Frankreich kĂŒndigt Selenskyj-Besuch an - Treffen mit Biden geplant
05.06.2024 - 15:44:54(neu: Biden-Aussagen zur Nato)
PARIS (dpa-AFX) - Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj kommt am Donnerstag zu einem zweitĂ€gigen offiziellen Besuch nach Frankreich. PrĂ€sident Emmanuel Macron wird ihn am Freitag im ĂlysĂ©e-Palast empfangen, wie der ĂlysĂ©e der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die beiden wollten die Lage im Abwehrkampf gegen die russische Invasion und die BedĂŒrfnisse der Ukraine erörtern, hieĂ es am Dienstag. In seiner abendlichen Videoansprache betonte Selenskyj einmal mehr, wie wichtig es sei, in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern die VerteidigungsfĂ€higkeiten seines Landes zu stĂ€rken.
Bereits bekannt war, dass Selenskyj am Donnerstag in der Normandie am Gedenken an die dortige Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg vor 80 Jahren teilnimmt. Macron hatte angekĂŒndigt, dass er sich zu diesem Zeitpunkt zur Frage einer möglichen Entsendung französischer MilitĂ€rausbilder in die Ukraine Ă€uĂern will. Offiziell gibt es solche Ausbildungsprogramme bislang nicht. Der vierte Besuch des ukrainischen PrĂ€sidenten seit dem russischen Angriff vor mehr als zwei Jahren biete Macron eine Gelegenheit, die Entschlossenheit Frankreichs zu bekrĂ€ftigen, hieĂ es aus dem ĂlysĂ©e-Palast.
Selenskyj trifft auch UnterstĂŒtzer Biden
Auch US-PrĂ€sident Joe Biden will am Rande der Gedenkveranstaltung mit Selenskyj zusammenkommen. Er wolle mit ihm darĂŒber beraten, wie die US-Regierung ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine fortsetzen und vertiefen könne, sagte Bidens Sicherheitsberater Jake Sullivan am Dienstagabend (Ortszeit) an Bord der Regierungsmaschine Air Force One auf dem Flug nach Paris. Auch beim Gipfel der sieben groĂen westlichen Industrienationen (G7) kommende Woche in Italien sei ein persönliches Treffen zwischen Biden und Selenskyj geplant.
Auf die Frage, ob die Ukraine bereits mit von den USA gelieferten Waffen auf militĂ€rische Ziele in Russland gefeuert habe, entgegnete Sullivan, er wolle nicht fĂŒr das ukrainische MilitĂ€r sprechen. Die US-Regierung hatte der Ukraine Ende vergangene Woche die Erlaubnis erteilt, amerikanische Waffen in begrenztem Umfang gegen Ziele auf russischem Gebiet einzusetzen. Die Bundesregierung folgte dem Schritt mit Blick auf von Deutschland gelieferte Waffen. Sullivan betonte auĂerdem, dass die US-Regierung nicht plane, eigene MilitĂ€rberater oder Ausbilder in die Ukraine zu entsenden, um ukrainische Soldaten dort zu trainieren.
Bei einigen Kommentatoren des russischen Angriffskrieges sorgte eine etwas kryptische Aussage Bidens zu einem potenziellen Nato-Beitritt der Ukraine fĂŒr Aufsehen. Auf die Frage nach einer Friedenslösung fĂŒr das Land sagte Biden in einem Interview mit dem US-Magazin "Time": "Frieden bedeutet, dafĂŒr zu sorgen, dass Russland die Ukraine nie, nie, nie, nie besetzt." Damit sei aber nicht gemeint, dass die Ukraine Teil der Nato sei. "Es bedeutet, dass wir mit ihnen eine Beziehung haben, wie wir sie mit anderen LĂ€ndern haben, wo wir ihnen Waffen liefern, damit sie sich in Zukunft selbst verteidigen können."
Die USA und die Ukraine verhandeln aktuell ĂŒber ein bilaterales Sicherheitsabkommen. Hintergrund ist, dass sich die G7-Gruppe westlicher WirtschaftsmĂ€chte beim Nato-Gipfel in der litauischen Hauptstadt Vilnius im vergangenen Jahr dazu verpflichtet hat, die Ukraine mit langfristiger militĂ€rischer und finanzieller Hilfe besser schĂŒtzen. Eine entsprechende ErklĂ€rung wurde unterzeichnet. Weitere Staaten schlossen sich damals dem Abkommen mit den G7-Staaten an. Die ErklĂ€rung bleibt aber weit hinter der Sicherheitsgarantie zurĂŒck, die etwa ein Beitritt zum VerteidigungsbĂŒndnis Nato bieten wĂŒrde.
Biden hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass die Ukraine noch nicht bereit fĂŒr einen Nato-Beitritt sei - eine Mitgliedschaft in der Zukunft aber nicht ausgeschlossen. Ein hoher US-Regierungsvertreter hatte vor einigen Wochen bekrĂ€ftigt, dass die Ukraine beim bevorstehenden Nato-Gipfel in Washington keine Einladung zum Beitritt in das westliche VerteidigungsbĂŒndnis bekommen werde. Auch Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg hatte Hoffnungen der Ukraine auf eine baldige Einladung zur Mitgliedschaft zuletzt gedĂ€mpft.
Ukraine erhöht Status des Englischen
Das ukrainische Parlament stĂ€rkt unterdessen mit einem neuen Gesetz den Status der englischen Sprache. KĂŒnftig sind gute Englischkenntnisse Einstellungsvoraussetzung fĂŒr viele ukrainischen Staatsangestellte, wie das Parlament in Kiew beschloss. Mit einem höheren Englischniveau soll das Land attraktiver fĂŒr Touristen und international konkurrenzfĂ€higer werden. Die Aufwertung von Englisch in der Ukraine sei "eine Notwendigkeit und ein strategischer Schritt zur vollwertigen Mitgliedschaft unseres Staates in der EuropĂ€ischen Union", hieĂ es zur BegrĂŒndung des Gesetzes.
Russland zerstört neun Gigawatt Kraftwerksleistung in der Ukraine
Nach dem russischen Einmarsch 2022 hat die Ukraine laut Regierungsangaben durch Raketen- und Drohnenangriffe mehr als neun Gigawatt Kraftwerksleistung verloren. "Die Situation ist sehr ernst", sagte der ukrainische MinisterprĂ€sident Denys Schmyhal bei einer Regierungssitzung. Der Netzbetreiber Ukrenerho sei aufgrund des Energiemangels zu planmĂ€Ăigen Stromsperren gezwungen.
Was am Mittwoch wichtig wird
Der russische PrÀsident Wladimir Putin trifft erstmals seit Beginn seines seit mehr als zwei Jahren andauernden Angriffskrieges gegen die Ukraine beim internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg wieder westliche Medienvertreter, um auf Fragen zu antworten. Dieses internationale Medientreffen beim Wirtschaftsforum gab es 2022 und 2023 nicht.

