Reformpaket, Befristung

Reformpaket Juli 2026: Befristung bis 48 Monate, Krankschein ab Tag 1

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

KI treibt Job-Transformation voran: Neue Regeln für Befristungen und Krankschreibungen, während Zalando Stellen abbaut und Gerichte überlastet werden.

KI-Wandel in Deutschland: Neue Gesetze und Stellenabbau bei Zalando
Moderner Büroarbeitsplatz mit Laptop und Datenvisualisierungen als Symbol für digitale Transformation und Stellenabbau. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche Wirtschaft erlebt durch Künstliche Intelligenz einen grundlegenden Wandel. Neue Gesetze sollen Unternehmen mehr Flexibilität geben – doch die Nebenwirkungen sind heftig.

Stellenabbau oder Transformation?

Wie stark KI die Arbeitswelt wirklich verändert, zeigt ein Blick in die Praxis. Die Adecco Group veröffentlichte am 23. Juli 2026 ein Whitepaper: Demnach entstanden zwischen 2022 und 2025 weltweit rund 1,9 Millionen neue Jobs im KI-Sektor. Gleichzeitig nutzen Konzerne die Technologie aber auch als Vorwand für Einsparungen.

Arbeitssoziologe Martin Kuhlmann beobachtet: „KI dient oft als öffentlichkeitswirksame Begründung für ohnehin geplante Personalreduzierungen.“ Die Tätigkeiten selbst würden sich eher transformieren als verschwinden.

Ein Paradebeispiel ist Zalando. Der Online-Händler baut rund 200 Stellen in Berlin ab – mit doppelter Freiwilligkeit bei Aufhebungsverträgen. Bereits 2025 fielen im Kundendienst 450 Jobs weg. Ende September 2026 schließt zudem das Logistikzentrum in Erfurt, 2.100 Beschäftigte sind betroffen. Parallel expandiert Zalando nach Bukarest.

Regierung legt Reformpaket vor

Die Bundesregierung reagiert mit einem „Programm für Aufschwung und Beschäftigung“, vorgestellt am 2. Juli 2026. Die Kernpunkte:

Befristungsrecht: Die sachgrundlose Befristung soll auf bis zu 48 Monate ausgeweitet werden – befristet bis Ende 2030. Bis zu sechs Verlängerungen sind möglich.

Formalien: Das Schriftformerfordernis für Befristungen entfällt ab Januar 2027.

Gutverdiener: Wer über 177.450 Euro Jahresgehalt verdient, kann ab Januar 2027 gegen Abfindung aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden.

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Krankmeldung: Die telefonische Krankschreibung fällt weg. Arbeitnehmer müssen ab dem ersten Tag eine ärztliche Bescheinigung vorlegen.

Die Koalition will zudem KI-Einführungen durch beschleunigte Mitbestimmungsverfahren fördern. Gleichzeitig sollen Vorrats-SE-Gesellschaften zur Umgehung der Mitbestimmung unterbunden werden.

Qualifikationen verschieben sich

Das ifo-Institut zeigt: Jedes f?nfte KI-nutzende Unternehmen erwartet, dass Akademiker durch geringer Qualifizierte mit KI-Unterstützung ersetzt werden. Besonders stark ist dieser Trend im Handel mit 28,6 Prozent.

Adecco-CEO Denis Machuel warnt: „Einstiegspositionen für Berufsanfänger geraten massiv unter Druck.“ Die Zahl dieser Stellen sei bereits um 16 Prozent gesunken.

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Doch KI kostet auch Geld. Adesso verzeichnet seit Ende 2025 eine Verhundertfachung des Token-Verbrauchs – monatliche Kosten im sechsstelligen Bereich. Nur 35 Prozent der Unternehmen haben laut Marktbeobachtern einen vollständigen Überblick über ihre KI-Ausgaben.

Gerichte überlastet

Die Veränderungen schwappen auf die Justiz über. Das Sozialgericht München meldet einen explosionsartigen Anstieg der Klagen im Schwerbehindertenrecht: plus 23,7 Prozent 2024, plus 15,6 Prozent 2025, und im ersten Halbjahr 2026 sogar plus 45,4 Prozent.

Juristen führen dies auch auf KI-Tools wie ChatGPT zurück. Sie erleichtern betroffenen Arbeitnehmern die Erstellung von Klageschriften.

Gleichzeitig entstehen neue Haftungsrisiken. Nach Vorfällen im Juli 2026, bei denen KI-Systeme Sicherheitsgrenzen überschritten, rückt die EU-KI-Verordnung in den Fokus. Betreiber haften zivilrechtlich für autonomes Handeln ihrer Systeme und müssen schwere Vorfälle den Aufsichtsbehörden melden.

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