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USA verhindern UN-Resolution mit Forderung nach Gaza-Waffenruhe

20.02.2024 - 17:34:33

(Reaktionen ergÀnzt)NEW YORK - Die Vereinigten Staaten haben im Weltsicherheitsrat erneut einen Resolutionsentwurf mit der Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe im Gaza-Krieg verhindert.

(Reaktionen ergÀnzt)

NEW YORK (dpa-AFX) - Die Vereinigten Staaten haben im Weltsicherheitsrat erneut einen Resolutionsentwurf mit der Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe im Gaza-Krieg verhindert. Die USA legten am Dienstag in New York ein Veto gegen die Beschlussvorlage von Ratsmitglied Algerien ein. Angesichts der Sorge um eine drohende israelische MilitĂ€roffensive im Gebiet um die Stadt Rafah fand der Vorschlag bei den ĂŒbrigen Ratsmitgliedern breite Zustimmung: 13 der 15 Ratsmitglieder stimmten fĂŒr den Entwurf, Großbritannien enthielt sich.

Die USA hatten bereits vorher angekĂŒndigt, ein Veto einlegen zu wollen. Israels enger VerbĂŒndeter hatte in den vergangenen Tagen versucht, eine Abstimmung des algerischen Texts zu verhindern - eigenen Angaben zufolge, um wichtige Verhandlungen zur Freilassung von Geiseln zwischen Israel und der islamistischen Terrororganisation Hamas nicht zu gefĂ€hrden. Washington ging es Beobachtern zufolge aber auch darum, mit einem Veto nicht als Wegbereiter einer zunehmend in der Kritik stehenden KriegsfĂŒhrung Israels gesehen zu werden.

US-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield verteidigte das amerikanische Vorgehen direkt vor der Abstimmung im mĂ€chtigsten UN-Gremium. Die Verabschiedung einer Resolution hĂ€tte dazu fĂŒhren können, dass sich "die KĂ€mpfe zwischen Hamas und Israel ausweiten". Es gehe darum, die Hamas dazu zu zwingen, sich auf einen Deal mit Israel einzulassen. "Manchmal braucht harte Diplomatie mehr Zeit, als einem von uns lieb ist", so Thomas-Greenfield. Sie verstehe den Wunsch des Rates, dringend zu handeln.

In den vergangenen Monaten setzten die USA nun bereits drei Vetos ein, um Israel vor Resolutionen des Sicherheitsrates zu schĂŒtzen. Die Blockadehaltung der USA sorgte bei der großen Mehrzahl der 15 Ratsmitglieder zuletzt zunehmend fĂŒr Frust. Nach Angaben eines hochrangigen Vertreters wurden die Verhandlungen hinter verschlossenen TĂŒren deutlich emotionaler. Wenn die USA ein Veto einlegten, mĂŒssten sie "die Verantwortung fĂŒr alles ĂŒbernehmen, was danach passiert", hatte ein hochrangiger Vertreter im Rat vor der Abstimmung gesagt. "Wenn Rafah passiert, gibt es kein ZurĂŒck."

WĂ€hrend Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja das US-Vorgehen am Dienstag scharf verurteilte, sagte der chinesische Vertreter Zhang Jun: "Angesichts der Situation vor Ort ist die fortgesetzte passive Vermeidung eines sofortigen Waffenstillstands nichts anderes, als grĂŒnes Licht fĂŒr das weitere Abschlachten zu geben." Frankreichs Botschafter Nicolas de RiviĂšre sprach von einer "Schuld", von der sich der Sicherheitsrat befreien mĂŒsse.

In Rafah bereitet sich die israelische Armee auf eine Invasion vor, um nach eigenen Angaben die verbliebenen Hamas-Bataillone zu zerschlagen und dort vermutete Geiseln zu befreien. Die israelische Regierung hat aber noch keinen Einsatzbefehl erteilt. Ein militĂ€risches Vorgehen in der sĂŒdlichsten Stadt des Gazastreifens ist höchst umstritten, weil sich dort auf engem Raum 1,5 Millionen PalĂ€stinenser drĂ€ngen, von denen die meisten vor den KĂ€mpfen in anderen Teilen des KĂŒstengebiets bereits geflohen waren. Hilfsorganisationen weisen außerdem auf eine katastrophale humanitĂ€re Lage hin.

Benny Gantz, Minister in Israels Kriegskabinett, hatte am Sonntag deutlich gemacht: "Die Welt muss wissen und die Hamas-FĂŒhrer mĂŒssen wissen, dass die KĂ€mpfe weitergehen und sich auf Rafah ausweiten werden, wenn unsere Geiseln bis zum Ramadan nicht zu Hause sind".

Ob die internationalen Vermittler bis zum Beginn des muslimischen Fastenmonats am 10. MÀrz eine Feuerpause und die Freilassung von Geiseln aushandeln können, ist jedoch ungewiss.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verĂŒbt hatten. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen in Israel getötet und weitere 250 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Über einen eigenen amerikanischen Resolutionsentwurf wurde im Weltsicherheitsrat zunĂ€chst nicht abgestimmt. Der Text enthĂ€lt Passagen, die eine Distanzierung der USA gegenĂŒber dem israelischen MilitĂ€reinsatz andeuten. So heißt es unter anderem mit Bezug auf israelische Rafah-PlĂ€ne, dass "eine derart große Bodenoffensive unter den gegenwĂ€rtigen UmstĂ€nden nicht durchgefĂŒhrt werden" dĂŒrfe.

Auch enthĂ€lt der Text die Forderung nach einer "vorĂŒbergehenden Waffenruhe in Gaza so bald wie möglich". Die USA haben das Wort Waffenruhe lange vermieden, entsprechende Forderungen zurĂŒckgewiesen und sich bislang nur fĂŒr Kampfpausen ausgesprochen.

Resolutionen des Weltsicherheitsrates sind völkerrechtlich bindend. Wenn LÀnder sich ihnen widersetzen, kann der Rat Sanktionen verhÀngen und im Extremfall auch eine militÀrische Intervention erwÀgen - dies scheint im Falle Israels aber gegenwÀrtig unmöglich.

@ dpa.de