Passkeys: Microsoft macht 720.000 Unternehmen ab September um
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 03:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Einführung von Passkeys als moderner Authentifizierungsstandard gewinnt an technologischer Tiefe. Am 11.08.2026 wurden neue technische Spezifikationen für die Registrierung und Authentifizierung veröffentlicht, die darauf abzielen, bestehende Compliance-Anforderungen in Unternehmen präziser zu adressieren. Die nun detaillierten Verfahren beschreiben den exakten Ablauf der sogenannten „Registration Ceremony“ und der anschließenden Authentifizierungsprozesse im geschäftlichen Umfeld.
Technische Spezifikationen der Registrierung und Authentifizierung
Die Registrierung eines neuen Passkeys, technisch als Registration Ceremony gemäß §7.1 definiert, wird durch die Bereitstellung von „PublicKeyCredentialCreationOptions“ eingeleitet. Ein wesentliches Sicherheitsmerkmal ist dabei die Challenge, die einen Umfang von mindestens 16 Bytes aufweisen muss. Der Prozess sieht vor, dass der Server die Challenge generiert und der Client daraufhin die Funktion navigator.credentials.create() aufruft. Die Validierung erfolgt serverseitig, nachdem der Authenticator den Vorgang signiert hat.
Für die Konfiguration der PublicKeyCredentialCreationOptions sind spezifische Parameter vorgesehen. Dazu gehören die Identifikatoren für den Relying Party (rp.id) und den Nutzer (user.id), wobei letzterer keine personenbezogenen Daten (PII) enthalten darf. Als unterstützte kryptografische Algorithmen werden ES256 (-7) und RS256 (-257) angeführt. Weitere Anforderungen umfassen die obligatorische Nutzung von „residentKey“ und „userVerification“, während die Attestation auf „none“ gesetzt wird. Das Zeitlimit für diesen Vorgang ist auf 60000 Millisekunden festgesetzt.
Die anschließende Authentifizierung (Authentication Ceremony, §7.2) stützt sich auf den W3C WebAuthn Level 2 Standard. Hierbei erfolgt der Zugriff über die Methode navigator.credentials.get(), wobei auch hier die Signatur durch den Authenticator und die anschließende Prüfung durch den Server die Sicherheitskette schließen.
Strategische Umstellung bei Microsoft und Marktdurchdringung
Die Relevanz dieser technischen Details wird durch die Ankündigung von Microsoft unterstrichen, Passkeys ab dem 01.09.2026 zum Standard zu erklären. Für rund 720.000 Unternehmen bedeutet dies eine signifikante Umstellung ihrer Identitätsinfrastruktur in Entra ID. Ein wichtiger Meilenstein ist dabei der 01.02.2027, an dem die herkömmliche SMS-Authentifizierung in Entra ID enden soll. Zudem müssen Administratoren bis zum 03.11.2026 den „MemberOf-Operator“ ersetzen.
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Marktdaten belegen die wachsende Akzeptanz des Verfahrens. Die FIDO Alliance berichtete für Mai 2026 von weltweit über 5 Mrd. aktiven Passkeys, wobei 49 % der Nutzer diese regelmäßig einsetzen. Bei Amazon nutzen bereits über 175 Mio. Kunden aktive Passkeys. Laut Branchenbeobachtern haben 68 % der Unternehmen die Technologie bereits implementiert. Dennoch verbleiben Vorbehalte: 16 % der Organisationen erachten die Kombination aus Passwort und klassischem zweiten Faktor weiterhin für ausreichend, während 24 % auf eine weitere Reifung der Standards warten.
Sicherheitsbewertung und verbleibende Risiken
Das Nationale Institut für Standards und Technologie (NIST) stuft Passkeys offiziell als phishing-resistent ein. Dennoch steht die Technologie unter ständiger Beobachtung durch Sicherheitsexperten. Am 14.07.2026 wurde die Sicherheitslücke CVE-2026-34348 (CVSS 6.5) in Windows 11 durch einen Patch geschlossen. Zuvor hatten Experten von SpecterOps vor potenziellen „Pass-the-Passkey“-Angriffen gewarnt.
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Aktuelle Herausforderungen ergeben sich zudem durch biometrische Verfahren, die oft als Auslöser für Passkeys dienen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und Europol warnen vor der zunehmenden Gefahr durch Deepfakes, welche bisherige biometrische Identifikationsmethoden unterlaufen können. Als notwendige Gegenmaßnahmen werden eine verstärkte „Liveness Detection“ sowie die Nutzung kryptografischer Templates gefordert. Es wird betont, dass Passkeys allein diese spezifischen biometrischen Risiken nicht vollständig lösen können.
Für Windows-Nutzer wurden im Rahmen des Patch Tuesdays im August 2026 (KB5121003) zudem Erweiterungen für Windows Hello ESS eingeführt, die nun auch externe Fingerabdruckleser unterstützen. Unternehmen müssen zudem beachten, dass der Support für Windows 11 Home und Pro in der Version 24H2 am 13.10.2026 endet.
