Psychische Erkrankungen: Erstmals Hauptursache für Arbeitsausfälle
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 18:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Vorjahreszeitraum lag die Quote noch bei 5,4 Prozent, wie die DAK-Gesundheit auf Basis von Daten des Iges-Instituts mitteilt. Die Entspannung bei den Fallzahlen hat jedoch einen Haken: Psychische Erkrankungen nehmen weiter zu.
Psychische Leiden werden zur Hauptursache für Fehltage
Die durchschnittliche Zahl der Krankheitstage pro Versichertem fiel von 9,9 auf 9,6 Tage. Hauptgrund: Atemwegserkrankungen gingen um 21 Prozent zurück – auf 175 Fehltage je 100 Versicherte.
Gleichzeitig explodieren die Ausfälle durch psychische Leiden. Sie stiegen um neun Prozent auf 184 Fehltage je 100 Versicherte. Damit sind sie erstmals die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Muskel-Skelett-Erkrankungen folgen mit 174 Fehltagen.
Die Daten basieren auf 2,2 Millionen Versicherten. Sie zeigen zudem ein Altersgefälle: Bei Arbeitnehmern unter 55 Jahren sanken die Ausfälle, bei den über 60-Jährigen stieg der Krankenstand um 0,3 Prozentpunkte. Der DAK-Vorstandsvorsitzende nannte den Rückgang erfreulich, forderte aber mehr Einsatz gegen Langzeiterkrankungen.
Regierung plant strengere Regeln für Krankschreibungen
Die Politik reagiert auf die insgesamt hohen Krankenstände der letzten Jahre. Die schwarz-rote Koalition diskutiert eine generelle Nachweispflicht für Arbeitsunfähigkeit ab dem ersten Tag. Zudem soll die telefonische Krankschreibung aus der Pandemiezeit wieder abgeschafft werden.
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Bundesgesundheitsministerin Warken startete parallel eine Präventionsoffensive. Geplant ist unter anderem eine Teilkrankschreibung. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung kündigte bereits Proteste gegen das Ende der telefonischen Krankschreibung an.
Bereits seit Januar 2024 gilt für gesetzlich Versicherte die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU). Arbeitgeber rufen die Daten digital bei den Krankenkassen ab. Privatversicherte brauchen weiterhin Papierbescheinigungen.
Arbeitgeber haben bereits scharfe Instrumente
Die Diskussion um die Zuverlässigkeit von Krankmeldungen wird durch alte Zahlen befeuert. Zwischen Januar und November 2025 lag der durchschnittliche Krankenstand bei 18,6 Tagen – deutlich mehr als 2021 mit 13 Tagen. Rund 60 Prozent der Beschäftigten gaben in Befragungen an, sich schon einmal krankgemeldet zu haben, obwohl sie sich arbeitsfähig fühlten.
Juristen betonen: Arbeitgeber können bereits jetzt ab dem ersten Tag eine ärztliche Bescheinigung verlangen. Bei begründetem Missbrauchsverdacht schalten sie den Medizinischen Dienst ein. Bei nachgewiesenem Fehlverhalten drohen Abmahnungen, Kündigungen oder die Verweigerung der Entgeltfortzahlung.
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Missbrauchsverdacht vs. Präsentismus – ein heikles Spannungsfeld
Während Arbeitgeberverbände mehr Kontrolle fordern, warnen Arbeitnehmervertreter vor Stigmatisierung. Daten aus Österreich zeigen: 2025 gingen 72 Prozent der Beschäftigten trotz Beschwerden zur Arbeit. 2015 waren es nur 30 Prozent.
Die Wirtschaftskammer Oberösterreich fordert dennoch ein Kontrollorgan gegen Missbrauch. 2025 registrierte sie 5,9 Millionen Krankenstandsfälle – Kosten: 4,8 Milliarden Euro. Das widersprüchliche Bild in Umfragen: 93 Prozent der Befragten gaben an, selbst nie unberechtigt zu fehlen. 38 Prozent vermuteten Missbrauch bei Kollegen.
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