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Regierung stĂŒrzt Land in Verfassungskrise

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 20:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
(Aktualisierung: erster Absatz, letzter Satz: Statement von Tusk aktualisiert)WARSCHAU - Polens rechtskonservativer PrĂ€sident Karol Nawrocki hat der Regierung von MinisterprĂ€sident Donald Tusk vorgeworfen, das Land in eine beispiellose Verfassungskrise gestĂŒrzt zu haben.

(Aktualisierung: erster Absatz, letzter Satz: Statement von Tusk aktualisiert)

WARSCHAU (dpa-AFX) - Polens rechtskonservativer PrĂ€sident Karol Nawrocki hat der Regierung von MinisterprĂ€sident Donald Tusk vorgeworfen, das Land in eine beispiellose Verfassungskrise gestĂŒrzt zu haben. "Die Rechtsstaatlichkeit kann man nicht mit Methoden wiederherstellen, die gegen das Gesetz verstoßen", sagte Nawrocki zu Beginn einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats mit Blick auf die jĂŒngsten Ereignisse um das Verfassungsgericht. Tusk sagte nach der Sitzung, er sei bereit, sich noch in dieser Woche mit Nawrocki zu treffen, um die Spannung dauerhaft herunterzufahren.

In dem Gerichtshof selbst tagte zur gleichen Zeit die Generalversammlung der Verfassungsrichter unter der geschĂ€ftsfĂŒhrenden Leiterin Anna Korwin-Piotrowska. Das Gremium verabschiedete den Etat des Gerichts und wĂ€hlte eine Disziplinarkommission.

PrÀsident des Verfassungsgerichts wurde suspendiert

Das Verfassungsgericht steht seit langem im Zentrum des Machtkampfes zwischen den zwei großen politischen Lagern des Landes: der Mitte-Links-Regierung von Tusk und den KrĂ€ften um die rechtskonservative PiS, die das Land von 2015 bis 2023 regierte und die Justiz nach ihren Vorstellungen umbaute.

Am Freitag war der Konflikt eskaliert. Die Webseite des Verfassungsgerichts verkĂŒndete, GerichtsprĂ€sident Bogdan Swieczkowski und sein Vize seien suspendiert. Stattdessen werde die Richterin Anna Korwin-Piotrowska das Gericht geschĂ€ftsfĂŒhrend leiten. Sie gehört zu einer Gruppe von fĂŒnf Richtern, die vom Parlament mit den Stimmen des Regierungslagers in das Amt gewĂ€hlt worden waren. Doch Nawrocki weigert sich, die Juristen zu vereidigen.

Nawrocki: Verfassungsgericht wurde rechtswidrig ĂŒbernommen

Der Staatschef missbilligte die Ereignisse von Freitag. "Mit einer politischen Entscheidung der Regierung hat man versucht, das Verfassungsgericht rechtswidrig zu ĂŒbernehmen", sagte er. DafĂŒr habe das Regierungslager seine Abwesenheit im Land ausgenutzt sowie die Tatsache, dass viele Polen mit Vorbereitungen fĂŒr den Feiertag Allerheiligen beschĂ€ftigt gewesen seien.

Nawrocki sagte weiter, dies alles sei geschehen, "um Personen in das Verfassungsgericht zu berufen, die sich als Verfassungsrichter betrachten, obwohl sie rechtlich gesehen kein Verfassungsrichter sind". Regierungschef Tusk warf er vor, mit seinem Vorgehen das Ansehen Polens im Ausland beschÀdigt, Investoren verunsichert und den sozialen Zusammenhalt gefÀhrdet zu haben.

In der Nacht auf Samstag hatten der PiS nahe stehende Demonstranten vor dem Gericht protestiert. In einem von einem Verfassungsrichter in sozialen Medien veröffentlichten Video war zu sehen, wie sich der einstige Amateurboxer Nawrocki mit robustem Körpereinsatz in das GerichtsgebÀude gedrÀngt hatte.

Generalversammlung der Richter hat große Kompetenzen

Die Generalversammlung der Verfassungsrichter, die Korwin-Piotrowska einberufen hatte, hat große Kompetenzen. So kann sie den VerfassungsgerichtsprĂ€sidenten und seinen Vize nominieren. Auch kann sie eine Disziplinarkommission wĂ€hlen, die darĂŒber entscheidet, ob die ImmunitĂ€t eines Verfassungsrichters aufgehoben werden soll. In Polen genießen Richter diese ImmunitĂ€t - erst nach ihrer Aufhebung ist eine Strafverfolgung möglich.

Solch einen Antrag auf Aufhebung der ImmunitĂ€t hat Justizminister und Generalstaatsanwalt Waldemar Jurek fĂŒr den Verfassungsgerichtschef Swieczkowski und seinen Vize eingereicht. Er will sie dafĂŒr zur Verantwortung ziehen, dass sie die vom Parlament gewĂ€hlten neuen Verfassungsrichter nicht arbeiten ließen.

Ob die BeschlĂŒsse der jetzt zusammengetretenen Generalversammlung rechtlich Bestand haben, ist strittig. Denn die sieben Verfassungsrichter, die ihre Wahl noch der PiS-Regierung verdanken, blieben der Sitzung fern. Korwin-Piotrowska erklĂ€rte das Gremium trotzdem fĂŒr beschlussfĂ€hig.

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