Omnibus I: 110 Beteiligte, doch Großunternehmen dominierten die EU-Beratung
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 02:45 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Antikorruptionsorganisation Transparencia Internacional hat die Zusammensetzung der Konsultationen der Europäischen Kommission zum sogenannten Omnibus I scharf kritisiert.
Bei den Beratungen über die Lockerung zentraler Vorgaben der Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) sowie der Lieferkettensorgfaltspflichten (CSDDD) seien Großunternehmen sowie Wirtschaftsinteressen aus den USA deutlich überrepräsentiert gewesen, wie aus einem Bericht vom 20. Oktober 2026 hervorgeht.
Wirtschaftsvertreter dominierten geschlossenen Runden Tisch
Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation spiegelte die Teilnehmerstruktur einer geschlossenen Diskussionsrunde ein deutliches Missverhältnis wider. Von den insgesamt 110 Beteiligten entfielen 37,3 Prozent auf Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände sowie 29,1 Prozent direkt auf Unternehmen.
Zivilgesellschaftliche Akteure kamen dagegen nur am Rande zu Wort: Nichtregierungsorganisationen machten 11,8 Prozent der Anwesenden aus, Gewerkschaften lediglich 5,5 Prozent und akademische Institutionen 1,8 Prozent.
Zudem wies die geografische Beteiligung laut der Organisation erhebliche Lücken auf. Nationale Interessenvertreter repräsentierten lediglich 12 der 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. US-amerikanische Organisationen traten dabei als viertstärkste Kraft auf und lagen gleichauf mit Spanien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich – übertroffen nur von Vertretern aus Deutschland, Frankreich und Italien.
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Hohe Konzentration bei Lobbytreffen
Transparencia Internacional verwies zudem auf ein starkes Ungleichgewicht beim Zugang zu den Entscheidungsträgern. Die Teilnehmer des Formats stellten zwar lediglich 0,5 Prozent der rund 17.000 im Transparenzregister der EU registrierten Lobbyisten dar, zeichneten jedoch für mehr als 10 Prozent aller dokumentierten Treffen zwischen der Kommission und diesen Interessengruppen verantwortlich.
Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den Kontakten der Spitzenpolitik seit 2024. In den Treffen des Kabinetts von EU-Kommissar Valdis Dombrovskis und des Berichterstatters Jörgen Warborn dominierten nach Auswertung der Organisation ebenfalls Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände mit einem Anteil von 81,7 Prozent sowie Unternehmen mit 73 Prozent. Die Vereinigten Staaten bildeten in diesen Gesprächsrunden das drittwichtigste Herkunftsland.
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Die Zusammensetzung und Transparenz derartiger Konsultationsrunden stand bereits zuvor im Visier der europäischen Kontrollorgane. Die Europäische Bürgerbeauftragte hatte in diesem Zusammenhang bereits Missstände in der Verwaltung festgestellt. In Brüssel läuft derzeit eine Überarbeitung der Leitlinien für eine bessere Rechtsetzung, um den Dialog mit Interessengruppen transparenter und ausgewogener zu gestalten.
