Porsche verkauft 16 Prozent weniger Autos – Absatz in China bricht ein
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 09:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPorsche hat in den ersten neun Monaten weltweit 178.532 Fahrzeuge verkauft und damit 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
China besonders stark betroffen
Die VW-Tochter begründete den Rückgang mit der schwierigen Lage auf wichtigen Märkten, vor allem in China und Nordamerika. In China sanken die Auslieferungen um 33 Prozent auf 21.493 Fahrzeuge.
Bei wohlhabenden chinesischen Kunden sitze das Geld wegen der Immobilienkrise weniger locker. Porsche wolle auf die langfristige Entwicklung der Marke setzen und nicht auf kurzfristige Volumenziele. Rabattaktionen sieht der Autobauer kritisch und spricht von einer wertorientierten Absatzsteuerung.
Rückgänge auch in Europa
In Nordamerika gingen die Auslieferungen um 13 Prozent auf 56.088 Fahrzeuge zurück. Als Grund nannte Porsche auch das Aus der Verbrennervarianten von Boxster und Cayman, die künftig nur noch elektrisch angeboten werden.
In Europa sanken die Auslieferungen um 11 Prozent auf 44.949 Sport- und Geländewagen, in Deutschland um 7 Prozent auf 20.954 Fahrzeuge. In den Übersee- und Wachstumsmärkten betrug der Rückgang knapp ein Fünftel.
911 legt gegen den Trend zu
Der Cayenne blieb mit 59.586 Fahrzeugen die meistverkaufte Baureihe, lag damit aber 2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Seit dem Sommer ist die vollelektrische Variante auf dem Markt; davon wurden 7.002 Fahrzeuge ausgeliefert.
Der Sportwagen 911 legte um 12 Prozent auf 42.217 Fahrzeuge zu. Vom Macan wurden 51.025 Exemplare ausgeliefert, 21 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Davon entfielen 23.029 auf die Elektrovariante. Der Macan mit Verbrennungsmotor wurde noch 27.996 Mal verkauft; seit Sommer 2026 wird er nicht mehr produziert.
Umbau mit weniger Personal
Der neue Porsche-Chef Michael Leiters richtet den Konzern mit dem Plan „Sportwagenschmiede 35“ neu aus. Vorgesehen sind mehr Exklusivität, neue Modelle und höhere Erträge, zugleich aber Einschnitte bei Kosten, Organisation und Belegschaft.
Porsche will künftig bereits bei weniger als 200.000 verkauften Fahrzeugen die Gewinnschwelle erreichen. Nach Angaben von Leiters waren viele Bereiche zuletzt noch auf die Produktion von 350.000 Autos ausgelegt.
In der Porsche-Heimat sollen insgesamt rund 9.000 Stellen wegfallen. Hinzu kommen Abbauprogramme im Leipziger Werk und bei Tochterunternehmen.
Strukturwandel im Luxussegment
Porsches Absatzrückgang trifft auf einen Automarkt, in dem Premiumhersteller ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten müssen. Besonders in China hat sich das Umfeld verändert: Die Nachfrage wohlhabender Kunden ist schwächer, zugleich konkurrieren etablierte Marken mit Herstellern, die bei Software, Vernetzung und Elektroautos an Boden gewonnen haben.
Die neue Strategie setzt deshalb weniger auf hohe Stückzahlen als auf höhere Erlöse je Fahrzeug. Porsche will den Anteil besonders teurer Modelle und individueller Ausstattungen ausbauen, während Varianten, Kosten und Personal reduziert werden. Das kann die Abhängigkeit vom Volumen verringern, erhöht aber den Druck, dauerhaft genügend kaufkräftige Kunden zu erreichen.
Folgen für Beschäftigte und Modellpolitik
Für die Belegschaft bedeutet der Kurs einen tiefen Einschnitt. Der angekündigte Abbau von rund 9.000 Stellen in der Porsche-Heimat ist Teil eines größeren Umbaus, mit dem die Gewinnschwelle auf weniger als 200.000 Fahrzeuge sinken soll. Für Regionen mit Porsche-Standorten geht es damit nicht nur um Konzernzahlen, sondern auch um Zulieferer, Aufträge und Kaufkraft.
Gleichzeitig bleibt der Antriebsmix offen zwischen elektrischen Modellen, Verbrennern und Plug-in-Hybriden. Der steigende 911-Absatz zeigt, dass die Marke bei emotionalen und hochpreisigen Fahrzeugen weiterhin stark sein kann. Ob diese Stärke auch bei Elektroautos und in China trägt, entscheidet maßgeblich darüber, ob die Neuausrichtung die Talfahrt stoppt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Weniger ist mehr Porsche stellt umfassendes Sanierungsprogramm vor“ (07.10.2026)
Der Bericht ordne den Absatzrückgang in das neue Sanierungsprogramm „Sportwagenschmiede 35“ ein. Porsche wolle weniger, dafür teurere Modelle bauen und die Kosten senken; zusätzlich hebe der Beitrag die schwache chinesische Luxusnachfrage, den Wettbewerb chinesischer Hersteller und die US-Zölle hervor.
n-tv: „Porsche soll schrumpfen, damit die Gewinne wachsen“ (07.10.2026)
Der Artikel beschreibe die Strategie als Versuch, mit weniger Autos mehr Gewinn zu erzielen, und stelle die geplante stärkere Ausrichtung auf exklusive Modelle heraus. Zugleich verweise er auf Experteneinschätzungen, wonach der Kurs die Profitabilität verbessern könne, das China-Problem wegen der dort wichtigen Faktoren Software, digitale Nutzererfahrung und Preis-Leistung aber nicht automatisch löse.
Beide Berichte bestätigten den Sparkurs, die niedrigere Gewinnschwelle und die stärkere Konzentration auf hochpreisige Fahrzeuge. Unterschiedliche Akzente setzten sie bei den Folgen für China und bei der Frage, ob die Luxusstrategie allein ausreiche, um die strukturellen Absatzprobleme zu überwinden.

