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Vertrauensabstimmung ĂŒber Tusks Regierung

11.06.2025 - 07:35:00

Polens proeuropÀischer MinisterprÀsident Donald Tusk will am Mittwoch im Parlament eine RegierungserklÀrung abgeben und die Vertrauensfrage stellen.

Anlass ist der Sieg des Rechtskonservativen Karol Nawrocki bei der PrĂ€sidentenwahl am 1. Juni. Tusk rechnet mit einem politischen Konflikt mit dem neuen PrĂ€sidenten, der von der oppositionellen PiS unterstĂŒtzt wird. Deshalb möchte er sichergehen, dass in seinem Mitte-Links-BĂŒndnis alle Koalitionspartner hinter ihm stehen.

Voraussichtlich wird Tusk das Vertrauensvotum bestehen. Doch er selbst und seine Regierung sind angeschlagen, seit der Liberale Rafal Trzaskowski, ein enger Mitstreiter Tusks, das Rennen um das höchste Staatsamt gegen den politischen Newcomer Nawrocki verlor. Nun wird in Polen viel darĂŒber diskutiert, wie wenig ihrer Wahlversprechen Tusks Dreier-Koalition umgesetzt hat und ob sie ĂŒberhaupt bis zum Ende der Legislaturperiode 2027 durchhĂ€lt.

Mit dem Sieg Nawrockis bahnt sich in dem EU- und Nato-Mitglied Polen ein Richtungsstreit zwischen PrÀsident und Regierung an, der auch auf Deutschland und Europa Auswirkungen haben wird. Der parteilose 42-jÀhrige Historiker verdankt seinen Aufstieg dem PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski, einem politischen Erzfeind von Tusk. Und Nawrocki, der am 6. August sein Amt antritt, hat ein erklÀrtes Ziel: den Sturz der Regierung von Tusk.

Polens PrÀsident kann mit Vetorecht die Regierung blockieren

Der ehemalige EU-RatsprĂ€sident Tusk fĂŒhrt seit Ende 2023 eine heterogene Mitte-Links-Koalition aus drei Parteien. Wichtigstes Projekt seiner Regierung ist es, die BeschĂ€digungen des Rechtsstaats rĂŒckgĂ€ngig zu machen, die die von 2015 bis 2023 amtierende PiS-Regierung mit ihrer Justizreform ausgelöst hat. Entsprechende GesetzentwĂŒrfe hat der amtierende PrĂ€sident Andrzej Duda, der aus den Reihen der PiS stammt, bislang blockiert.

Bereits jetzt zeichnet sich ab: Nawrocki, der sein Amt am 6. August antritt, wird mit noch grĂ¶ĂŸerer HĂ€rte vorgehen. Das kĂŒnftige Staatsoberhaupt sagte in der vergangenen Woche, Tusk könne sich auf "starken Widerstand aus dem PrĂ€sidentenpalast" gefasst machen. "Wenn die Koalition weiterbestehen will, dann sollte sie den Regierungschef besser auswechseln."

Tusk will Reihen in seiner Koalition schließen

Derart unter Druck gesetzt, will Tusk mit dem Vertrauensvotum die Reihen seiner Koalition schließen. In der vergangenen Woche versammelte Tusk die Chefs seiner Koalitionspartner: Szymon Holownia und Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamisz vom christlich-konservativen Dritten Weg und Wlodzimierz Czarzasty vom LinksbĂŒndnis Lewica. Hinterher erklĂ€rten alle einmĂŒtig, man habe Schlussfolgerungen aus der PrĂ€sidentenwahl gezogen, einen gemeinsamen Nenner gefunden und einen Plan, wie die Arbeit der Koalition in den kommenden zwei Jahren weitergehen soll.

Unter anderem soll es eine Kabinettsumbildung geben. Außerdem soll das Amt eines Pressesprechers der Regierung eingefĂŒhrt werden. Damit soll die Politik der Regierung besser erklĂ€rt werden. Bislang hatte Tusk wichtige Entscheidungen ĂŒber seinen X-Account bekanntgegeben. Das sorgte bei Koalitionspartnern fĂŒr Unmut.

Ein anderer Regierungschef statt Tusk?

Auf die Dauer werde eine Regierungsumbildung nicht reichen, sagt der Warschauer Politologe Antoni Dudek. "Der einzige Weg, die Zustimmung zu dieser Regierung wieder aufzubauen, wĂ€re ein neuer Regierungschef." Wenn Tusk bleibe, rechne er mit einer Erosion sowohl der Zustimmung in der Bevölkerung als auch der Regierungsmehrheit. SpĂ€testens zum Jahresende, wenn der Haushalt verabschiedet werden muss, werde es zur Zerreißprobe kommen.

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass der 68-jĂ€hrige Tusk, der seit 20 Jahren eine Rolle als politisches Schwergewicht in seinem Land spielt, seinen Platz einfach so rĂ€umt. Als möglicher Kandidat fĂŒr seine Nachfolge wird immer wieder Trzaskowski genannt. FĂŒr den 53-jĂ€hrigen Warschauer OberbĂŒrgermeister spricht, dass er bei der PrĂ€sidentenwahl zehn Millionen Stimmen bekam. Gegen ihn spricht, dass er die Wahl trotzdem verloren hat.

@ dpa.de