Porsche-Strategie, Michael Leiters

Porsche will mit Sparplan und Luxusautos zurück zur Profitabilität

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 08:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Porsche will nach dem Gewinneinbruch Kosten deutlich senken und den Anteil besonders teurer Fahrzeuge ausbauen. Bis 2030 soll der durchschnittliche Verkaufspreis der teuersten Modelle steigen, zugleich plant der Sportwagenbauer weniger Varianten und eine schlankere Organisation.

  • Porsche: Neue Strategie «Sportwagenschmiede '35».  - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    Porsche: Neue Strategie «Sportwagenschmiede '35». - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Porsche-Chef Michael Leiters: «Effizienter, produktiver und profitabler.» - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    Porsche-Chef Michael Leiters: «Effizienter, produktiver und profitabler.» - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
Porsche: Neue Strategie «Sportwagenschmiede '35».  - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Porsche-Chef Michael Leiters: «Effizienter, produktiver und profitabler.» - Bild: Bernd Weißbrod/dpa

Porsche will in den kommenden Jahren Milliardenpotenzial über Kostensenkungen, eine schlankere Organisation und einen stärkeren Fokus auf besonders rentable Fahrzeuge erschließen.

Weniger Kosten, weniger Varianten

Der Sport- und Geländewagenbauer stellte bei einer Veranstaltung im schwäbischen Weissach bei Stuttgart seine strategische Neuausrichtung «Sportwagenschmiede '35» vor. Konzernchef Michael Leiters, der seit Januar im Amt ist, sagte laut Mitteilung, die Strategie solle Porsche effizienter, produktiver und profitabler machen.

Die Entwicklungskosten für künftige Modellreihen sollen um bis zu 20 Prozent sinken. Bei den Personalkosten in der Fertigung peilt Porsche mittelfristig eine Verringerung um bis zu 30 Prozent an, bei Verkaufs- und Vertriebskosten um 20 Prozent. Die Materialeinzelkosten sollen um rund zehn Prozent zurückgehen; zudem soll die Zahl der Modellvarianten sinken.

Organisation wird verkleinert

Managementpositionen sollen mittelfristig um 40 Prozent reduziert werden. Porsche strebt außerdem eine Gewinnschwelle von weniger als 200.000 Fahrzeugen an. Zuletzt sei ein großer Teil des Konzerns auf die Produktion von rund 350.000 Autos ausgelegt gewesen, sagte Leiters.

Der Konzern will den Anteil besonders teurer Fahrzeuge von etwa einem Drittel auf fast die Hälfte erhöhen. Bis 2030 soll der durchschnittliche Verkaufspreis der teuersten 10.000 verkauften Autos von 270.000 auf 330.000 Euro steigen. Geplant sind unter anderem ein größeres und teureres SUV als der Cayenne sowie ein zweisitziger Supersportwagen oberhalb des 911ers.

Ziele für Umsatz und Rendite

Porsche will mittelfristig wieder eine operative Marge von zehn bis 15 Prozent erreichen. Im ersten Halbjahr lag sie bei 7,8 Prozent. Der Umsatz soll in einigen Jahren zwischen 41 und 45 Milliarden Euro liegen; 2025 waren es 36,3 Milliarden Euro.

Das Unternehmen macht die Obergrenze des Umsatzziels auch von einem besseren wirtschaftlichen, geopolitischen und regulatorischen Umfeld sowie weiteren Maßnahmen zur Wertschöpfung abhängig. Porsche kämpfte zuletzt mit sinkenden Absatzzahlen, besonders in China, einer geringeren Nachfrage nach Elektroautos und US-Zöllen.

Gewinn bricht 2025 ein

Die Kosten für die Verlängerung des Verbrennerangebots belasteten den Konzern zusätzlich. Das Ergebnis nach Steuern sank 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro.

Im Sommer hatten sich Management und Arbeitnehmer bereits auf ein Sparprogramm verständigt. Es sieht den Abbau von 5.000 weiteren Stellen in der Region Stuttgart bis 2035 vor; im Gegenzug sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2035 ausgeschlossen. Insgesamt soll die Belegschaft im direkten und indirekten Bereich mittelfristig um 25 Prozent, strategisch sogar um 30 Prozent, sinken.

Strukturwandel setzt Porsche unter Druck

Porsches Strategie fällt in eine Phase, in der sich der deutsche Automarkt deutlich verändert. Im September lagen die Neuzulassungen von Porsche in Deutschland 18,8 Prozent unter dem Vorjahreswert, während reine Elektroautos einen Rekordanteil erreichten. Für den Sportwagenbauer verschärft das den Zielkonflikt zwischen hohen Margen, elektrischer Antriebstechnik und ausreichenden Stückzahlen.

Der Konzern reagiert deshalb nicht mit einem reinen Wachstumskurs. Die geplante Senkung von Entwicklungs-, Material-, Vertriebs- und Personalkosten soll die Gewinnschwelle an eine kleinere Produktion anpassen. Das ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar, erhöht aber die Abhängigkeit von hochpreisigen Modellen: Je größer deren Anteil wird, desto stärker wirken sich Nachfrageschwankungen, Zölle, Wechselkurse und regionale Krisen auf das Ergebnis aus.

Folgen für Beschäftigte und Kunden

Für die Beschäftigten bedeutet der Plan einen weiteren langfristigen Umbau. Der angekündigte Abbau von bis zu 5.000 Stellen in der Region Stuttgart bis 2035 und die zusätzliche Reduzierung im direkten und indirekten Bereich sollen über Jahre erfolgen; betriebsbedingte Kündigungen sind dabei bis Ende 2035 ausgeschlossen. Für Kunden dürfte der Fokus auf teurere Fahrzeuge eine stärkere Spreizung des Angebots bedeuten, während weniger Varianten die Produktion vereinfachen sollen.

Entscheidend wird sein, ob Porsche gleichzeitig attraktive Elektro- und Verbrennermodelle anbieten und die Nachfrage in China sowie anderen wichtigen Märkten stabilisieren kann. Das Umsatzziel von 41 bis 45 Milliarden Euro bis zu einem mittelfristigen Zeitpunkt setzt voraus, dass der höhere Durchschnittspreis den geringeren Mengenschwerpunkt mehr als ausgleicht.

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