Opposition stĂŒrzt Frankreichs Regierung mit Misstrauensvotum
04.12.2024 - 22:52:36(Neu: Reaktion Opposition und Ansprache Macron, AbsÀtze 3 bis 5 ergÀnzt)
PARIS (dpa-AFX) - Mit einem Misstrauensvotum hat die Opposition in Frankreich die Mitte-Rechts-Regierung von Premierminister Michel Barnier zu Fall gebracht. Marine Le Pens Rechtsnationale und das linke Lager stimmten in der Nationalversammlung gemeinsam gegen die Regierung und erreichten so die nötige Mehrheit.
Insgesamt 331 der 577 Abgeordneten entzogen dem Kabinett das Vertrauen. Barnier muss nun seinen RĂŒcktritt und den RĂŒcktritt der Regierung bei PrĂ€sident Emmanuel Macron einreichen. Das Amt des Staatschefs berĂŒhrt das Misstrauensvotum nicht.
Linke fordert Macrons RĂŒcktritt
Frankreichs Linke forderte am Abend den RĂŒcktritt von PrĂ€sident Emmanuel Macron. "Um aus der Sackgasse zu kommen, in die der PrĂ€sident das Land gefĂŒhrt hat, bleibt uns nur eine Lösung: Wir fordern Emmanuel Macron jetzt auf, zu gehen", sagte die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei La France Insoumise (LFI), Mathilde Panot. "Nicht wir sind das Chaos, sondern das ist seit sieben Jahren Emmanuel Macron." Mit dem Misstrauensvotum sei seine Politik geschlagen worden.
Auch die Fraktionschefin von Frankreichs Rechtsnationalen, Marine Le Pen, machte Macron fĂŒr die eingetretene politische Krise verantwortlich. "Er ist der groĂe Verantwortliche der aktuellen Situation", sagte Le Pen auf TF1. "Ich fordere nicht den RĂŒcktritt von Emmanuel Macron", sagte Le Pen. Der Druck auf ihn aber werde steigen, er mĂŒsse selbst entscheiden, ob er bis 2027 im Amt bleiben wolle oder verfrĂŒhte Wahlen ausrufe.
Macron plant Ansprache am Donnerstagabend
Der Staatschef selbst wollte sich erst am Donnerstagabend in einer Ansprache an die Nation Ă€uĂern, teilte der ĂlysĂ©epalast mit. Macron war erst im Laufe des Tages aus Saudi-Arabien nach Paris zurĂŒckgekehrt. Mit der Abstimmung ĂŒber den Misstrauensantrag war gewartet worden, bis der PrĂ€sident wieder im Land ist.
Politische Pattsituation
Der Fall der Regierung stĂŒrzt Frankreich in eine tiefe politische Krise. Eine Parlamentsneuwahl ist erst im kommenden Sommer wieder möglich. Das KrĂ€fteverhĂ€ltnis bleibt somit unverĂ€ndert eine Pattsituation. Weder das linke Lager, das die Parlamentswahl im Sommer gewann, noch Macrons Mitte-KrĂ€fte und auch nicht die Rechtsnationalen um Marine Le Pen und ihre VerbĂŒndeten haben eine eigene Mehrheit. Die Regierungssuche dĂŒrfte erneut schwierig werden. Dass es am Ende fĂŒr mehr als eine Minderheitsregierung reicht, scheint unwahrscheinlich.
Auch Macron unter Druck gesetzt
Nach Deutschland droht damit auch die zweite SĂ€ule des wichtigen deutsch-französischen Motors in Europa in zeitweisen politischen Stillstand zu rutschen und sich vor allem um ihre innenpolitischen Probleme kĂŒmmern zu mĂŒssen. Macrons Amt bleibt von dem Misstrauensvotum unberĂŒhrt. Er ernennt als PrĂ€sident aber den Premierminister. Nach der Parlamentswahl hat er sich stark in die Regierungssuche eingebracht und dĂŒrfte dies nun wieder tun.
Zudem lĂ€sst der Regierungssturz auch ihn nicht unbeschadet zurĂŒck. Der Staatschef hatte Barnier nach langen Sondierungen zum Premier ernannt, seine Mitte-KrĂ€fte regierten mit. Die Opposition dĂŒrfte nun versuchen, Macron aufgrund der komplizierten politischen VerhĂ€ltnisse zu einer vorgezogenen PrĂ€sidentschaftswahl zu drĂ€ngen. Bisher hatte Macron dies stets abgelehnt.
Nötiger Sparhaushalt nicht verabschiedet
Misslich ist die politische Krise auch fĂŒr Frankreichs Wirtschaft. Das Land hat eine zu hohe Neuverschuldung. Barnier wollte diese wieder in den Griff bekommen. Seine Regierung scheiterte am eskalierenden Streit um den Sparhaushalt. Sie dĂŒrfte als eine der kĂŒrzesten Regierungen in die jĂŒngere französische Geschichte eingehen.

