NIS2-Gesetz: Neue Sicherheitsanforderungen für Großveranstaltungen
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der deutschen Bundesliga gewinnt die strategische Absicherung von Großveranstaltungen und die damit verbundene Konzernsicherheit zunehmend an Bedeutung. Dr. Andre Witte, Head of Group Security bei Borussia Dortmund (BVB), hat in einem aktuellen Diskurs die Neuausrichtung der Sicherheitsarchitektur im professionellen Fußball dargelegt. Angesichts von Zuschauerzahlen von bis zu 81.365 Menschen bei Heimspielen im Signal Iduna Park, von denen allein 25.500 die Südtribüne besetzen, stehen Vereine vor komplexen organisatorischen und rechtlichen Herausforderungen.
Verschärfte Regularien durch NIS2 und EU-Recht
Ein wesentlicher Treiber für die veränderten Anforderungen an die Sicherheitssysteme ist der Gesetzgeber. Seit dem 6. Dezember 2025 verschärft das NIS2-Umsetzungsgesetz die regulatorischen Vorgaben für die Konzernsicherheit massiv. Diese Entwicklung zwingt Proficlubs dazu, ihre internen Prozesse und digitalen Infrastrukturen resilienter zu gestalten.
Neben der Cyber-Sicherheit rückt auch der physische Luftraum über den Stadien in den Fokus der Sicherheitsbeauftragten. Die Abwehr von Drohnen wird dabei maßgeblich durch geltendes EU-Recht sowie den Paragrafen 21h der Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO) reglementiert. Diese rechtlichen Rahmenbedingungen bilden die Basis für den Schutz der Zuschauer und Akteure vor unbefugten Flugobjekten während der Spieltage.
Technologische Standards und präventive Maßnahmen
Um den hohen Sicherheitsansprüchen gerecht zu werden, setzen die Vereine verstärkt auf standardisierte Technik. Als fundamentale Grundlage der Sicherheitsarchitektur dient ein Leitfaden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der in Zusammenarbeit mit dem ZVEI (Verband der Elektro- und Digitalindustrie) speziell für den Einsatz von Videotechnik entwickelt wurde.
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Diese technologische Aufrüstung ist branchenübergreifend zu beobachten. So wurde bekannt, dass auch der FC Bayern München ein System zur Anti-Spionage-Abwehr aufbaut, um sensible Vereinsinterna und Trainingsabläufe zu schützen. Gleichzeitig reagieren Vereine auf neue Phänomene im Zuschauerbereich: Dynamo Dresden änderte im August die Hausordnung des Rudolf-Harbig-Stadions, um Influencern und Vloggern mit Monetarisierungsabsicht die Berichterstattung ohne ausdrückliche Genehmigung zu untersagen. Während private Handyfotos erlaubt bleiben, soll der Ordnungsdienst die Einhaltung dieser Regelung kontrollieren und bei Verstößen rechtliche Schritte einleiten.
Risikomanagement und rechtliche Auseinandersetzungen
Die Notwendigkeit eines robusten Sicherheitsmanagements wird durch aktuelle Vorfälle und drohende Sanktionen unterstrichen. Dynamo Dresden wehrt sich derzeit vor dem Ständigen Schiedsgericht des DFB gegen einen Teilausschluss von rund 9.500 Zuschauern. Hintergrund sind Ausschreitungen Anfang April, bei denen Pyrotechnik eingesetzt wurde und 17 Personen verletzt wurden. Die verhängten Geldstrafen beliefen sich auf 152.000 Euro für Hertha BSC und 91.200 Euro für die Dresdner.
Auch auf internationaler Ebene bleibt das Gefährdungspotenzial hoch. Die Wiener Polizei bereitet sich aktuell auf ein Conference-League-Spiel zwischen Austria Wien und Beitar Jerusalem vor, nachdem die FIFA den israelischen Verband bereits mit 150.000 CHF (ca. 164.300 Euro) wegen rassistischen Fan-Verhaltens sanktioniert hatte. In Brasilien sieht sich der Club Corinthians zudem mit Untersuchungen konfrontiert, ob Gelder in Höhe von R$ 586.987,65 unrechtmäßig für die private Sicherheit des Präsidenten verwendet wurden.
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Wachsende Bedrohung durch Cyber-Kriminalität
Zusätzlich zur physischen Sicherheit warnen Experten vor digitalen Angriffswellen. Berichte von KnowBe4 ThreatLabs belegen eine massive Zunahme von Phishing-Versuchen im Umfeld von Fußball-Großereignissen. Seit Ende April wurde ein 22-facher Anstieg registriert; zeitweise war jede 161. E-Mail betroffen. Besonders perfide zeigen sich Kampagnen wie die „FIFA-Mystery-Box“, die gezielt deutsche Nutzer adressierte. Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass moderne Konzernsicherheit im Profisport heute gleichermaßen im Stadion, im Luftraum und im digitalen Raum stattfinden muss.
