Produktivitätskrise, Firmen

Produktivitätskrise: Nur 29 Firmen tragen Deutschlands Wachstum

13.06.2026 - 15:37:32 | boerse-global.de

Arbeitgeberpräsident Dulger setzt der Koalition eine Vier-Wochen-Frist für Reformbeschlüsse. Eine Umfrage zeigt wachsende Skepsis in den Unternehmen.

Wirtschaft fordert Reformen: Druck auf Merz-Regierung wächst
Produktivitätskrise - Eine stilisierte, fragmentierte deutsche Flagge aus geometrischen Formen, teilweise verdeckt von einem aufsteigenden Diagramm und Zahnrädern. 13.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert konkrete Reformbeschlüsse innerhalb der nächsten vier Wochen. Sonst drohe eine weitere Eintrübung der wirtschaftlichen Lage in der zweiten Jahreshälfte.

Stimmung in der Wirtschaft kippt

Eine aktuelle Umfrage unter Unternehmensführern zeigt die wachsende Skepsis: Rund 60 Prozent der Befragten erwarten eine Verschlechterung der Lage im kommenden Halbjahr. Als größte Hindernische nennen die Unternehmer bürokratische Belastungen, die Unsicherheit über den Reformkurs und die hohen Arbeitskosten im internationalen Vergleich.

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Unterstützung bekommt Dulger von der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm. Sie hält die Pläne der schwarz-roten Koalition unter Kanzler Friedrich Merz für unzureichend. Grimm plädiert für ein innovationsfreundlicheres Umfeld und eine stärkere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Als Vorbilder nennt sie Dänemark und Schweden.

Produktivitätskrise: Nur 29 Firmen stemmen das Wachstum

Eine Analyse der Unternehmensberatung McKinsey zeigt das Ausmaß des Problems. Gerade mal 29 von rund 16.200 untersuchten Unternehmen tragen fast die Hälfte des deutschen Produktivitätswachstums. Das alte Geschäftsmodell – basierend auf billiger Energie und Prozessoptimierung – sei erschöpft, so die Studienautoren.

Besonders groß ist die Lücke beim Thema Künstliche Intelligenz. Das wirtschaftliche Potenzial der Technologie wird bis 2030 auf rund 486 Milliarden US-Dollar geschätzt. Doch nur sechs Prozent der Großunternehmen nutzen diese Chancen voll aus. Rund 65 Prozent der befragten Führungskräfte sehen akuten Handlungsbedarf.

Bundestag verabschiedet KI-Gesetz

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Da der Bundestag nun das nationale Umsetzungsgesetz für die EU-KI-Verordnung verabschiedet hat, müssen Unternehmen die neuen Dokumentationspflichten und Risikoklassen dringend beachten. Dieser kostenlose Praxis-Report liefert Ihrer IT- und Rechtsabteilung den notwendigen Überblick über alle Fristen des EU AI Act. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

Parallel zum Reformdruck aus der Wirtschaft hat der Bundestag ein nationales Umsetzungsgesetz für die EU-KI-Verordnung verabschiedet. Die Bundesnetzagentur wird künftig zur zentralen Marktüberwachungsbehörde für KI-Anwendungen. Die Kosten für die Aufsicht: über 49 Millionen Euro jährlich für Bund und Länder.

Energiehilfen und neue Steuerdebatten

Wegen des Irankriegs erlaubt die EU-Kommission vorübergehend eine kombinierte staatliche Förderung der Strompreise. Energieintensive Branchen wie Stahl, Chemie und Papier können neben dem Industriestrompreis von 5 Cent pro Kilowattstunde weiterhin CO2-Kompensationen nutzen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche fordert dafür zusätzliche Haushaltsmittel von rund einer Milliarde Euro.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie bringt derweil eine Pkw-Maut ins Gespräch. Ziel sei eine dauerhafte, nutzerfinanzierte Verkehrsinfrastruktur. Die Branche meldet zudem einen deutlichen Rückgang im Wohnungsbau: Mit rund 206.600 fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2025 wurde der Bedarf von 400.000 Einheiten massiv verfehlt. Der Sachverständigenrat erwartet für 2026 lediglich ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent.

Koalition plant Reformpaket im Juli

Die Bundesregierung bereitet weitere Abstimmungen vor. Anfang Juni hatten Spitzenvertreter von Union und SPD bereits mit Sozialpartnern im Kanzleramt beraten. Der Koalitionsausschuss soll Anfang Juli Eckpunkte für ein umfassendes Reformpaket festlegen. Zudem wird bis Ende Juni ein Bericht der Rentenkommission erwartet.

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