Sportwagenbauer Porsche plant Umbau des Vorstands
02.02.2025 - 09:48:41 | dpa.deDie VW-Tochter Porsche will Finanzvorstand Lutz Meschke und Vertriebsvorstand Detlev von Platen loswerden. Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche sei beauftragt worden, GesprĂ€che mit den zwei VorstĂ€nden ĂŒber ein einvernehmliches vorzeitiges Ausscheiden aus dem Vorstand zu fĂŒhren, teilte der Sportwagenbauer in Stuttgart in einer Pflichtmitteilung fĂŒr die Börse mit.Â
Meschke ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Vorstandsmitglied fĂŒr Finanzen und IT, von Platen ist Vorstandsmitglied fĂŒr Vertrieb und Marketing. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung darĂŒber berichtet. Eine BegrĂŒndung fĂŒr den geplanten Schritt wurde in der Mitteilung nicht genannt. Eine Sprecherin des Autobauers wollte ebenfalls keine Details nennen. Porsches Aktienkurs hatte in der Vergangenheit stark nachgegeben. Der Sportwagenbauer kĂ€mpft unter anderem mit schwachen GeschĂ€ften in China.Â
Wollte Meschke Vorstandschef Blume bei Porsche beerben?
Hintergrund fĂŒr die geplante Vertragsauflösung beim Finanzvorstand sind demnach laut «Bild» angebliche Ambitionen Meschkes auf den Vorstandsvorsitz bei Porsche. Das VerhĂ€ltnis zwischen dem 58-JĂ€hrigen und Vorstandschef Oliver Blume scheint schon lĂ€nger angespannt zu sein. Vor allem seit Blume zugleich Chef bei Europas gröĂtem Autobauer Volkswagen ist.Â
Nun soll der Finanzvorstand nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen wohl auch den RĂŒckhalt der beiden EigentĂŒmer-Familien Porsche und PiĂ«ch verloren haben. Meschke ist seit 2009 Mitglied des Vorstands. 2015 wurde der Betriebswirt zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt. Zugleich ist er Vorstand der Porsche Automobil Holding SE mit ZustĂ€ndigkeit fĂŒr das Beteiligungsmanagement.Â
Die Porsche SE hat die Stimmrechtsmehrheit am Volkswagen-Konzern und ist auch am Sportwagenbauer Porsche AG unmittelbar beteiligt. Ein Sprecher der Porsche SE wollte die VorgÀnge bei dem Sportwagenbauer und mögliche Auswirkungen auf die Beteiligungsgesellschaft nicht kommentieren.
Prognose im Sommer gekappt
Der 61 Jahre alte Vertriebschef von Platen ist seit 2015 Vorstandsmitglied. Er stand schon lĂ€nger wegen des China-GeschĂ€fts unter Druck. Der Sportwagenbauer, der mehrheitlich zum VW-Konzern gehört, hatte im vergangenen Jahr weniger Autos verkauft als 2023. Die weltweiten Auslieferungen sanken um drei Prozent auf rund 310 700 Fahrzeuge. In China gab es den Angaben zufolge ein krĂ€ftiges Minus von 28 Prozent.Â
In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres sank der Umsatz um 5,2 Prozent auf 28,56 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis brach um 26,7 Prozent auf 4,04 Milliarden Euro ein. Die operative Umsatzrendite betrug lediglich 14,1 Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 18,3 Prozent gewesen.
Im Sommer musste Porsche wegen ĂberschwemmungsschĂ€den bei einem Zulieferer von Aluminium ĂŒberraschend seine Prognose fĂŒr 2024 senken und erwartet seither 14 bis 15 Prozent Marge. Zuvor lag der Zielkorridor bei 15 bis 17 Prozent. Der Konzern hatte sich fĂŒr das Jahr 2024 bereits zurĂŒckhaltende Ziele gesetzt - unter anderem wegen mehrerer Modellwechsel, die zu Beginn hohe Kosten verursachen.Â
Experte: Ablösungen zeigen schwierige Lage der Autoindustrie
Aus Sicht des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer ist die geplante Ablösung der beiden Top-Manager im Vorstand von Porsche ein Zeichen fĂŒr die schwierige Lage der deutschen Autoindustrie. Hauptproblem sei China. «Die jungen chinesischen Autobauer sind extrem harte Wettbewerber geworden und schnappen den deutschen Premiummarken die Kunden weg», sagte der Direktor des privaten Bochumer Instituts Center Automotive Research (CAR).Â
Auch werde es auf dem US-Markt fĂŒr Porsche schwerer, so Dudenhöffer. AuĂerdem habe Porsche stark in Elektroautos investiert, die in Europa nur schwer Kunden fĂ€nden. «Es sieht nach einer langen Durststrecke in der Autoindustrie aus, und am Ende der Durststrecke wird man die Autoindustrie in Deutschland deutlich kleiner sehen», prognostizierte der Autoexperte.
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