Plattformarbeit, ILO

Plattformarbeit: ILO beschließt erstes globales Regelwerk für Gig-Worker

13.06.2026 - 18:18:59 | boerse-global.de

Die ILO verabschiedet mit Konvention 193 weltweit verbindliche Mindeststandards für Plattformarbeit. Kritik gibt es an fehlenden Schutzmechanismen.

ILO beschließt erstes globales Regelwerk für Gig-Worker
Plattformarbeit - Eine Gruppe von Gig-Workern mit Liefertaschen und Rollern steht vereint auf einem modernen Stadtplatz und blickt zuversichtlich in die Zukunft. 13.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat in Genf das weltweit erste verbindliche Regelwerk zur Plattformarbeit beschlossen. Die neue Konvention Nr. 193 soll Arbeitsrechte für Hunderte Millionen Gig-Worker sichern – doch es gibt auch Kritik.

Am 12. Juni stimmten die Delegierten der 114. Internationalen Arbeitskonferenz mit 406 Stimmen für das Abkommen. Acht Gegenstimmen kamen unter anderem von den USA und Neuseeland, 36 Staaten enthielten sich – darunter Großbritannien, Indien und Argentinien.

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Globale Mindeststandards für digitale Arbeit

Das Übereinkommen legt erstmals internationale Regeln fest, die unabhängig vom Beschäftigungsstatus der Arbeiter gelten. Plattformbetreiber müssen künftig Transparenz über ihre algorithmischen Managementsysteme schaffen. Automatisierte Entscheidungen wie Kontosperrungen sind ohne menschliche Mitwirkung verboten.

Zudem sichert der Vertrag das Recht zu, Arbeit bei Lebensgefahr abzubrechen. Auch Arbeitsunfall-Prävention steht auf der Agenda. Die Konvention fordert Zugang zu Mindestlöhnen, wo diese in den Mitgliedstaaten existieren, sowie das Recht auf Tarifverhandlungen.

Der Bedarf ist enorm: Schätzungen der Weltbank zufolge arbeiten zwischen 154 und 435 Millionen Menschen in der app-basierten Gig-Economy. Andere Prognosen gehen von bis zu 500 Millionen Betroffenen aus.

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Kritik an fehlender Beschäftigungsvermutung

Trotz breiter Zustimmung bleiben Lücken. Ein zentraler Kritikpunkt: Das Abkommen enthält keine strikte Beweislastumkehr zugunsten der Arbeitnehmer. Zwar soll es verhindern, dass Plattformen Mitarbeiter pauschal als Selbstständige einstufen – eine klare Pflicht zur Direktanstellung bei Subunternehmen fehlt jedoch.

Gewerkschaftsvertreter Peter Hansen aus Norwegen spricht dennoch von einem „historischen Durchbruch". Auch Lena Simet von Human Rights Watch sieht einen Wendepunkt für Plattformarbeiter. Ihre Organisation hatte 2025 aufgezeigt, dass US-Plattformarbeiter nach Abzug aller Kosten im Median nur 5,12 Dollar pro Stunde verdienen.

Nationale Ratifizierung als nächste Hürde

Damit die Standards rechtlich bindend werden, müssen die ILO-Mitgliedstaaten sie in nationales Recht überführen. Das Drafting-Komitee hatte die Vorbereitungen am 11. Juni abgeschlossen – nach Debatten über 200 Änderungsvorschläge zu den 24 Artikeln.

Branchenbeobachter betonen: Die Wirksamkeit hängt davon ab, wie schnell und konsequent die Staaten ratifizieren. Deutschland, Frankreich und China stimmten für das Abkommen. Die Gegenstimmen und Enthaltungen wichtiger Wirtschaftsnationen wie den USA und Indien könnten die globale Umsetzung erschweren. Ein geplantes Begleitdokument mit detaillierten Praxisregeln steht noch aus.

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