NIS-II-Richtlinie, Cyberkriminelle

NIS-II-Richtlinie: Weniger als 25% der Unternehmen sind vorbereitet

31.05.2026 - 22:41:52 | boerse-global.de

Cyberkriminelle setzen KI gezielt ein, um SicherheitslĂŒcken zu finden und Betrug zu automatisieren. Die SchĂ€den steigen massiv.

NIS-II-Richtlinie: Weniger als 25% der Unternehmen sind vorbereitet - Bild: ĂŒber boerse-global.de
NIS-II-Richtlinie: Weniger als 25% der Unternehmen sind vorbereitet - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Die digitale Bedrohungslage hat sich grundlegend verĂ€ndert. Wie aktuelle Berichte von Cybersicherheitsfirmen und Strafverfolgungsbehörden zeigen, integrieren Angreifer kĂŒnstliche Intelligenz systematisch in ihre Angriffsketten. Besonders besorgniserregend: Erste FĂ€lle belegen, dass Cyberkriminelle KI erfolgreich einsetzen, um bislang unbekannte SicherheitslĂŒcken aufzuspĂŒren und auszunutzen.

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KI als Waffe: Angreifer im Vorteil

Die Google Threat Intelligence Group (GTIG) berichtete Mitte Mai 2026, dass Angreifer nun KI nutzen, um bisher unbekannte SicherheitslĂŒcken zu identifizieren. Diese Entwicklung fĂ€llt mit einem drastischen Anstieg der Schwachstellenmeldungen zusammen. Zwischen Januar und April 2026 wurden tĂ€glich durchschnittlich 184 neue SicherheitslĂŒcken (CVEs) gemeldet – mehr als doppelt so viele wie im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025.

Ein konkreter Fall zeigt, wie weit die Automatisierung bereits fortgeschritten ist. Am 10. Mai 2026 beobachtete die Sicherheitsfirma Sysdig, wie eine Hackergruppe ein Large Language Model (LLM) als automatisierten Agenten einsetzte. Nachdem die Angreifer eine Schwachstelle in der Marimo-Notebook-Umgebung (CVE-2026-39987) ausgenutzt hatten, durchsuchte der KI-Agent eigenstĂ€ndig Datenbankschemata und griff auf SSH-SchlĂŒssel von Cloud-Verwaltungsdiensten zu. Die Exfiltration von PostgreSQL-Daten gelang in weniger als zwei Minuten.

Die Sicherheitsfirma WithSecure identifizierte zudem eine russlandnahe Gruppe namens GREYVIBE, die seit August 2025 aktiv ist. Sie setzt KI in jeder Phase ihrer Operationen ein – von der Erstellung von Phishing-Nachrichten ĂŒber die Entwicklung von Schadcode bis hin zur Generierung realistischer Bilder fĂŒr betrĂŒgerische Websites.

Explodierende SchĂ€den durch KI-gestĂŒtzten Betrug

Die finanziellen Folgen dieser neuen Angriffsmethoden sind enorm. Laut FBI-Daten verursachte KI-gestĂŒtzter Betrug allein in den USA im Jahr 2025 SchĂ€den von ĂŒber 893 Millionen Euro – insbesondere durch Stimmmanipulation.

Besonders betroffen ist der Mobile-Bereich. Kaspersky meldet einen Anstieg von NFC-basierten Angriffen auf Android-GerĂ€te um 188 Prozent in den ersten vier Monaten des Jahres 2026. Ein spezifisches Phishing-Kit namens Lighthouse wurde bereits in ĂŒber 121 LĂ€ndern eingesetzt, um Bankkunden auszuspĂ€hen – es stiehlt Passwörter und Multi-Faktor-Authentifizierungscodes. Ende Mai 2026 berichteten deutsche Behörden von FĂ€llen, in denen Opfer durch raffinierte Smishing-Kampagnen innerhalb weniger Tage fĂŒnfstellige BetrĂ€ge verloren.

Auch der Kryptosektor bleibt nicht verschont. Zwar sanken die Gesamtverluste im Vergleich zum Vorjahr, doch die Zahl der Cyberangriffe verdoppelte sich im ersten Quartal 2026 auf ĂŒber 80 VorfĂ€lle.

Erfolge der Strafverfolger

Die Behörden schlagen zurĂŒck. Ende Mai 2026 gelang der niederlĂ€ndischen Polizei und dem National Cyber Security Centre (NCSC) die Zerschlagung des Botnetzes Asocks. Es bestand aus rund 17 Millionen infizierten GerĂ€ten in 163 LĂ€ndern. Die Ermittler beschlagnahmten ĂŒber 200 Kontrollserver, die fĂŒr Spam, DDoS-Angriffe und Phishing genutzt wurden.

Internationale Zusammenarbeit fĂŒhrte am 28. Mai 2026 zur Zerschlagung eines betrĂŒgerischen Callcenters im indischen Goa – 26 Festnahmen. Einen Tag spĂ€ter wurde in Gujarat ein Yogalehrer festgenommen, der KI-manipulierte Aufnahmen eingesetzt haben soll.

Doch die Erfolge tĂ€uschen nicht ĂŒber die Professionalisierung der TĂ€ter hinweg. Das LKA Niedersachsen stellte fest, dass die verbliebenen TĂ€ter deutlich professioneller arbeiten, auch wenn die Gesamtzahl der InternetbetrugsfĂ€lle in einigen Regionen 2025 im Vergleich zu 2021 gesunken ist.

Gerichte ziehen Grenzen – Unternehmen mĂŒssen handeln

Die Justiz beginnt, klare Haftungsregeln aufzustellen. Am 30. Mai 2026 entschied der Delhi High Court, dass Kunden Mitschuld an finanziellen Verlusten tragen, wenn sie fahrlĂ€ssig auf verdĂ€chtige Links klicken. Das Landgericht Karlsruhe urteilte am 20. Mai 2026, dass ein Kunde fĂŒr einen 100.000-Euro-Verlust aus einem Banking-Betrug haftet.

Auf der Verteidigungsseite suchen Finanzinstitute nach technologischer UnterstĂŒtzung. Am 29. Mai 2026 schloss OpenAI eine Vereinbarung mit den japanischen Großbanken MUFG, Sumitomo Mitsui und Mizuho. Sie erhalten Zugang zu einem spezialisierten GPT-5.5-Cyberabwehr-Modell. Die Initiative wird von Regierungsstellen in Japan und den USA unterstĂŒtzt.

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NIS-II-Richtlinie: Countdown fĂŒr europĂ€ische Unternehmen

FĂŒr europĂ€ische Unternehmen tickt die Uhr. Die NIS-II-Richtlinie tritt am 1. Oktober 2026 in Kraft. Aktuelle Umfragen unter mehreren hundert Unternehmen zeigen: Weniger als ein Viertel der betroffenen Organisationen hat die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen abgeschlossen. Wer jetzt nicht handelt, riskiert nicht nur SicherheitslĂŒcken, sondern auch empfindliche Strafen.

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