Parkinson als Berufskrankheit: Kabinett beschließt Anerkennung
13.06.2026 - 06:50:48 | boerse-global.de
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat den ersten Teil eines neuen Handbuchs zur Gefährdungsbeurteilung veröffentlicht. Die Publikation vom 12. Juni 2026 soll Arbeitgebern helfen, Sicherheitslücken systematisch zu erkennen und zu schließen.
Der Bedarf ist enorm: 2018 verzeichneten Statistiken 708,3 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage. Das verursachte Produktionsausfälle von rund 85 Milliarden Euro. Im selben Jahr registrierten die Behörden über 949.000 Arbeitsunfälle, 541 davon tödlich.
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Psychische Belastungen rücken in den Fokus
Das neue Handbuch konkretisiert die Anforderungen des Arbeitsschutzgesetzes. Seit 1996 sind Arbeitgeber zur Gefährdungsbeurteilung verpflichtet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf psychischen Gefährdungen – das Gesetz schreibt deren Berücksichtigung seit 2013 vor.
Die „Gefährdungsbeurteilung Psychische Belastung" (GBU Psyche) dient als zentrales Instrument. Orientierung bietet die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA). Parallel steht die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) vor einer möglichen Novellierung als Arbeitsmittelbenutzungsverordnung. Die letzte Änderung trat am 18. Dezember 2025 in Kraft.
Wer seinen Prüfpflichten nicht nachkommt, riskiert Bußgelder bis zu 20.000 Euro. Die Relevanz regelmäßiger Kontrollen zeigen aktuelle Mängelstatistiken: Über 50 Prozent der geprüften Aufzugsanlagen wiesen Mängel auf. Die Prüffristen sind streng geregelt: Aufzüge müssen alle zwei Jahre durch eine Zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) kontrolliert werden, Gabelstapler jährlich durch eine befähigte Person. Ortsfeste elektrische Betriebsmittel prüft alle vier Jahre eine Elektrofachkraft.
Brandschutz in kritischen Infrastrukturen
Besondere Anforderungen gelten für die Sicherheit kritischer Infrastrukturen. In Umspannwerken werden verstärkt vorbeugende Brandschutzmaßnahmen implementiert. Wassernebel-Löschsysteme und KI-gestützte Echtzeitüberwachung sollen Risiken durch ölgekühlte Transformatoren oder Lichtbögen minimieren.
Dass die Sicherheitsvorkehrungen auch gegen externe Bedrohungen bestehen müssen, zeigt ein Fall in Reutlingen. Das Landeskriminalamt wertet nach einer Sabotage an einem Umspannwerk umfangreiche Videodaten aus.
Auf der Fachmesse FeuerTrutz Ende Juni 2026 präsentieren Prüfgesellschaften wie DEKRA neue Brandschutznachweise. Sie berücksichtigen moderne Technologien wie Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher und Wasserstoffanwendungen. Die Notwendigkeit lückenloser Sicherheitskonzepte unterstreicht ein tragischer Unfall: Am 11. Juni 2026 starb ein 63-jähriger Arbeiter an einer Biogasanlage in Hedeper.
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Digitale Tools für mehr Sicherheit
Unternehmen setzen zunehmend auf digitale Lösungen für Effizienz und Rechtssicherheit. Process Mining nutzt Event-Logs aus der Zeiterfassung, um Korrekturschleifen in der IT-Beratung um bis zu 40 Prozent zu reduzieren. Auch Liegezeiten in der Rechnungsstellung lassen sich so deutlich verkürzen. Im Field-Service ermöglicht SAP FSM eine strukturierte Einsatzplanung und digitale Dokumentation in Echtzeit.
Seit dem 11. Juni 2026 steht eine Plattform für automatisiertes Human Risk Management zur Verfügung. Sie hilft Unternehmen, Anforderungen wie NIS2 oder ISO 27001 zu erfüllen. Im Bereich der Personalverwaltung zwingt zudem das KONSENS-Mitteilungsverfahren (KMV) zu digitalen Meldungen an die Finanzverwaltung – ohne Medienbrüche.
Neue Berufskrankheiten und schärfere Kontrollen
Das Bundeskabinett beschloss Ende Mai 2026, dass Parkinson künftig als Berufskrankheit gilt. Voraussetzung: ein langjähriger Kontakt mit Pestiziden, etwa in der Land- oder Forstwirtschaft. Die Bundesregierung stellt für die landwirtschaftliche Sozialversicherung 2025/26 Mittel in Höhe von 20 Millionen Euro bereit.
Die Behörden erhöhen gleichzeitig den Kontrolldruck. In Nordrhein-Westfalen überprüften Zoll und Polizei zuletzt 280 Baubetriebe. Dabei stellten sie zahlreiche Verstöße gegen das Mindestlohngesetz und Fälle illegaler Beschäftigung fest.
Es gibt aber auch positive Beispiele: Die LINZ AG wurde am 11. Juni 2026 erneut mit einem Gütesiegel für hohe Sicherheitsstandards ausgezeichnet. Im Audit erreichte das Unternehmen 99 von 100 möglichen Punkten.
E-Check für Altbauten empfohlen
Der ZVEH empfahl am 11. Juni 2026 die Durchführung eines E-Checks in der Altbausanierung. Anlagen, die älter als 30 Jahre sind, entsprechen häufig nicht mehr dem Stand der Technik. Besonders problematisch: die fehlende Erweiterbarkeit für Wärmepumpen oder Wallboxen. Die entsprechende Kampagne feiert in diesem Zusammenhang ihr 30-jähriges Bestehen.
