Psychische Erkrankungen: 45 Prozent aller Invaliditätspensionen
15.06.2026 - 11:24:42 | boerse-global.de
Die unsichtbare psychische Belastung durch Organisations- und Planungsaufgaben soll formal in den Arbeitsschutz integriert werden.
AK-Präsident Andreas Stangl betont die wachsende Bedeutung psychischer Gesundheit für die Stabilität des Arbeitsmarktes.
Psychische Erkrankungen dominieren Krankenstände
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Die Forderung stützt sich auf aktuelle Daten. Laut WIFO-Fehlzeitenreport 2025 sind psychische Erkrankungen eine zentrale Ursache für Arbeitsunfähigkeit.
Bei Frauen verursachen sie 22,3 Prozent der Langzeitkrankenstände, bei Männern 13,5 Prozent. Noch deutlicher zeigt sich das Problem bei Erwerbsminderungen: 45 Prozent aller Invaliditätspensionen gehen auf psychische Diagnosen zurück.
Das Arbeitsmarktservice (AMS) prognostiziert, dass in Österreich bis 2050 rund 120.000 Erwerbspersonen fehlen werden. Der Erhalt der Arbeitsfähigkeit gewinnt damit zusätzlich an wirtschaftspolitischer Relevanz.
Self-Care als „Produktivitätsfalle“
Die Soziologin Laura Wiesböck warnt davor, Self-Care-Maßnahmen als bloße „Produktivitätsfalle“ zu betrachten. Psychische Belastungen seien oft das Resultat struktureller Probleme, die sich nicht durch individuelle Achtsamkeitsangebote lösen ließen.
Stattdessen müsse der Fokus auf fairer Arbeitsgestaltung liegen. Die alleinige Verlagerung der Verantwortung auf die Beschäftigten greife zu kurz, wenn die Arbeitsbedingungen selbst die Ursache für die Überlastung darstellten.
KI soll Bürokratie entschlacken
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Neben gesetzlichen Anpassungen rücken auch administrative Prozesse in den Fokus. Die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) sieht Potenzial für künstliche Intelligenz: Sie könnte den bürokratischen Aufwand bei Gefährdungsbeurteilungen reduzieren.
Das menschliche Urteilsvermögen bleibe bei der Bewertung psychischer Risiken jedoch unverzichtbar.
Erschwert wird die Situation durch gesetzliche Budgetlimitierungen. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz begrenzt die finanziellen Mittel für die psychiatrische Versorgung, während strikte Personalvorgaben eingehalten werden müssen. Ein Spannungsfeld zwischen steigendem Bedarf und knappen Ressourcen.
