Plastik- und Zuckersteuer: Regierung plant 1.046 zusätzliche Stellen
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Pläne der Bundesregierung für eine Plastik- sowie eine Zuckersteuer stoßen wegen eines immensen bürokratischen Aufwands auf deutliche Kritik. Medienberichten zufolge sind für die praktische Umsetzung der beiden neuen Abgaben mehr als 1.000 zusätzliche Stellen im Verwaltungsapparat vorgesehen.
Während die Regierung sich von den Maßnahmen milliardenschwere Einnahmen sowie Lenkungseffekte verspricht, warnen Wirtschaftsverbände und Opposition vor hohen Kosten und einer unverhältnismäßigen Belastung.
Geplanter Personalaufbau bei Zoll und Ministerium
Für die Einführung der Abgaben planen Bundesregierung und Bundesfinanzministerium insgesamt 1.046 zusätzliche Stellen bei der Zollverwaltung, dem Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund) und dem Finanzministerium ein.
Die jährlichen Personalkosten beziffert die Regierung auf rund 74 Mio. €. Auf die Plastiksteuer entfallen dabei 819 Stellen, davon 788 beim Zoll, 28 beim ITZBund und 3 im Ministerium, was jährliche Ausgaben von über 46 Mio. € bedeutet.
Für die Zuckersteuer sind rund 227 Stellen vorgesehen, darunter 200 beim Zoll, 23 beim ITZBund und 3,75 im Finanzministerium, mit Personalkosten von rund 28 Mio. € pro Jahr. Das Finanzministerium ließ bislang offen, ob diese Stellen komplett neu besetzt oder durch interne Versetzungen abgedeckt werden sollen.
Beide Steuern sollen nach bisherigen Plänen am 1.7.2027 in Kraft treten und dem Bundeshaushalt jährlich mehr als 2,5 Mrd. € einbringen. Für das Rumpfjahr 2027 rechnet die Regierung mit Gesamteinnahmen von 945 Mio. €.
Kritik aus Wirtschaft, Opposition und Verbänden
Der geplante Stellenaufbau sorgt für scharfe Reaktionen. Der Bund der Steuerzahler und dessen Präsident Reiner Holznagel kritisierten den administrativen Aufwand als Bürokratie-Irrsinn.
Für die geplante Plastik- und Zuckersteuer sind laut Medienberichten 1.046 zusätzliche Stellen bei Zoll, ITZBund und Finanzministerium vorgesehen — jährliche Personalkosten von rund 74 Mio. €. Für Unternehmen bedeutet das vor allem neue Erklärungs- und Nachweispflichten. Der kostenlose Leitfaden ordnet ein, welche Schwellen, Fristen und Befreiungsoptionen der Entwurf vorsieht. Kostenlosen Leitfaden zur Plastik- und Zuckersteuer anfordern
FDP-Generalsekretär Hagen bezeichnete die geplanten Abgaben als Belastung für Bürger und als Instrument, um Haushaltslöcher zu stopfen. Auf der anderen Seite verteidigte SPD-Generalsekretär Esra Limbacher die Zuckersteuer und verwies auf ihre beabsichtigte Lenkungswirkung.
Gegenwind kommt auch aus der Wirtschaft. Bereits am 2. Oktober 2026 forderten die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und sieben weitere Verbände in einem Schreiben an Kanzleramtschefin Nina Warken den Stopp des Schnellverfahrens zur Plastiksteuer.
Das Verbändebündnis beziffert die jährlichen Bürokratiekosten für Unternehmen auf mindestens 600 Mio. € und warnt, dass je nach Ausgestaltung bis zu 2.000 Zollkräfte notwendig sein könnten.
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) stufte die offiziellen Bürokratiekostenschätzungen als unrealistisch ein und warnte vor Wettbewerbsnachteilen. Die Deutsche Umwelthilfe begrüßte die Abgabe hingegen grundsätzlich, forderte jedoch eine Beschränkung auf Einwegmaterialien sowie eine Ausweitung auf Papier, Pappe und Metalle.
Details zu Tarifen und politischer Stillstand
Nach den Regierungsplänen vom 6. Oktober 2026 soll die Plastiksteuer 550 € je Tonne Kunststoff in Verpackungen betragen. Steuerpflichtig werden Verpackungen, Folien und Verbundverpackungen mit einem Kunststoffanteil von über 5 %, während recycelte Materialien auf Antrag befreit werden können. Für Konsumenten rechnet die Regierung mit moderaten Preisanstiegen, etwa 0,28 Cent für einen Joghurtbecher oder 0,99 Cent für eine 0,5-Liter-PET-Flasche.
Ein Verbändebündnis beziffert die jährlichen Bürokratiekosten der Unternehmen auf mindestens 600 Mio. € — und warnt, dass je nach Ausgestaltung bis zu 2.000 Zollkräfte nötig werden könnten. Wer Verpackungen herstellt, einführt oder verbringt, sollte die eigene Betroffenheit jetzt prüfen. Die Checkliste führt durch Kunststoffanteile, Recyclingbefreiung und die geplanten Zuckersteuer-Stufen. Checkliste Verpackungsanteile jetzt sichern
Bei der Zuckersteuer sieht der Entwurf drei Stufen vor: 26 Cent pro Liter ab 5 bis unter 7 Gramm zugesetztem Zucker je 100 Milliliter, 32 Cent ab 7 bis unter 10 Gramm sowie 38 Cent ab 10 Gramm. Kleinere Hersteller mit maximal 70.000 Litern Jahresproduktion sollen ausgenommen bleiben.
Das Kanzleramt stoppte den Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil zuletzt mit der Begründung, er sei in dieser Form innerhalb der Regierung nicht mehrheitsfähig. Das Bundeskabinett verschob die geplante Beratung zur Zuckersteuer auf den 14.10.2026.
