Deutschland, Arbeit

Nur wenige Arbeitnehmer nutzen Bildungsurlaub

01.01.2026 - 04:00:04

Obwohl Millionen Anspruch haben, nutzen nur wenige Beschäftigte Bildungsurlaub. Auch darüber hinaus ist die Teilnahme an Weiterbildungsmöglichkeiten im internationalen Vergleich gering.

Nur wenige Arbeitnehmer in Deutschland nehmen Bildungsurlaub etwa zur beruflichen oder politischen Weiterbildung. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den zuständigen Ministerien und Verwaltungen in den 16 Bundesländern hervor. Demnach liegt die Quote der Menschen, die Bildungsurlaub in Anspruch nehmen, in manchen Bundesländern unter einem Prozent der Anspruchsberechtigten. 

Bildungsurlaub wird in 14 von 16 Bundesländer gewährt, in Sachsen ist eine Einführung geplant. Nur in Bayern gibt es weder Bildungsurlaub noch Pläne für eine Einführung. Der Anspruch beläuft sich meist auf fünf Tage pro Jahr, in einigen Ländern können Ansprüche aus zwei Jahren zusammengelegt werden. 

Die Quellenlage zur Teilnahme ist schwierig, weil nicht in allen Ländern gleichermaßen Zahlen erhoben werden. Aufschlussreich sind unter anderem die Werte aus Niedersachsen und Hessen: In Niedersachsen nahmen im Jahr 2023 1,45 Prozent der Anspruchsberechtigten Bildungsurlaub, wie das Wissenschaftsministerium mitteilte - ein im Ländervergleich hoher Wert. 

In Hessen lag die Quote dagegen bei nur 0,68 Prozent. Einen ähnlichen Wert meldete das Land Schleswig-Holstein mit einer Quote von 0,63 Prozent im Jahr 2024. In Niedersachsen und Hessen sind Beamte nicht eingerechnet, in Schleswig-Holstein haben sie aber Anspruch auf Bildungsurlaub. 

In Rheinland-Pfalz nutzten in den Jahren 2023 und 2024 zusammen 1,8 Prozent das Angebot (inklusive Beamte). In Sachsen-Anhalt waren es in den Jahren 2020 bis 2023 1,7 Prozent (keine Beamte) - etwas mehr als im Zeitraum 2016 bis 2019 (1,44 Prozent). 

Weiterbildungsangebote werden in Deutschland weniger genutzt

Die Zurückhaltung in Deutschland beim Thema Weiterbildung geht auch über den Bildungsurlaub hinaus: «Im Jahr 2022 haben in Deutschland rund 8 Prozent der 25- bis 64-Jährigen an einer Bildungs- oder Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen», teilte das Statistische Bundesamt vor zwei Jahren mit. Im Schnitt der EU-Mitgliedstaaten waren es demnach zwölf Prozent. 

In einer Befragung der Bertelsmann-Stiftung sagten kürzlich rund die Hälfte der Befragten, dass sie sich in den nächsten zwölf Monaten weiterqualifizieren wollten. Viele derjenigen, die zurzeit kein Interesse an beruflicher Weiterbildung zeigen, gaben an, darin keinen Nutzen zu sehen: Knapp ein Drittel sagten beispielsweise, dass sie dadurch kein höheres Gehalt erwarten.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Sozialstaat und neue Weltordnung: SPD arbeitet an Programm. Wo es hingehen könnte, zeichnen die Parteichefs vor. Bis 2027 will sich die SPD einen neuen Kompass geben. (Politik, 07.02.2026 - 18:44) weiterlesen...

Mercedes-Chef warnt vor politischem Rechtsruck. Was er von Politik und Bürgern jetzt fordert. Mercedes-Chef Källenius warnt: Wenn Deutschland nicht umsteuert, drohen wirtschaftlicher Abstieg und ein Rechtsruck. (Wirtschaft, 07.02.2026 - 18:01) weiterlesen...

Sozialstart und neue Weltordnung: SPD arbeitet an Programm. Wo es hingehen könnte, zeichnen die Parteichefs vor. Bis 2027 will sich die SPD einen neuen Kompass geben. (Politik, 07.02.2026 - 17:17) weiterlesen...

Bas sieht Existenz des Sozialstaats gefährdet. Die SPD-Chefin ist empört - und warnt vor den Folgen solcher Debatten. Telefonische Krankschreibung abschaffen? Die Übernahme von Zahnarztkosten streichen? Zuletzt gab es viele Vorschläge dieser Art. (Politik, 07.02.2026 - 14:55) weiterlesen...

Reformen: Gewerkschaften attackieren Union und Wirtschaft. Die Arbeitgeber lassen das nicht auf sich sitzen. Zahnarztkosten, Teilzeit, Arbeitsmoral: Die Gewerkschaften halten die Sozialdebatte, wie sie von Wirtschaft und Union geführt wird, für unverschämt. (Politik, 06.02.2026 - 15:35) weiterlesen...

Stärkere Tarifbindung verhindert? DGB attackiert Ministerin. Nun attackiert der Gewerkschaftsbund Wirtschaftsministerin Reiche - und wirft ihr eine Blockade vor. Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland, für die ein Tarifvertrag gilt, sinkt seit Jahren. (Wirtschaft, 04.02.2026 - 12:52) weiterlesen...