Nordenhamer Industrie sucht hÀnderingend Nachwuchs
15.05.2026 - 18:12:10 | boerse-global.deDie Wesermarsch kĂ€mpft gegen den FachkrĂ€ftemangel â mit einer neuen Jobmesse und gezielter Nachwuchswerbung.
Der Ausbildungsmarkt in Deutschland steht auch Mitte Mai 2026 massiv unter Druck. WĂ€hrend die Zahl der Bewerber leicht gestiegen ist, klafft die LĂŒcke zu den unbesetzten Stellen weiter auf. In Nordenham reagieren die groĂen Arbeitgeber nun mit einer Offensive: Am 19. Juni findet die zweite âNext Stepâ-Berufsmesse statt, die junge Talente direkt an die Unternehmen binden soll.
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Engpass trotz mehr Bewerbern
Die aktuellen Zahlen der Bundesagentur fĂŒr Arbeit vom 13. Mai zeigen die Dimension des Problems: Im April 2026 waren bundesweit rund 217.000 AusbildungsplĂ€tze unbesetzt â besonders in technischen Berufen, im Baugewerbe und in der Pflege. Zwar haben sich mit etwa 357.000 Personen etwas mehr Bewerber registriert als im Vorjahr, doch die Zahl der sogenannten âAltbewerberâ ist auf rund 145.000 gestiegen. Fast jeder dritte Kandidat sucht seit ĂŒber einem Jahr eine Stelle.
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert fĂŒr 2026 einen Mangel von 23.000 Erziehern und 20.000 Altenpflegern â trotz steigender Einstiegszahlen. In der Softwareentwicklung wĂ€chst die Zahl der FachkrĂ€fte zwar um fast 50 Prozent, doch die Nachfrage steigt so rasant, dass am Jahresende rund 7.000 Spezialisten fehlen werden.
âNext Stepâ-Messe als BrĂŒckenbauer
Vor diesem Hintergrund setzt Nordenham auf ein direktes Format. Die Messe am 19. Juni im CVJM Sozialwerk am HelgolĂ€nder Damm ist bewusst niedrigschwellig angelegt: Rund 50 regionale Aussteller aus Verwaltung, Pflege, Schwerindustrie und Handwerk sind dabei. Statt HochglanzbroschĂŒren stehen persönliche GesprĂ€che und praktische Einblicke im Vordergrund.
Ein besonderes Angebot ist der professionelle Bewerbungsmappen-Check. Junge Besucher können ihre Unterlagen direkt vor Ort prĂŒfen lassen. Die Stadtverwaltung betont, dass es darum gehe, Jugendlichen konkrete Perspektiven fĂŒr eine sichere Karriere in der Wesermarsch zu bieten â statt sie an die groĂen Metropolen zu verlieren.
Bereits Mitte April hatte eine Berufsfindungsmesse an der Oberschule 1 stattgefunden, die sich an SchĂŒler der Klassen 8 bis 10 richtete. Damals waren nahezu alle groĂen Arbeitgeber vertreten, darunter die Kreisverwaltung, die Polizei und zahlreiche Privatunternehmen. Die Kombination aus Orientierungs- und Rekrutierungsmesse zeigt den Druck, unter dem die Firmen stehen.
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Airbus und Steelwind werben um den Nachwuchs
Die gröĂten Arbeitgeber der Region sind bereits im vollen Rekrutierungsmodus fĂŒr den Ausbildungsstart im August. Airbus Aerostructures, das zum 1. Juli 2025 organisatorisch in den Airbus-Konzern integriert wurde, listet aktuell 27 offene Stellen in Nordenham. Das Unternehmen sucht âAIRzubisâ fĂŒr das Ausbildungsjahr 2026, vor allem FluggerĂ€tmechaniker und Produktionstechniker.
Die VergĂŒtung orientiert sich am IG-Metall-Tarif und liegt bei rund 1.250 Euro brutto monatlich. Am nahegelegenen Standort Stade bildet Airbus rund 130 Azubis aus â ein Ă€hnliches Engagement ist in Nordenham zu erwarten. Die Integration der Aerostructures-Sparte habe die Ausbildungsprozesse verschlankt, so Unternehmensvertreter.
Im Bereich erneuerbare Energien ist Steelwind Nordenham auf der Suche nach Nachwuchs. Die Tochter der Dillinger HĂŒttenwerke, die Monopiles fĂŒr Offshore-Windkraftanlagen produziert, bietet AusbildungsplĂ€tze fĂŒr Vermessungstechniker und duale StudiengĂ€nge in Elektrotechnik in Kooperation mit der Jade Hochschule. Drei moderne LehrwerkstĂ€tten und festangestellte Ausbilder sollen die Bewerber ĂŒberzeugen.
Kronos Titan und Co. sichern die Zukunft
Auch Kronos Titan, seit Jahrzehnten in Nordenham ansĂ€ssig, sucht Chemikanten und Industriemechaniker fĂŒr August 2026. Das Unternehmen setzt auf langfristige Personalplanung, um die BetriebsstabilitĂ€t zu sichern. Die lokalen Initiativen sind fĂŒr die Industrie ĂŒberlebenswichtig: Ohne kontinuierlichen Nachwuchs drohen ProduktionsengpĂ€sse.
Arbeitsmarktexperten erwarten, dass in den kommenden Monaten vermehrt Last-Minute-Vermittlungen stattfinden werden. Die Unternehmen werden ihre Einstiegsvoraussetzungen weiter lockern, um die verbliebenen PlĂ€tze zu besetzen. FĂŒr die Jugendlichen in der Wesermarsch bedeutet das eine historisch gute Verhandlungsposition â vorausgesetzt, sie nutzen die Angebote der Betriebe.
Der Erfolg der âNext Stepâ-Messe wird sich nicht nur an der Zahl der unterschriebenen VertrĂ€ge messen lassen, sondern auch an der Nachhaltigkeit des regionalen Netzwerks. Stadtverwaltung, CVJM Sozialwerk und die GroĂindustrie versuchen gemeinsam, ein âAusbildungs-Ăkosystemâ zu schaffen, das junge Menschen vom ersten Praktikum bis zum Abschluss begleitet. Angesichts des demografischen Wandels wird dieser Ansatz in den kommenden Jahren noch wichtiger werden.
