Nintendo, SchnÀppchenaktie

Nintendo: SchnÀppchenaktie mit Schönheitsfehlern

Veröffentlicht am: 28.05.2009 um 15:57 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael MĂŒller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Lange Zeit sah es so aus, als wĂ€re Nintendo gegen die Finanzkrise und den globalen Abschwung völlig immun. WĂ€hrend nahezu alle Elektronik-Unternehmen weltweit mit einer enorm schrumpfenden Nachfrage zu kĂ€mpfen hatten, meldeten die Japaner Monat fĂŒr Monat neue Absatzrekorde. Der Hauptgrund lag im Verkaufserfolg der Spielkonsole „Wii“, die rund um den Globus den Geschack ganz neuer KĂ€uferschichten getroffen hatte, und die Konkurrenzprodukte von Sony und Microsoft alt aussehen ließ. Dies hat sich in den letzten Monaten leider schlagartig geĂ€ndert. Bereits Anfang Mai musste der erfolgsverwöhnte Konsolenhersteller seine Prognosen deutlich nach unten anpassen. Nintendo geht jetzt davon aus, dass der „Wii“-Absatz im laufenden Jahr bei 25,95 Millionen Einheiten, und damit allenfalls auf dem Niveau des Vorjahres liegen werde. Dementsprechend rechnet das Unternehmen jetzt mit einem RĂŒckgang des Nettogewinns um 12 Prozent auf 490 Milliarden Yen oder umgerechnet rund 5 Milliarden Dollar. Gleichzeitig wurde eingerĂ€umt, dass im Monat MĂ€rz in den USA nur 601.000 Wii-Konsolen verkauft worden sind. Dies entsprach gegenĂŒber dem Vorjahr einer Verringerung um 17 Prozent, und zudem dem ersten AbsatzrĂŒckgang seit Januar 2008. Einige Tage spĂ€ter folgte dann eine noch dramatischere Meldung. Ein US-Branchendienst teilte mit, dass Nintendos Wii-Absatz im Monat April um 52 Prozent eingebrochen ist. Damit wurden in den USA – dem weit wichtigsten Markt – nur noch 340.000 Einheiten der bisher so populĂ€ren Konsole verkauft. Zwar war der April in den USA fĂŒr die gesamte Spielebranche ein schwieriger Monat, doch niemand musste so stark Federn lassen wie Nintendo Der Mythos der Wii-Konsole als krisenresistenter Wachstumsgarant war damit stark angeknackst. Hinzu kam noch, dass Nintendo auf dem japanischen Heimatmarkt vom Konkurrenten Sony ĂŒberrundet wurde. Dieser hatte im April bereits den zweiten Monat in Folge mehr Einheiten der PlayStation 3 abgesetzt, als Nintendo Wii-Konsolen verkaufen konnte. Zwar ist der japanische Konsolenmarkt weniger bedeutend als der US-Markt. Dennoch wĂ€re es noch vor wenigen Monaten undenkbar gewesen, dass Sonys teures High-End-GerĂ€t eines Tages mehr KĂ€ufer finden könnte als Nintendos preiswerter BeglĂŒcker der Massen. Die ErklĂ€rungen fĂŒr Nintendos Absatzkrise sind vielfĂ€ltig. Sie wird zum einen mit der allgemeinen krisenbedingten KaufzurĂŒckhaltung begrĂŒndet. Gerade in den USA waren die EinzelhandelsumsĂ€tze im April generell enttĂ€uschend. Anschaffungen von reinen „Spaß-Produkten“ werden in solchen Zeiten vom Verbraucher gern hintan gestellt. Allerdings ist die ZurĂŒckhaltung der amerikanischen Konsumenten mittlerweile nichts Neues mehr, und hat zuvor die UmsĂ€tze von Nintendo das ganze Jahr 2008 hindurch kaum beeintrĂ€chtigt. Viele Branchenanalysten argumentieren auch damit, dass zuletzt zu wenig attraktive neue Spiele auf den Markt gekommen seien. Dies habe demensprechend auch die KonsolenumsĂ€tze zurĂŒckgehen lassen. Die schwerwiegendste Vermutung ist allerdings, dass der Markt fĂŒr das Trendprodukt „Wii“ inzwischen tatsĂ€chlich ansatzweise gesĂ€ttigt sein könnte. Neue Spiele sollen die Wende bringen. Nintendo setzt unter anderem auf die Fitneß-Applikation „EA Sports Active“, die ab Juni mit großem Applomb auf den Markt geworfen wird. Dieses Spiel simuliert einen persönlichen Fitnesstrainer, und soll damit an den Verkaufsschlager „Wii Fit“ anknĂŒpfen, der allein in Amerika knapp 7 Millionen Mal verkauft worden ist. Weitere HoffnungstrĂ€ger sind die Neuversion des Boxspiels „Punch Out“ und die vierzehnte Ausgabe der Erfolgsserie von „The Legends of Zelda“. Daneben hofft man auf einen weiter robusten Absatz der Handheld-Konsole DSi, die sich immer noch recht gut verkauft. Ob dies alles Nintendos UmsĂ€tze und Gewinne im laufenden Jahr steigern kann, bleibt abzuwarten. Der Konzern selbst rechnet derzeit offenbar nicht mehr damit. Die Aktie von Nintendo ist inzwischen auf unter 200 Euro abgerutscht und notiert damit so niedrig wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Die Erholung der vergangenen beiden Monate, die fast alle ĂŒbrigen japanischen Werte nach oben gehebelt hat, hat sie nicht mitgemacht. Dabei handelt es sich um ein grundsĂ€tzlich attraktives Papier. Nintendo ist nach wie vor hochprofitabel. Das Unternehmen will im laufenden Jahr einen Gewinn von 5 Milliarden Dollar erwirtschaften. Vergleicht man dies mit den Horrorverlusten, die andere Konzerne im Elektroniksektor erwirtschaftet haben, dann erscheint die Aktie plötzlich wie ein Hort der StabilitĂ€t. Die Gesellschaft verfĂŒgt zudem ĂŒber erhebliche Barreserven. Das KGV befindet sich nach den jĂŒngsten AbschlĂ€gen nur noch bei 11,6. Und die Dividendenrendite liegt inzwischen bei fĂŒr japanische VerhĂ€ltnisse fast unglaublichen hohen 5,7 Prozent. Dies alles sind Faktoren, die die Aktie von Nintendo frĂŒher oder spĂ€ter wieder kaufenswert machen werden. Dagegen sind der momentane Umsatz-Trend und vor allem der Absatzeinbruch vom April wenig vertrauenserweckend, und lassen weitere böse Überraschungen befĂŒrchten. Hier sollte sich zumindest ansatzweise eine Aufbesserung abzeichnen, bevor ein Investment als aussichtsreich erscheint. Auch aus charttechnischer Sicht drĂ€ngt sich ein Einstieg momentan nicht auf. Dennoch sollte das Papier von Nintendo in den kommenden Monaten aufmerksam im Auge behalten werden. Womöglich ergibt sich hier bald die Möglichkeit zu einer interessanten Turnaround-Spekulation. ASIEN-TRENDS zeigt Ihnen Woche fĂŒr Woche die lukrativsten Investment-Chancen Asiens auf - in der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsregion der Erde. 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