Psychische Erkrankungen: Erstmals häufigster Grund für Fehlzeiten
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erstmals haben psychische Erkrankungen Atemwegsinfekte als häufigste Ursache für Fehlzeiten abgelöst. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsreport der DAK-Gesundheit.
Die Kasse wertete Daten von rund 2,2 Millionen Versicherten aus. Ergebnis: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen psychisch bedingte Fehlzeiten um neun Prozent. Gleichzeitig gingen Atemwegserkrankungen um 21 Prozent zurück. Die Krankenstandsrate blieb mit 53 Fällen pro 1.000 Beschäftigten stabil, die durchschnittliche Krankheitsdauer stieg leicht auf 9,7 Tage.
Ein Fehlzeitenreport aus Österreich bestätigt den Trend: Auch dort nehmen psychische Krankenstände langfristig zu. Laut einer PwC-Studie berichten zudem 63 Prozent der Beschäftigten von einer gestiegenen psychischen Belastung.
Die innere Uhr als SchlĂĽsselfaktor
Parallel zur Diskussion um psychische Gesundheit rückt die Chronobiologie in den Fokus. Der Chronobiologe Till Roenneberg warnt: Nur 20 Prozent der Menschen sind „Lerchen“ mit früher Leistungsfähigkeit. Die Mehrheit leidet unter „Social Jetlag“ – starre Arbeitszeiten zwingen sie gegen ihre innere Uhr zu leben.
Die Folgen sind gravierend. Dauerhafte Missachtung des Biorhythmus beeinträchtigt nicht nur Stimmung und Leistung. Sie erhöht auch das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht. Die MedUni Wien identifizierte zudem genetische Grundlagen für Störungen der inneren Uhr – mit Verbindungen zu Neurotizismus und atypischem Koffeinkonsum.
Power Hours schĂĽtzen, Meetings verschieben
Experten empfehlen, individuelle Chronotypen in der Belegschaft zu erfassen. Eine Fachberaterin schlägt vor, „Power Hours“ für konzentriertes Arbeiten zu schützen und Kommunikationsstandards zu definieren.
Psychische Erkrankungen sind erstmals der häufigste Fehlzeitengrund – mit einem Anstieg um 9 Prozent. Gleichzeitig leidet die Mehrheit der Beschäftigten unter Social Jetlag durch starre Arbeitszeiten. Dieser Report zeigt, wie Sie Chronotypen erfassen, Power Hours schützen und KI-gestützte HR-Prozesse aufbauen. Jetzt kostenlosen HR-Report anfordern
Ein konkreter Ansatz: Meetings auf das Zeitfenster zwischen 10:00 und 15:00 Uhr begrenzen. Ein norwegisches Unternehmen verlegte Besprechungen auf 10:00 Uhr – die Mitarbeiterzufriedenheit stieg massiv.
KI verändert die Arbeitsorganisation
Der technologische Wandel treibt die Neuorganisation voran. Ein Whitepaper der Adecco Group zeigt: Die Integration von Künstlicher Intelligenz erfordert eine neue Managementdisziplin – die Koordination hybrider Belegschaften aus Menschen und KI-Agenten.
Zwischen 2022 und 2025 entstanden 1,9 Millionen neue Arbeitsplätze im KI-Bereich. Die großflächige Integration in europäischen Unternehmen liegt allerdings erst bei etwa 20 Prozent.
Hitze als Belastungsfaktor
Hitze, Social Jetlag und steigende psychische Belastung – drei Faktoren, die Ihre Fehlzeiten in die Höhe treiben. Während die DGB ein Hitze-Ausfallgeld fordert, können Sie schon heute mit flexiblen Arbeitszeitmodellen gegensteuern. Der Leitfaden liefert konkrete Schritte zur biologisch verträglichen Arbeitsorganisation. Leitfaden jetzt sichern
Gleichzeitig fordern Arbeitnehmervertretungen neue Rahmenbedingungen. Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi verlangt ein gesetzliches Hitze-Ausfallgeld. Hohe Temperaturen belasten die Wirtschaft massiv, jeder dritte Arbeitnehmer fühlt sich laut einer Umfrage durch Hitze am Arbeitsplatz beeinträchtigt.
Die Entwicklung zeigt: Moderne Arbeitsplatzorganisation setzt künftig weniger auf starre Präsenzregeln – wie sie etwa bei Airbus diskutiert werden. Gefragt sind flexible, lebensphasenorientierte und biologisch verträgliche Modelle.
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