Phishing-Dienst Kratos zerschlagen: BKA legt 1.800-Nutzer-Netzwerk lahm
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 22:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) haben gemeinsam mit US-Behörden einen der größten Phishing-Dienste der Welt lahmgelegt. Über 200 Server wurden beschlagnahmt, der mutmaßliche Entwickler in Indonesien festgenommen.
„Phishing-as-a-Service“ für 1.800 Kriminelle
Die Plattform namens „Kratos“ funktionierte nach dem „Phishing-as-a-Service“-Modell. Rund 1.800 Nutzer konnten damit mit geringem technischem Aufwand gefälschte Microsoft-Anmeldeseiten erstellen. Ziel war der Diebstahl von Cookies und die Umgehung der Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Monatlich liefen rund 15.000 kriminelle Kampagnen über die Plattform. Die Opfer sitzen in mehr als 30 Ländern – die Zahl der Betroffenen geht in die Hunderttausende. Seit 2024 sollen die Betreiber rund 300.000 Euro erwirtschaftet haben.
BKA-Ermittler Carsten Meywirth spricht von „Pionierarbeit“ und einem „deutlichen Signal gegen die organisierte Kriminalität im digitalen Raum“. Die Vorwürfe: Bildung krimineller Vereinigungen, Fälschung beweiserheblicher Daten und Computerbetrug.
Neobanken im Visier der Betrüger
Die Zerschlagung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Zahlen zur Finanzkriminalität dramatisch steigen. Die Financial Intelligence Unit (FIU) verzeichnete 2025 insgesamt 374.700 Geldwäscheverdachtsmeldungen – ein Plus von 41 Prozent.
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Besonders hart trifft es die Neobanken. Hier verdreifachten sich die Meldungen nahezu: von 34.357 auf 108.158. Damit entfallen 29 Prozent aller Meldungen auf die jungen Institute. Im Vorjahr waren es noch 13 Prozent.
„Operation Chargeback“: 19 Millionen fingierte Abonnements
Welche Dimensionen organisierte Betrugsstrukturen annehmen können, zeigt die „Operation Chargeback“ aus dem vergangenen Jahr. 19 Millionen fingierte Abonnements, 4,3 Millionen Betroffene in 193 Ländern. Der Gesamtschaden: über 300 Millionen Euro. Ende 2025 gab es Razzien in zehn Ländern und 21 Haftbefehle.
KI macht Betrug immer perfekter
Experten warnen vor einer neuen Qualität der Betrugsversuche. Kriminelle setzen zunehmend Künstliche Intelligenz ein, um täuschend echte Webseiten für mobile Datenpakete und eSIM-Anbieter zu erstellen. Die Kampagnen zielen gezielt auf Reisende ab und imitieren bekannte Telekommunikationsunternehmen.
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Die Devise der Fachleute: ausschließlich offizielle App-Stores und verifizierte Webseiten nutzen. Links aus sozialen Medien oder unaufgeforderten E-Mails? Besser ignorieren.
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