Pestizidzulassung: 27 Forschungseinrichtungen protestieren gegen EU-Reform
20.06.2026 - 01:05:46 | boerse-global.de
Die EU-Kommission will die Zulassung von Pestiziden grundlegend ändern – und stößt damit auf massiven Widerstand aus der Wissenschaft. In einem Beitrag für das Fachmagazin Science warnen Experten vor einer Schwächung zentraler Schutzmechanismen.
Der Gesetzesentwurf sieht vor, die regelmäßige Neubewertung von Wirkstoffen abzuschaffen. Bisher mussten Hersteller alle zehn Jahre nachweisen, dass ihre Mittel sicher sind. Künftig sollen Zulassungen unbegrenzt gültig sein – geprüft wird nur noch bei konkreten Anlässen.
Kritiker befürchten Beweislastumkehr
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Forscher sehen darin eine gefährliche Verschiebung der Verantwortung. Statt dass die Hersteller regelmäßig die Sicherheit belegen müssen, läge die Beweislast künftig bei den Behörden. Ralf B. Schäfer von der Universität Duisburg-Essen betont: Die regelmäßige Überprüfung sei ein „wirkungsvolles Instrument“. Seit 2011 wurde 59 Wirkstoffen die Wiederzulassung verweigert.
Ein weiterer Kritikpunkt: Die Übergangsfristen sollen sich verdoppeln. Wird einem Mittel die Zulassung entzogen, dürfen Landwirte es künftig drei Jahre statt bisher 18 Monate weiterverwenden.
Forscher schlagen Alternativen vor
Die Wissenschaftler erkennen zwar einen Zulassungsstau. Die vorgeschlagenen Erleichterungen halten sie aber für riskant. Ihre Alternativ-Vorschläge:
- 15 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr über drei Jahre für die Prüfbehörden
- EU-weite Verteilung der Prüfaufgaben zur Entlastung nationaler Stellen
- Veröffentlichung aller Zulassungsstudien
- Einheitliche Bewertungskriterien in der gesamten EU
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Reform steckt politisch fest
Während die wissenschaftliche Kritik wächst, stockt das Vorhaben auf politischer Ebene. Im Ausschuss der Ständigen Vertreter (COREPER) fand sich keine Mehrheit für den Kompromisstext. Die Trilog-Verhandlungen mit dem EU-Parlament können vorerst nicht beginnen.
Parallel gibt es in der Agrarpolitik Fortschritte: Das EU-Parlament verabschiedete Mitte Juni neue Regeln für Neue Genomische Techniken. Auch eine neue EU-Saatgutverordnung steht, die unter anderem die regionale Sortenvielfalt stärken soll.
