Wettbewerb, Industrie

Paper Summit 2026: Papierindustrie kritisiert nicht wettbewerbsfÀhige Standortbedingungen

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 17:28 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS
Berlin - VerbandsprĂ€sident Gallenkamp: "Elementare Standortfaktoren wie Energiekosten, Steuern und Abgaben mĂŒssen sich an internationalen Wettbewerbsfaktoren orientieren" / Aktuelle Mitgliederumfrage: FĂŒr 95 Prozent der Papierhersteller bleiben die Energiepreise die grĂ¶ĂŸte wirtschaftliche Herausforderung / BMUKN-StaatssekretĂ€rin Bettina Hagedorn: "Die Papierindustrie ist eine zentrale Grundstoffindustrie in Deutschland, deren Beitrag oft unterschĂ€tzt wird. Papier ist hoch systemrelevant."
Paper Summit 2026: Papierindustrie kritisiert nicht wettbewerbsfÀhige Standortbedingungen - Bild: presseportal.de

Der heutige Paper Summit der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie zeigte deutlich, dass Unternehmen mit industrieller Wertschöpfung hierzulande dringend wettbewerbsfĂ€hige Rahmenbedingungen brauchen, damit der Standort wieder an StĂ€rke gewinnt. "Elementare Standortfaktoren wie Energiekosten, Steuern und Abgaben mĂŒssen sich an den internationalen Wettbewerbsfaktoren orientieren. Ansonsten können wir in Deutschland nicht mehr konkurrenzfĂ€hig produzieren", erklĂ€rte der PrĂ€sident des Verbandes DIE PAPIERINDUSTRIE und CEO des Spezialpapierherstellers Felix Schoeller, Hans-Christoph Gallenkamp, auf der Veranstaltung in Berlin vor rund 190 FĂŒhrungskrĂ€ften der Papierbranche und ihrer Marktpartner. "Gerade in der Sozialpolitik brauchen wir eine echte Trendwende. Es ist nicht ausreichend, das System nicht schlechter zu machen. Wir brauchen eine nachhaltige Finanzierung fĂŒr Rente und soziale Leistungen, die ohne steigende BeitrĂ€ge und Lohnnebenkosten auskommt und nicht zunehmend aus dem Gesamthaushalt finanziert wird", fĂŒhrte Gallenkamp weiter aus.

Energiekosten sind laut Verbandsumfrage grĂ¶ĂŸte Herausforderung

Wie groß die Sorgen der Unternehmen in der Papierindustrie sind, bestĂ€tigt die aktuelle Verbandsumfrage. FĂŒr 95 Prozent der Papierhersteller sind die Energiekosten die grĂ¶ĂŸte wirtschaftliche Herausforderung. Auf Platz zwei sehen 84 Prozent der Unternehmen die Konjunkturentwicklung sowie die generelle WettbewerbsfĂ€higkeit des Standorts Deutschland. Danach folgen fĂŒr 71 Prozent die Regulierung bzw. BĂŒrokratie und fĂŒr 70 Prozent der Betriebe die Transformation zur KlimaneutralitĂ€t.

Von der bisherigen Politik der Koalition ist die Papierindustrie ĂŒberwiegend enttĂ€uscht, wie die Umfrage weiter zeigt. "Wir als Verband haben das erste Jahr der neuen Bundesregierung im Vertrauen auf unser demokratisches Rechts- und Wertesystem voller Zuversicht und Bereitschaft zur verantwortungsvollen Kooperation begleitet. Doch mittlerweile haben auch wir angesichts der immer grĂ¶ĂŸer werdenden Herausforderungen und existenziellen Baustellen unsere Zweifel, mit welcher UnterstĂŒtzung wir als Industrie von Seiten der Politik noch verbindlich rechnen können", sagte Gallenkamp. Zudem werde die Branche in ihrer internationalen WettbewerbsfĂ€higkeit auch durch geopolitische Handelshemmnisse und grundlegende MarktverĂ€nderungen massiv unter Druck gesetzt.

ETS-Reform fĂŒr Dekarbonisierung und industrielle Wertschöpfung kontraproduktiv

Deutliche Kritik der Industrie kommt auch zu den KommissionsvorschlĂ€gen zur ETS-Reform. "Wer die freie Zuteilung, also ein zentrales Schutzinstrument gegen die Verlagerung von Produktion und Emissionen in LĂ€nder ohne vergleichbares CO2-Preissystem, an unwirtschaftliche Zwangsinvestitionen koppelt, der beendet nicht nur den Carbon-Leakage-Schutz, sondern offenbart auch ein fundamentales MissverstĂ€ndnis wirtschaftlicher RealitĂ€t", so Gallenkamp. Die freie Zuteilung sei kein Geldtopf, aus dem sich Investitionen finanzieren lassen. Ihr Zweck sei, einen Teil der ETS-Kosten auszugleichen und so die internationale WettbewerbsfĂ€higkeit der europĂ€ischen Industrie zu erhalten. Wer dieselbe Entlastung gleichzeitig als Investitionsfinanzierung verplane, tue so, als ließe sich derselbe Euro zweimal ausgeben.

BMUKN-StaatssekretÀrin Bettina Hagedorn: "Papierindustrie ist eine zentrale Grundstoffindustrie"

Bettina Hagedorn, Parlamentarische StaatssekretĂ€rin im Bundesministerium fĂŒr Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, unterstrich in ihrer Keynote auf dem Paper Summit die Bedeutung der Papierindustrie fĂŒr den Industriestandort Deutschland. "Die Papierindustrie ist eine zentrale Grundstoffindustrie in Deutschland, deren Beitrag oft unterschĂ€tzt wird. Papier ist hoch systemrelevant."

Gleichzeitig verwies Hagedorn auf die zahlreichen Aufgaben der Politik: "Der Reformbedarf ist gewaltig und wir sehen und hören die Sorgen der Industrie. Unser Ziel ist es, unsere Klimaziele zu erreichen, die Transformation in Deutschland zu beschleunigen und gleichzeitig die WettbewerbsfĂ€higkeit nicht aus den Augen zu verlieren." Die grĂ¶ĂŸte Herausforderung bestehe fĂŒr die Regierungskoalition aktuell darin, die zahlreichen Reformvorhaben in Umsetzung zu bringen und zugleich einen verfassungskonformen Haushalt aufzustellen.

Trotz aller Problematik mĂŒsse es gelingen, industrielle Wertschöpfung am Standort Deutschland zu halten. "Niemand wolle, dass Industrie aus Deutschland abwandere", so die StaatssekretĂ€rin. Deshalb sei sie auch optimistisch, dass wir in der Zukunft eine starke Papier- und Zellstoffindustrie in Deutschland haben werden.

Pressekontakt:

Marilena Hantke
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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