Psychische, Belastung

Psychische Belastung: Jeder fünfte Beschäftigte am Limit

03.07.2026 - 21:04:28 | boerse-global.de

Studie zeigt hohe psychische Belastung bei Beschäftigten. Reform der Krankschreibung geplant, Psychologen fordern mehr Prävention.

Psychische Belastung am Arbeitsplatz: Jeder Fünfte betroffen
Psychische - Eine Person sitzt an einem Schreibtisch mit einem Laptop und hält die Hand an die Stirn, was Stress oder Nachdenklichkeit andeutet. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt der am 2. Juli veröffentlichte Arbeitsklima Index.

Besonders betroffen sind das Gesundheitswesen, der Tourismus und das Bauwesen. Über ein Viertel der Befragten gab an, unter starkem Zeitdruck zu stehen. In Deutschland belegt das Saarland laut einem Gesundheitsreport vom 1. Juli bundesweit den Spitzenplatz bei psychisch bedingten Fehltagen.

Psychische Erkrankungen haben Muskel-Skelett- und Atemwegserkrankungen als Hauptursache für lange Ausfallzeiten abgelöst.

Ältere Arbeitnehmer besonders betroffen

Untersuchungen des Deutschen Zentrums für Altersfragen zeigen: Das psychosoziale Wohlbefinden von Menschen ab 40 Jahren sinkt seit 2021 kontinuierlich. Besonders 2024 stiegen depressive Symptome signifikant an.

Experten führen das auf die kumulativen Effekte globaler Krisen und der Inflation zurück.

Streit um strengere Krankmeldung

Der Koalitionsausschuss legte am 2. Juli Pläne für eine Reform der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor. Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden, eine Attestpflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag kommen.

Wirtschaftsverbände erhoffen sich davon eine Senkung des Krankenstandes, der laut DAK-Analysen im Vorjahr bei 5,4 Prozent lag.

Kritik kommt von Medizinerverbänden und Gewerkschaften. Vertreter der Bundesärztekammer und des Hausärzteverbandes bezeichnen die Pläne als bürokratischen Mehraufwand. „Das überlastet die Praxen und schafft ein Klima des Misstrauens", so die Kritik vom 3. Juli.

Es gebe keine wissenschaftliche Grundlage für die Annahme, dass eine frühere Attestpflicht den Krankenstand nachhaltig senke.

Psychologen fordern mehr Prävention

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Die Gesellschaft für Kritische Psychologie und der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen fordern in einer Petition vom 3. Juli: Arbeitspsychologen müssen als feste Präventivkraft im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz verankert werden.

Die Verbände verweisen auf alarmierende Zahlen: Psychisch bedingte Fehltage haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdreifacht. Bei Frauen sind psychische Erkrankungen bereits für knapp 35 Prozent der Frühpensionierungen verantwortlich, bei Männern für 22 Prozent.

Führungsstil als Schutzfaktor

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 in der Fachzeitschrift Current Psychology zeigt: Der richtige Führungsstil kann das Burnout-Risiko senken. Die Studie wertete 25 Studien mit über 10.000 Teilnehmenden aus.

Transformationale Führung – basierend auf Vertrauen, Inspiration und individueller Förderung – reduziert emotionale Erschöpfung und steigert die persönliche Wirksamkeit der Mitarbeiter. Besonders starke Schutzeffekte wurden im Gesundheitswesen und in sozialen Einrichtungen nachgewiesen.

Experten betonen: Die notwendigen Verhaltensweisen sind erlernbar und stellen eine wichtige Säule der betrieblichen Gesundheitsförderung dar.

Versorgungslücken drohen

Trotz steigendem Bedarf steht das Versorgungssystem vor großen Herausforderungen. Therapeuten warnen vor geplanten Honorarkürzungen und Budgetierungen im Rahmen eines Sparpakets der gesetzlichen Krankenversicherungen. Die Entscheidung fällt am 10. Juli.

In einigen Regionen wurden bereits Aufnahmestopps für neue Patienten verhängt. Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz betragen laut Branchenberichten teilweise bis zu sechs Monate.

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Fachleute und Betroffenenverbände kritisieren: Die geplante Budgetierung könnte das Angebot um bis zu 25 Prozent reduzieren. Das würde die ohnehin angespannte Lage bei psychischen Erkrankungen weiter verschärfen.

Verbände fordern stattdessen verstärkte Investitionen in die betriebliche Gesundheit und eine bessere Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung.

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