Ölpreis treibt Shell-Gewinn auf 10,8 Milliarden Dollar
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 14:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAktienrückkäufe und politische Reaktionen
- Shell kündigte für das laufende Quartal Aktienrückkäufe im Wert von fünf Milliarden US-Dollar an.
- TotalEnergies will im Schlussquartal und im ersten Quartal 2027 eigene Aktien für 2,5 Milliarden US-Dollar zurückkaufen.
- Grüne und Linke fordern erneut eine Übergewinnsteuer für Öl- und Gaskonzerne.
Ölpreis treibt Gewinne von Shell und Konkurrenten
Die durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Öl- und Gaspreise haben Shell, TotalEnergies und Repsol im dritten Quartal kräftige Gewinnsprünge beschert. An der Börse legten die Aktien am Donnerstag zu, zugleich verschärfte sich in Deutschland die politische Debatte über eine mögliche Übergewinnsteuer.
Lieferausfälle treiben Brent-Preis
In der Straße von Hormus ist der Tankerverkehr gestört. Liefer- und Produktionsausfälle treiben die Preise in die Höhe: Brent kostete im dritten Quartal durchschnittlich mehr als 90 US-Dollar je Barrel, aktuell sind es rund 113 Dollar; vor Kriegsbeginn Ende Februar waren es weniger als 70 Dollar.
Raffinerien und Handel stützen Ergebnis
Shell und seine Konkurrenten betrieben ihre Raffinerien in den vergangenen Monaten so intensiv wie möglich. Zusätzliche Erträge aus Handel und Raffinerien überwogen die Belastungen durch Liefer- und Produktionsschwierigkeiten deutlich.
Auch der Ausfall von Flüssigerdgaslieferungen aus dem Persischen Golf bescherte großen Energiekonzernen unerwartete Gewinne. Gleichzeitig mussten sie im Nahen Osten Produktionsausfälle hinnehmen.
Shell erzielt zweithöchsten Quartalsgewinn
Shell verdoppelte den bereinigten Gewinn im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 10,8 Milliarden Dollar beziehungsweise 9,7 Milliarden Euro. Es war der zweithöchste Quartalsgewinn der Unternehmensgeschichte; nur 2022 nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hatte Shell noch mehr verdient.
TotalEnergies steigerte den bereinigten Nettogewinn im Jahresvergleich auf gut 9 Milliarden Dollar. Repsol vervielfachte den bereinigten Gewinn von 0,75 auf gut 2,7 Milliarden Euro.
Konzerne erhöhen Rückkäufe
Repsol kündigte sein drittes Aktienrückkaufprogramm in diesem Jahr an und will noch 2026 weitere Aktien im Wert von 950 Millionen Euro zurückkaufen. Shell kündigte Rückkäufe von fünf Milliarden Dollar an, zwei Milliarden mehr als im abgelaufenen Quartal.
TotalEnergies will im Schlussquartal und im ersten Quartal 2027 eigene Aktien für 2,5 Milliarden Dollar zurückkaufen. Solche Rückkäufe können den Gewinnanteil der verbleibenden Aktien erhöhen, wenn die erworbenen Papiere eingezogen werden.
Grüne und Linke verlangen Abgabe
Die gestiegenen Öl- und Dieselpreise sowie die hohen Konzerngewinne sorgen für politische Diskussionen. Von der Bundesregierung werden über den Tankrabatt hinaus weitere Maßnahmen gefordert.
Die Grünen-Abgeordnete Lisa Badum kritisierte die Gewinne der Ölkonzerne und den Tankrabatt scharf. Der Linke-Abgeordnete Christian Görke forderte ebenfalls eine Übergewinnsteuer und verwies darauf, dass eine solche Abgabe national beschlossen werden könne.
In Hamburg demonstrierten Greenpeace-Aktivisten an einer Shell-Tankstelle für eine Übergewinnsteuer. Greenpeace sprach in einer Mitteilung von einer „Preiserpressung“ der Konzerne.
Der Gewinnsprung der europäischen Ölkonzerne fällt in eine Phase stark erhöhter Energiepreise. Als wesentliche Treiber gelten die Folgen des Iran-Kriegs, Störungen des Tankerverkehrs in der Straße von Hormus sowie Ausfälle bei Lieferungen und Produktion.
Die Entwicklung ähnelt der europäischen Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Damals erhob die EU für außergewöhnliche Gewinne von Erdöl-, Gas-, Kohle- und Raffineriekonzernen einen befristeten Solidaritätsbeitrag. Gewinne oberhalb von 20 Prozent des Durchschnitts der Jahre 2019 bis 2021 wurden mit 33 Prozent belastet; Deutschland nahm dadurch 2022 fast zwei Milliarden Euro und 2023 rund 465 Millionen Euro ein.
Politischer Streit über Verteilung
Die aktuellen Zahlen verschärfen die Debatte darüber, wer von den hohen Preisen profitiert und wer die Belastungen trägt. Während Shell, TotalEnergies und Repsol ihre Aktionäre über Rückkäufe beteiligen, steigen für Verbraucher die Kosten von Kraftstoffen und Energie.
Eine neue Abgabe müsste rechtlich, europapolitisch und praktisch geklärt werden. Die EU-Kommission verweist darauf, dass Mitgliedstaaten eine Steuer auf außergewöhnliche Gewinne grundsätzlich national einführen können; zugleich kann ein Alleingang Unternehmen im Standortwettbewerb benachteiligen.
Auswirkungen für Verbraucher
Für Haushalte und Unternehmen bleibt der Ölpreis der wichtigste kurzfristige Faktor für Sprit- und Transportkosten. Entspannung wäre vor allem dann zu erwarten, wenn sich die Lage an den wichtigen Handelswegen stabilisiert und Lieferausfälle zurückgehen. Bis dahin bleiben die Konzerngewinne eng mit den geopolitischen Risiken verbunden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
stern: „Hoher Rohölpreis: Europäische Ölkonzerne fahren hohe Milliardengewinne ein“ (29.10.2026)
Der Beitrag bestätige die kräftigen Quartalsgewinne von Shell, TotalEnergies und Repsol und ordne sie den hohen Rohölpreisen infolge des Iran-Kriegs zu. Einen zusätzlichen Schwerpunkt lege er auf die frühere EU-Übergewinnsteuer, ihre Einnahmen in Deutschland und die anhängigen rechtlichen Fragen.
n-tv: „Shell und Total Energies verdoppeln Gewinn dank des hohen Ölpreises“ (29.10.2026)
Der Artikel bestätige ebenfalls die Gewinnsprünge und stelle die politische Debatte über eine neue Übergewinnsteuer in den Mittelpunkt. Anders als der stern-Beitrag betone er stärker die frühere Abgabe, ihre konkrete Berechnung und die noch ausstehende Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs.
Beide Beiträge stellten die hohen Energiepreise und die Gewinne der Konzerne in den Mittelpunkt. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung der rechtlichen Folgen und der politischen Handlungsmöglichkeiten.
