Niedrigwasser, Deutschland

Niedrigwasser: Bahn bietet Hilfe mit mehr Güterzügen an

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 15:02 Uhr | dpa.de

Auf wichtigen Wasserwegen bleibt die Lage für Binnenschiffe kritisch. Um Lieferketten zu erhalten, könnten Transporte verlagert werden - auf Laster, aber auch auf Züge. Und was passiert langfristig?

  • Niedrigwasser erschwert die Schifffahrt auf mehreren Flüssen.  - Bild: Soeren Stache/dpa
    Niedrigwasser erschwert die Schifffahrt auf mehreren Flüssen. - Bild: Soeren Stache/dpa
  • Die Bahn-Tochter DB Cargo bietet zusätzliche Gütertransporte an. (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa
    Die Bahn-Tochter DB Cargo bietet zusätzliche Gütertransporte an. (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa
Niedrigwasser erschwert die Schifffahrt auf mehreren Flüssen.  - Bild: Soeren Stache/dpa Die Bahn-Tochter DB Cargo bietet zusätzliche Gütertransporte an. (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa

Angesichts der schwierigen Lage für Schiffstransporte wegen des Niedrigwassers in mehreren Flüssen bietet die Deutsche Bahn zusätzliche Unterstützung auf der Schiene an. Die Tochter DB Cargo könnte ad hoc rund 400 Güterwagen zusätzlich mobilisieren, wie deren Vorstandschef Bernhard Osburg nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bei einem Treffen im Bundesverkehrsministerium signalisierte. Ressortchef Steffen Bilger (CDU) beriet mit seinen Länderkollegen über die aktuelle Lage. Er warb auch für einen weiteren Ausbau von Wasserstraßen als umweltfreundlichster Verkehrsträger.

Bilger sagte nach der Schaltkonferenz mit den Ländern: «Die nächsten Wochen werden anspruchsvoll. Die Wasserstände an Rhein und Donau bleiben vorerst sehr niedrig. Deshalb müssen wir jetzt pragmatisch handeln.» Er verwies auf umgesetzte Maßnahmen wie Ausnahmen beim Sonntagsfahrverbot für Lkw. Man arbeite mit den Ländern daran, weitere Engpässe zu vermeiden. Ziel ist nach Ministeriumsangaben, Lieferketten und Produktionsprozesse möglichst aufrechtzuerhalten und ein Ausweichen auf Straße und Schiene zu erleichtern.

Noch keine Lieferengpässe 

Der Vorsitzende der Länder-Verkehrsminister, Bayerns Ressortchef Christian Bernreiter (CSU), sagte: «Glücklicherweise gibt es noch keine Lieferengpässe. Trotzdem müssen wir die Lage genau beobachten und für mehr Flexibilität im Güterverkehr sorgen.» Deswegen sei es richtig, dass mehrere Länder bereits das Sonntagsfahrverbot für Lkw vorübergehend ausgesetzt haben. 

Mit den Ausnahmeregelungen sollen Transporte zumindest teilweise auf die Straße verlagert werden können. Die Bahn-Tochter DB Cargo bot auch an, dass in den nächsten Monaten bis zu 500 weitere Güterwagen für ein langfristiges Vorhaltekonzept gegen Niedrigwasser bereitgestellt werden könnten. Dessen Finanzierung wäre zu klären. Kurzfristig seien mit Güterzügen bis zu 100 Binnenschiffe zu ersetzen, langfristig rund 200. Ein einziger Güterzug könne wegen höherer Umlaufgeschwindigkeit bis zu zehn Binnenschiffe ersetzen. 

Vertrauen in Schiffstransporte 

Bilger machte deutlich, dass Transporte mit Binnenschiffen auch langfristig krisenfester werden sollen. «Wenn wir wollen, dass Güter verlagert werden von der Straße auf die Wasserstraße, dann muss Vertrauen in die Binnenschifffahrt bestehen», sagte er bei RTL/ntv. «Deswegen können wir es uns nicht erlauben, regelmäßig mit so gravierenden Niedrigwasserproblemen konfrontiert zu sein.» Zur Klimaanpassung gehöre an einigen Stellen ein Ausbau der Wasserstraße. Auf ökologischen Ausgleich werde man dabei sehr achten.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) mahnte weiterreichende Maßnahmen an. «Eine reine Vertiefung von Flüssen kann keine Antwort sein, sondern es braucht einen stärkeren Umbau unserer Flüsse oder wieder Rückbau - weg von Kanälen hin zu natürlichen Flüssen mit mäandernden Flussarmen, mit Flussauenlandschaften, die das Wasser in der Fläche halten.»

Umweltschützer warnen vor Risiken

Die Umweltschutzorganisation WWF warnte vor Fahrrinnen-Vertiefungen in Elbe, Oder, Weser oder Rhein. «Sie schaden mehr als sie nützen.» Durch die Vertiefung eines Flusses werde das Wasser darin nicht mehr, sondern stärker gebündelt und dadurch die Umgebung somit noch mehr entwässert. Grünen-Fraktionsvize Julia Verlinden sagte der dpa: «Der Erhalt der Flüsse als Wasserstraßen geht nur mit der Natur, nicht gegen sie.» Der Minister müsse daher auch im Interesse der Wirtschaft das große Ganze im Blick haben.

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