Rechenzentren-Pakt: 40 Bürgermeister fordern strengere Auflagen
23.06.2026 - 18:18:43 | boerse-global.de
40 Bürgermeister aus vier Kontinenten schließen sich zusammen, um strengere Auflagen für den Bau von Rechenzentren durchzusetzen. Der Pakt reagiert auf die zunehmende Belastung lokaler Strom- und Wasserkapazitäten.
Unter der Führung des Städtenetzwerks C40 Cities unterzeichneten die Stadtoberhäupter am Dienstag den „Global Urban Data Centres Pact“. Zu den Initiatoren gehören die Bürgermeisterin von Phoenix, Kate Gallego, und der Oberbürgermeister von Melbourne, Nicholas Reece. Die Allianz, der unter anderem auch London, Seattle, Chicago, Miami und Palo Alto angehören, fordert von Betreibern den Einsatz erneuerbarer Energien, eine signifikante Senkung des Wasserverbrauchs sowie die Schaffung lokaler Arbeitsplätze.
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Ressourcenhunger der Digitalkonzerne eskaliert
Die Notwendigkeit des Abkommens begründen die Unterzeichner mit der rasanten Expansion der Branche. In den beteiligten C40-Städten befinden sich bereits rund 1.700 Rechenzentren. Prognosen zufolge droht in 50 dieser Städte ein Anstieg der Anlagen um über 40 Prozent. Branchenanalysten beziffern die weltweiten Investitionen in neue Standorte auf rund eine Billion US-Dollar.
Besonders drastisch stellt sich die Situation in Melbourne dar. Dort könnten Rechenzentren bis zum Jahr 2030 etwa 10 Prozent des lokalen Strombedarfs beanspruchen, bis 2040 sogar 20 Prozent. Zudem wird der jährliche Wasserverbrauch in der australischen Metropole auf 20 Milliarden Liter geschätzt – das entspricht etwa 4 Prozent der gesamten Trinkwasserversorgung. In Phoenix könnten laufende Genehmigungsverfahren den Strombedarf der Stadt laut Bürgermeisterin Gallego verdoppeln. Aktuell entfallen etwa 2,5 bis 3,7 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf Datenzentren.
Bürger wehren sich gegen konkrete Projekte
Parallel zu der politischen Initiative regt sich in mehreren Regionen ziviler Widerstand gegen konkrete Großprojekte. Im Elsass startete eine Bürgerinitiative am Dienstag eine Kampagne gegen ein geplantes Vorhaben von Microsoft in Petit-Landau und Hombourg. Die Kritiker führen den Verlust von Agrarflächen sowie den hohen Energie- und Wasserbedarf an. Auch in Norddeutschland wird über ein geplantes Großrechenzentrum in Langenhorn debattiert, während Befürworter die wirtschaftliche Bedeutung der Ansiedlung betonen.
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Die Industrie reagiert auf die Versorgungsengpässe teils mit dem Aufbau eigener Energieinfrastruktur. So gab Microsoft zu Beginn der Woche bekannt, für ein geplantes Rechenzentrum der 2-Gigawatt-Klasse in West-Texas ein eigenes Gaskraftwerk zu errichten. Ein entsprechender Liefervertrag über 20 Jahre wurde mit Chevron geschlossen. Auch in Deutschland investiert der Konzern massiv: Im Rheinischen Revier entstehen für rund 3,2 Milliarden Euro drei Standorte, die den Strukturwandel von der Kohle zur Digitalisierung unterstützen sollen.
Zwischen Nutzen und Akzeptanz
Trotz der lokalen Proteste zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage ein gemischtes Bild der öffentlichen Meinung in Deutschland. Demnach halten 60 Prozent der Befragten den Ausbau von Rechenzentren für wichtig, die Hälfte würde einen Bau in der eigenen Region befürworten. Dennoch bleiben Bedenken bestehen: 43 Prozent der Teilnehmer kritisieren den hohen Stromverbrauch, gefolgt von Sorgen um die Belastung der lokalen Netze und den Wasserverbrauch.
Microsoft-CEO Satya Nadella warnte am Dienstag vor einer zu starken Machtkonzentration weniger KI-Konzerne, da dies die gesellschaftliche Akzeptanz gefährden könne. Er betonese die Notwendigkeit eines dezentralen Ökosystems, das durch messbaren Nutzen statt durch den Abbau von Arbeitsplätzen überzeugen müsse. Laut einer Erhebung erwarten derzeit etwa 72 Prozent der US-Fachkräfte einen Rückgang von Arbeitsplätzen durch den Einsatz von KI.
