Psychische, Erkrankungen

Psychische Erkrankungen: 184 Fehltage lösen Atemwegsinfekte ab

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 16:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BGF-Koordinierungsstelle launcht Portal für KMU. Psychische Erkrankungen überholen Atemwegsinfekte als Hauptgrund für Arbeitsunfähigkeit.

Neues Portal für Betriebliche Gesundheitsförderung: KMU im Fokus
Eine Gruppe von Büroangestellten nimmt an einer Wellness-Aktivität teil, die Zusammenarbeit und Unterstützung im Arbeitsumfeld symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ziel ist es, Arbeitgebern den Zugang zu betrieblicher Gesundheitsförderung zu erleichtern.

Das Angebot richtet sich besonders an kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Sie stehen oft vor größeren Hürden bei der Einführung systematischer Gesundheitsprogramme. Über das Portal können sich Firmen über aktuelle Standards informieren, sich zu Fachveranstaltungen anmelden und eine Erstberatung buchen.

Psychische Erkrankungen überholen Atemwegsinfekte

Die Dringlichkeit solcher Angebote zeigt sich in aktuellen Zahlen. Eine Auswertung der Krankenkasse DAK für das erste Halbjahr 2026 belegt: Der allgemeine Krankenstand liegt mit 5,3 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert (5,4 Prozent). Im Schnitt fehlte jeder Beschäftigte 9,6 Tage.

Auffällig ist der Wandel bei den Krankheitsursachen. Psychische Erkrankungen haben Atemwegsinfekte als häufigsten Grund für Arbeitsunfähigkeit abgelöst. Mit 184 Fehltagen pro 100 Versicherten stieg dieser Bereich um neun Prozent. Atemwegserkrankungen sanken dagegen um 21 Prozent auf 175 Tage. Muskel-Skelett-Erkrankungen folgen mit 174 Fehltagen auf Platz drei.

Während jüngere Arbeitnehmer seltener fehlen, verzeichnen die über 60-Jährigen die höchsten Ausfallraten.

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Teilkrankschreibung soll Rückkehr erleichtern

Der Gesetzgeber hat am 10. Juli mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz neue Regeln geschaffen. Kernstück: die Einführung der Teilkrankschreibung für längerfristig Erkrankte. Betroffene können schrittweise mit 25, 50 oder 75 Prozent Arbeitsumfang zurückkehren – flankiert durch ein entsprechendes Teilkrankengeld.

Geplant ist zudem die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag. Diese Maßnahme und die geplante Streichung von Zuschlägen auf bestimmte psychotherapeutische Leistungen stoßen auf Kritik. Ärztevertreter und Krankenkassen warnen vor einer Verschlechterung der Versorgung – besonders bei den stark steigenden psychischen Diagnosen.

Gesundheitsinvestitionen müssen sich rechnen

Die Messbarkeit von Gesundheitsausgaben wird für Unternehmen immer wichtiger. Mitte Juli diskutierten Branchenexperten in Fachforen, wie sich der Return on Investment von Gesundheitsmaßnahmen durch Kennzahlen für das Vorstandsreporting greifbar machen lässt.

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Parallel dazu entstehen regionale Initiativen. Die Stadt Wolfenbüttel erhielt am 13. Juli einen mit 2.500 Euro dotierten Präventionspreis des Braunschweigischen Gemeinde-Unfallversicherungsverbandes. Im Kreis Euskirchen beteiligen sich seit Mai 1.500 Mitarbeiter aus über 50 Firmen an einer Gesundheits-Challenge – Bewegungsstunden werden per App erfasst.

Auch spezialisierte Angebote entstehen: Seit Juni gibt es eine Online-Plattform, die Angehörige von Brustkrebserkrankten bei Vernetzung und Beratung unterstützt. Ziel ist es, die psychische Belastung im privaten Umfeld zu reduzieren – und damit auch die indirekten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.

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