Pflegebetriebe, Gesundheitskarte

Pflegebetriebe: Gesundheitskarte kostet 2,3 Millionen Stunden jährlich

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die DKG verlangt weniger Verwaltungsaufwand, während Pflegeverbände digitale Kartenabfragen und eine vorsichtige Reform der Pflegepolitik anmahnen.

Krankenhäuser fordern weniger Bürokratie vor dem Berliner Gipfel
Ein leerer, heller Krankenhausflur mit glänzenden Böden und minimalistischer Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Im Vorfeld des Krankenhausgipfels im September 2026 in Berlin hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) eine weitreichende Entlastung der Kliniken von bürokratischen Dokumentationspflichten gefordert. DKG-Vorstandschef Gerald Gaß richtete den Appell an Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), um die Behandlungsqualität durch mehr Zeit für die Patientenversorgung zu sichern und unnötige Kosten zu senken.

Dokumentationspflichten ohne Mehrwert für die Versorgungsqualität

Nach Einschätzung der Deutschen Krankenhausgesellschaft haben sich über Jahrzehnte hinweg zahlreiche Dokumentationsvorschriften unter dem Schlagwort der Qualitätssicherung angesammelt, die jedoch heute keinen Beitrag mehr zur tatsächlichen Behandlungsqualität leisten würden.

In einer Äußerung gegenüber der Rheinischen Post im September 2026 unterstrich Gaß, dass eine konsequente Entbürokratisierung derzeit die einzige Möglichkeit darstelle, die Kliniken von vermeidbaren finanziellen Lasten zu befreien.

Das Ziel der Forderungen ist es, konkrete Schritte zur Vereinfachung der administrativen Abläufe festzulegen. Laut DKG dienten viele der aktuellen Regulierungen nicht mehr dem Patientenwohl, sondern binden personelle Ressourcen, die in der direkten Versorgung dringend benötigt würden. Der Verband erwartet hierzu vom Bundesgesundheitsminister klare Zusagen während des anstehenden Gipfeltreffens in der Hauptstadt.

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Hoher Zeitaufwand durch manuelles Einlesen der Gesundheitskarten

Parallel zu den Forderungen der Krankenhäuser übt auch die Pflegebranche massive Kritik an bestehenden bürokratischen Hürden. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) bemängelt insbesondere das obligatorische quartalsweise Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in den Arztpraxen. bpa-Präsident Bernd Meurer bezeichnete diesen Prozess als wenig sinnvoll, da er für Pflegebetriebe einen erheblichen logistischen und zeitlichen Aufwand bedeute.

Einer Umfrage des bpa unter 1.016 Mitgliedsunternehmen zufolge kostet das physische Einlesen der Karten einen Pflegebetrieb im Durchschnitt 21,6 Stunden pro Quartal, was einer jährlichen Belastung von 86,4 Stunden entspricht. Hochgerechnet auf die bundesweit 26.799 ambulanten Dienste und Pflegeheime ergibt sich daraus ein Arbeitsaufwand von rund 2,3 Millionen Stunden pro Jahr.

Zusätzlich entstünden pro Praxisbesuch durchschnittlich 26 Minuten Wartezeit. Der Verband fordert daher eine gesetzliche Regelung für einen digitalen Abruf des Versichertenstatus über die bestehende Telematikinfrastruktur, um das physische Transportieren der Karten durch Pflegekräfte zu beenden.

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Fachkräftemangel verschärft Druck auf strukturelle Reformen

Die Relevanz dieser Entlastung wird durch aktuelle Arbeitsmarktdaten unterstrichen. Laut der Bundesagentur für Arbeit gilt die Pflege im Jahr 2026 als der zweitgrößte Engpassberuf in Deutschland. Prognosen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) deuten zudem darauf hin, dass bis zum Jahr 2049 ein zusätzlicher Bedarf von 280.000 bis 690.000 Pflegekräften bestehen wird.

In diesem Kontext begrüßte der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) zwar die Ankündigung von Minister Linnemann, eine Strukturkommission Pflege einzusetzen, mahnte jedoch zur Vorsicht.

DBfK-Präsidentin Vera Lux warnte vor überhasteten Strukturentscheidungen im Rahmen des geplanten Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG). Sie forderte, das Gesetz zunächst auf kurzfristige Finanzierungs- und Effizienzmaßnahmen zu beschränken.

Zudem müsse sichergestellt werden, dass Pflegefachpersonen und die Pflegewissenschaft verbindlich in der neuen Kommission vertreten sind, um praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Lösungen zu erarbeiten.

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