŒndigungsschutz nach § 15 KSchG.

Weiterbildung wird immer wichtiger

Kontinuierliche Qualifizierung ist Pflicht. Das Bildungswerk Rhein/Main wies Mitte Juni darauf hin: Neben den ersten Schritten im Betriebsrat gewinnen Themen wie Mitbestimmung bei KĂŒnstlicher Intelligenz an Bedeutung. Ein Grundlagenseminar zur Betriebsverfassung ist fĂŒr November 2026 in Bad Salzuflen angekĂŒndigt – geleitet von Erika Haselhorst und Doreen Rathert.

Auch Cloud-Systeme fordern die Gremien. Relevant sind hier die Mitbestimmungsrechte nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG sowie die DSGVO und die KI-Verordnung. Experte Dr. Volker Wodianka thematisiert regelmĂ€ĂŸig Datenschutz-FolgenabschĂ€tzungen und Regelungen zu Drittstaatentransfers.

Arbeitsschutz: Neuer Fokus auf Psyche

Das Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte im Mai einen aktualisierten Leitfaden zur GefĂ€hrdungsbeurteilung. Das Handbuch basiert auf dem Arbeitsschutzgesetz von 1996.

Hintergrund sind auch ökonomische Faktoren: 2018 gab es rund 949.000 ArbeitsunfÀlle, 541 davon tödlich. Die Produktionsausfallkosten wurden damals auf etwa 85 Milliarden Euro geschÀtzt. Ein neuer Schwerpunkt liegt auf psychischen GefÀhrdungen.

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Wirtschaftlicher Kontext und politische Forderungen

Die Arbeit von BetriebsrĂ€ten findet vor dem Hintergrund deutlicher Lohnunterschiede statt. 2025 verdienten rund 16 Prozent der BeschĂ€ftigten – etwa 6,3 Millionen Menschen – unter der Niedriglohnschwelle von 14,32 Euro pro Stunde. Besonders betroffen: das Gastgewerbe mit 51 Prozent.

Die SPD-Sozialpolitikerin Annika Klose fordert unter anderem eine höhere Tarifbindung, die Ausweitung der Allgemeinverbindlichkeit von TarifvertrĂ€gen und strafrechtliche Konsequenzen bei Behinderung von Betriebsratswahlen. Auch die betriebliche Altersversorgung (bAV) steht zur Reform an. Ein Positionspapier des Deutschen Instituts fĂŒr Altersvorsorge (DIA) und der Zurich Versicherung schlĂ€gt Anreizsysteme und eine bessere Einbindung von Geringverdienern vor – um die gesetzliche Rente zu entlasten, fĂŒr die 2025 BundeszuschĂŒsse von rund 130 Milliarden Euro veranschlagt wurden.

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