Allianz sieht steigendes Risiko von Unruhen in USA und EU
10.04.2024 - 13:11:17Die Allianz sieht im internationalen Wahljahr 2024 wachsende Risiken politischer Polarisierung und Gewalt - inklusive Deutschlands. Die Fachleute des Industrieversicherers Allianz Commercial bewerten nicht nur das mögliche Erstarken rechtsextremer und populistischer Gruppen und Parteien als Risiko, sondern auch eine Radikalisierung von Umweltaktivisten und Gegnern des Klimaschutzes. In der heute veröffentlichten Analyse beziffert das Unternehmen beispielhaft die ökonomischen Kosten politischer Unruhen in sieben LĂ€ndern seit 2018 auf ĂŒber 13 Milliarden Dollar.
Fast die HĂ€lfte der Weltbevölkerung sei in diesem Jahr zu Wahlen aufgerufen, heiĂt es in dem Papier. Dazu zĂ€hlen die US-PrĂ€sidentschaftswahl ebenso wie die Europawahlen und Landtagswahlen in Sachsen, ThĂŒringen und Brandenburg. In den USA könnte ein knappes Ergebnis die dortigen politischen Spannungen weiter verstĂ€rken. Auch die Wahl des Europaparlaments im Juni könnte nach EinschĂ€tzung der Allianz die Polarisierung in der EU erhöhen, falls rechtsradikale Parteien an Einfluss gewinnen. Die Allianz Commercial vertreibt unter anderem Versicherungspolicen gegen Unruhen, in diesem Zusammenhang stehen die Risiko- und KostenschĂ€tzungen.
Themen mit Umweltbezug vermehrt im Fokus
Gefahr sehen die Schadenfachleute des Unternehmens nicht nur von rechts. «Wir erwarten, dass es in Zukunft besonders bei Themen mit Umweltbezug vermehrt zu Unruhen kommt, nicht nur ausgehend von Aktivisten, sondern auch von Gegnern der staatlichen Klimaschutzpolitik, sagte Srdjan Todorovic, der Fachmann fĂŒr politische Gewalt bei Allianz Commercial. Was Umweltproteste betrifft, hĂ€lt Todorovic auch einen Trend zu gröĂeren Straftaten fĂŒr möglich.
Deutschland ist dabei laut Analyse nicht ausgeschlossen: Die Wahlen dieses Jahres fĂ€nden in einem gereizten gesellschaftlichen Klima statt, geprĂ€gt von stagnierendem Wirtschaftswachstum, Bauernprotesten, Streiks und Klimakrise. Die FuĂballeuropameisterschaft bringe Menschenmassen in Stadien oder Freiluftveranstaltungen zusammen. «Dies könnte möglichen TĂ€tern eine Plattform geben.»
Frankreich mit prominenter Rolle
In der KostenschĂ€tzung politischer Unruhen fĂŒr sieben LĂ€nder spielt ein europĂ€isches Land eine prominente Rolle: Frankreich. Die Gelbwestenproteste des Jahres 2018 schlugen laut Allianz mit 1,1 Milliarden Dollar zu Buche, die Krawalle nach dem Tod des im Sommer 2023 von einem Polizisten erschossenen Teenagers Nahel Merzouk mit einer weiteren Milliarde Euro. SchĂ€den in Höhe von zwei Milliarden Dollar verursachten laut Allianz auch gewaltsame Proteste in den USA gegen den Tod des ebenfalls bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommenen George Floyd.


