NIS-2-Richtlinie, Pflichten

NIS-2-Richtlinie: Nur 38,5% der Unternehmen erfüllen Pflichten

14.06.2026 - 05:49:06 | boerse-global.de

Neue Technologien und Regularien verändern den Arbeitsschutz. Unternehmen kämpfen mit KI-Pflichten, Cybersicherheit und neuen Gesetzen.

KI, NIS-2 und Tariftreue: Arbeitsschutz im Wandel
NIS-2-Richtlinie - Eine stilisierte Darstellung eines digitalen Gehirns oder Netzwerks mit einem Schutzschild, das KI und Cybersicherheit symbolisiert. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Integration moderner Technologien und die Anpassung an europäische Rechtsnormen stellen Firmen vor komplexe Aufgaben. Berufsgenossenschaften und Gewerkschaften sehen den klassischen Arbeitsschutz zunehmend mit digitaler Sicherheit und tarifpolitischen Vorgaben verschmelzen.

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KI als Helfer im Arbeitsschutz

Die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) betonte Mitte Juni: Künstliche Intelligenz biete erhebliche Potenziale für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz. KI-gestützte Systeme könnten Gefährdungen schneller identifizieren und Unterweisungen individueller gestalten. Die BG ETEM verwies auf ihr eigenes Serviceportal und die Entwicklung digitaler Assistenten für Gefährdungsbeurteilungen.

Trotz aller Effizienzgewinne bleibt das menschliche Urteilsvermögen unverzichtbar. Die Experten warnten davor, KI-Ergebnisse ungeprüft zu übernehmen – Fehler seien weiterhin möglich. Dienstleister wie Dreyfield Deutschland bieten mittlerweile spezifische Schulungsprogramme an, um Mitarbeitende im sicheren Umgang mit generativer KI und den rechtlichen Rahmenbedingungen des EU AI Acts zu unterweisen.

NIS-2: Nur jedes dritte Unternehmen ist bereit

Ein kritisches Feld bleibt die Umsetzung der NIS-2-Richtlinie zur Cybersicherheit. Marktbeobachtungen zeigen: Bisher sind nur etwa 38,5 Prozent der betroffenen Unternehmen ihren Registrierungspflichten nachgekommen. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu zehn Millionen Euro. Plattformen für Compliance-Management versuchen hier mit automatisierten Verarbeitungsverzeichnissen und Risikoanalysen nach ISO-Standards zu helfen.

Bundestariftreuegesetz: Gewerkschaft sieht Lücken

Seit dem 1. Mai 2026 gilt das Bundestariftreuegesetz (BTTG). Öffentliche Aufträge des Bundes ab einem Wert von 50.000 Euro sollen bevorzugt an tarifgebundene Unternehmen gehen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte Mitte Juni jedoch erhebliche Lücken. Die außeruniversitäre Forschung mit über 100.000 Beschäftigten sowie staatlich geförderte Sprachkurse seien von der Tariftreuepflicht ausgenommen. Ein für die Gewerkschaft unzureichender Zustand.

Parkinson als Berufskrankheit anerkannt

Das Bundeskabinett beschloss Ende Mai 2026, Parkinson unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit anzuerkennen. Betroffen sind vor allem Menschen in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau, die über lange Zeiträume Pestiziden ausgesetzt waren. Grundlage waren Empfehlungen eines ärztlichen Sachverständigenbeirats aus den Jahren 2024 und 2025. Die Bundesregierung stellt für die landwirtschaftliche Sozialversicherung für 2025 und 2026 Mittel in Höhe von 20 Millionen Euro bereit.

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„EU Inc.“: Sorge vor Sozialdumping

Wächst hier ein neues Schlupfloch für Unternehmen? Die Hans-Böckler-Stiftung warnte Mitte Juni vor der geplanten Rechtsform „EU Inc.“. Die Gefahr: Unternehmen könnten ihren Sitz in Mitgliedstaaten mit geringeren Arbeitnehmerrechten verlegen, um die betriebliche Mitbestimmung zu umgehen. Experten fordern daher eine Begrenzung dieser Rechtsform auf maximal 500 Mitarbeitende und eine strikte Kopplung des Satzungssitzes an den tatsächlichen operativen Schwerpunkt.

Reformgipfel: Tiefe Gräben zwischen den Lagern

Die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort wurden beim Reformgipfel im Kanzleramt am 10. Juni deutlich. Regierungsvertreter bezeichneten die Atmosphäre als konstruktiv – interne Berichte offenbarten jedoch tiefe Gräben zwischen den Sozialpartnern.

Die Arbeitgeberseite fordert angesichts hoher Arbeitskosten und Bürokratie eine Flexibilisierung des Kündigungsschutzes sowie die Abschaffung der Rente mit 63. Die Gewerkschaften sehen die Ursachen für die Wirtschaftsschwäche dagegen in hohen Energiekosten und mangelnden Investitionen. Sie fordern eine Stärkung der Arbeitnehmerrechte und eine stärkere steuerliche Belastung hoher Vermögen, um die Binnennachfrage zu stimulieren.

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