Personalwesen, Bürokratiebelastung

Personalwesen: 67 Prozent Bürokratiebelastung treibt KI-Automatisierung

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

KI-gestützte Onboarding- und HR-Lösungen von Frigade, Oracle und zvoove adressieren hohe Bürokratiebelastung. Neue Studien zeigen sinkende Löhne für Berufseinsteiger.

KI-Software revolutioniert Onboarding und HR: Frigade, Oracle und zvoove treiben Automatisierung voran
Ein minimalistischer, moderner Arbeitsplatz mit einem Laptop in einem hellen Bürogebäude bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Einführung spezialisierter Softwarelösungen für das Nutzer-Onboarding gewinnt durch den Einsatz künstlicher Intelligenz an Dynamik. Mit der Vorstellung einer neuen Plattform zielt das Unternehmen Frigade darauf ab, Softwarehersteller bei der Nutzerführung zu unterstützen. Parallel dazu treiben Branchengrößen wie Oracle und spezialisierte Dienstleister wie zvoove die Automatisierung im Personalwesen voran, während neue Studien die ökonomischen Folgen dieser Entwicklung beleuchten.

Das Technologieunternehmen Frigade hat eine KI-gestützte Onboarding-Plattform vorgestellt, die darauf ausgerichtet ist, Nutzer effizient durch Softwareprodukte zu führen. Die Entwicklung wird von namhaften Investoren getragen, darunter Craft Ventures und General Catalyst. Zudem beteiligten sich der Mitgründer von Dropbox sowie der Gründer von Vercel an der Unterstützung des Vorhabens. Das System nutzt künstliche Intelligenz, um die Interaktion zwischen Anwendern und Software zu optimieren und den Implementierungsaufwand für Unternehmen zu reduzieren.

Expansion automatisierter Lösungen im Personalbereich

Zeitgleich verstärken andere Marktteilnehmer ihre Aktivitäten im Bereich der KI-gestützten Prozessautomatisierung. Das Unternehmen zvoove hat die geistigen Eigentumsrechte an Pixi erworben, einem KI-Agenten für das Onboarding von Zeitarbeitskräften via WhatsApp. Die Technologie, die zuvor vom Schweizer Unternehmer Roger Tobler und dessen inscribe GmbH entwickelt wurde, automatisiert administrative Verwaltungsaufgaben und soll Personaldisponenten entlasten.

Auch der Softwarekonzern Oracle erweitert sein Portfolio im Bereich Human Resources (HR). Das Unternehmen kündigte die Einführung neuer „Fusion Agentic Applications“ und spezieller KI-Agenten an. Diese Anwendungen sollen Betriebe bei der Personalentwicklung, der internen Mobilität sowie der Identifikation von Kompetenzbedarfen unterstützen. Die neuen Werkzeuge sind in die Oracle Fusion Cloud HCM integriert und basieren technisch auf der Oracle Cloud Infrastructure.

Hohe Bürokratiebelastung im Personalwesen

Der Bedarf an Automatisierung wird durch aktuelle Daten zum Verwaltungsaufwand unterstrichen. Laut dem New-Work-Barometer 2026 gilt die Personalabteilung mit 67,2 % als der am stärksten von Bürokratie betroffene Bereich in Unternehmen. Rund 70 % der Befragten gaben an, dass die Bürokratie in den vergangenen zwei Jahren zugenommen habe. Während Mitarbeiter im Durchschnitt fast 40 % ihrer Arbeitszeit für bürokratische Prozesse aufwenden, liegt dieser Wert im Personalwesen bei fast 50 %.

Trotz der Effizienzversprechen durch KI gibt es auch kritische Stimmen zur technischen Umsetzung staatlicher Initiativen. Stefan Kaufmann kritisierte in diesem Zusammenhang das Programm „Spark Workflow“ des Bundesdigitalministeriums. Er bemängelte eine fehlende Gesamtdokumentation sowie unzureichende Gütetests und plädierte stattdessen für den Einsatz symbolischer KI und maschinenlesbarer Daten.

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Wirtschaftliche Auswirkungen und regulatorische Rahmenbedingungen

Die zunehmende Integration von KI beeinflusst auch die Erwartungen an den Arbeitsmarkt. Einer aktuellen Ifo-Umfrage zufolge rechnen 48,3 % der Unternehmen mit sinkenden Löhnen für Arbeitnehmer ohne Hochschulabschluss und mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung infolge des KI-Einsatzes. Bei Absolventen mit Hochschulabschluss liegt dieser Wert bei 50,8 %. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) berichtet zudem, dass KI den Berufseinstieg erschweren könnte, wobei insbesondere kaufmännische und administrative Berufe betroffen seien.

Flankiert wird die technologische Entwicklung von rechtlichen Anforderungen. Die EU-KI-Verordnung (EU) 2026/1744 verpflichtet Arbeitgeber in Artikel 4 bereits zur Förderung der KI-Kompetenz ihrer Mitarbeiter. Zwar sind Verstöße dagegen in Deutschland aktuell noch nicht mit Bußgeldern belegt, doch die strengeren Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme treten bereits am 2. Dezember 2027 in Kraft.

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In diesem regulatorischen Umfeld gewinnen Compliance-Lösungen an Bedeutung, die Anforderungen der DSGVO, der ISO 27001 sowie der NIS2-Richtlinie und des EU AI Act bündeln. Während die NIS2-Vorgaben schätzungsweise 29.500 Unternehmen betreffen, erreichten die Bußgelder im Rahmen der DSGVO bereits eine summe von 6,1 Mrd. Euro. Der EU AI Act entfaltet seine Wirkung bereits seit dem 2. August 2026.

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