ÖPNV-Preise 2027 steigen in Berlin, München und Ruhrgebiet
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTarifänderungen in fünf Verkehrsregionen
- Der VBB erhöht die Fahrpreise 2027 im Durchschnitt um 3,72 Prozent.
- Im VRR steigen die übrigen Ticketpreise im Schnitt um 4,9 Prozent, während Eezy stabil bleibt.
- Die Streifenkarte im Münchner Großraum kostet künftig 21 Euro statt 18,70 Euro.
Verkehrsverbünde erhöhen ÖPNV-Preise 2027
Viele Pendler müssen für Bus- und Bahnfahrten im öffentlichen Nahverkehr im kommenden Jahr erneut mehr zahlen. Mehrere große Verkehrsverbünde haben Preissteigerungen angekündigt, darunter in Berlin, München und dem Ruhrgebiet.
VBB erhöht Preise im Durchschnitt
Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg will die Fahrpreise zum kommenden Jahr im Schnitt um 3,72 Prozent anheben. Das Einzelticket für den Stadtbereich bleibt bei 4,00 Euro, das Vier-Fahrten-Ticket soll dagegen um 80 Cent auf 13,20 Euro steigen.
VRR hält Eezy-Ticket stabil
Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr sollen die Ticketpreise im Durchschnitt um 4,9 Prozent steigen. Das Eezy-Ticket, bei dem die tatsächlich zurückgelegte Strecke und nicht einzelne Tarifgebiete abgerechnet werden, soll seinen Preis behalten.
Mehrkosten im Großraum München
Im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund fällt die Erhöhung mit fast 5 Prozent noch etwas stärker aus. Der Preis für die Streifenkarte der Zone M steigt von 18,70 Euro auf 21 Euro, die digitale Variante wird für 19,50 Euro angeboten. Auch Monatskarten werden teurer.
Preisanpassungen in Nürnberg und Hamburg
Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg erhöht die Preise im Durchschnitt um 5,86 Prozent. Betroffen sind Einzelfahrkarten bestimmter Preisstufen; die Aufschläge liegen zwischen 10 und 20 Cent.
Im Hamburger Verkehrsverbund bleiben die Preise für den Nahbereich sowie die besonders häufig verkauften Einzel- und Tagestickets in Hamburg AB beziehungsweise zwei Ringen unverändert. Kurzstrecken- und City- beziehungsweise Stadtverkehrstickets verteuern sich dagegen jeweils um 10 Cent, ebenso werden Kinderfahrkarten teurer.
Deutschlandticket kostet künftig 66,80 Euro
Als Gründe für die Preissteigerungen nennen die Verkehrsverbünde vor allem höhere Personal-, Energie- und Sachkosten. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund will die Preise zum Jahresbeginn 2027 dagegen nicht anpassen.
Auch das bundesweit gültige Deutschlandticket wird teurer: Der Monatspreis steigt zum Januar von derzeit 63 Euro auf 66,80 Euro.
Die angekündigten Tarifanpassungen zeigen, dass der öffentliche Nahverkehr weiterhin zwischen Kostendruck und dem Ziel bezahlbarer Mobilität steht. Personal, Energie und Sachmittel verteuern den Betrieb; Verkehrsverbünde geben diese Belastungen teilweise über höhere Fahrpreise weiter. Dass einzelne Einzeltickets oder stark genutzte Tarifangebote stabil bleiben, deutet zugleich auf den Versuch hin, besonders preissensible Fahrgäste nicht vollständig zusätzlich zu belasten.
Deutschlandticket bleibt Teil der Finanzierungsdebatte
Mit dem Anstieg des Deutschlandtickets von 63 auf 66,80 Euro pro Monat wird auch das bundesweite Abo teurer. Die Preisänderung betrifft damit nicht nur regionale Gelegenheitsfahrer, sondern auch Pendler, die das Ticket regelmäßig nutzen. Die Debatte reicht über den Monatspreis hinaus: Verkehrsunternehmen und Verbünde ringen zusätzlich um die Verteilung der Mittel für Vertrieb und Betrieb.
Für Fahrgäste zählt letztlich, ob höhere Einnahmen zu einem stabilen Angebot beitragen. Steigende Tarife können die Finanzierung sichern, erhöhen aber zugleich die Schwelle für Menschen mit kleinem Einkommen und für Haushalte, die zwischen Auto und öffentlichem Verkehr abwägen. Besonders relevant wird deshalb, ob die angekündigten Erhöhungen mit verlässlichen Verbindungen, ausreichender Kapazität und einer langfristig tragfähigen Finanzierung einhergehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Deutschlandticket: Preis steigt auf 66,80 Euro – Streit um Verkaufsprovisionen entbrannt“ (03.11.2026)
Der Beitrag ordne ein, dass der Monatspreis zum 1. Januar 2027 von 63 auf 66,80 Euro steige. Einen zusätzlichen Schwerpunkt lege er auf den Streit über die Vertriebsvergütung und die langfristige Finanzierung des Angebots.
Dieser Artikel stelle ebenfalls die Preiserhöhung auf 66,80 Euro heraus, konzentriere sich aber stärker auf die geplante Anhebung der Vertriebsprovision und die Kritik regionaler Verkehrsverbünde. Offen bleibe, wie der Koordinierungsrat des Deutschlandtickets über die Vergütung entscheide.
Beide Beiträge stimmten beim höheren Ticketpreis und beim Finanzierungsdruck überein; der erste setze den Akzent auf die Folgen für Fahrgäste, der zweite auf die Verteilung öffentlicher Mittel.
