Reinigungskriminalität: 2.200 Einsatzkräfte durchsuchen 104 Objekte
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer der bisher umfangreichsten Operationen gegen Kriminalität im Reinigungsgewerbe haben rund 2.200 Einsatzkräfte der Bundespolizei und der Zoll-Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) ein mutmaßliches Schleusernetzwerk zerschlagen.
Die Ermittlungsgruppe „Purgatio“ durchsuchte im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin insgesamt 104 Objekte in acht Bundesländern, darunter Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Im Zuge der Maßnahmen wurden zehn Haftbefehle vollstreckt.
Umfangreiche Ermittlungen gegen kriminelle Strukturen
Die Ermittlungen richten sich gegen insgesamt 23 Beschuldigte im Alter zwischen 31 und 59 Jahren. Dem 50-jährigen Hauptbeschuldigten wird vorgeworfen, seit dem Jahr 2022 zusammen mit 22 Bandenmitgliedern ein komplexes System zur gewerbsmäßigen Einschleusung osteuropäischer Arbeitskräfte betrieben zu haben.
Die Ermittlungsbehörden führen an, dass die Beteiligten dabei gezielt Menschen aus der Ukraine und Georgien nach Deutschland brachten, um sie im Reinigungsgewerbe einzusetzen.
Nach Angaben der Ermittler basierte das Geschäftsmodell auf einem Geflecht aus Subunternehmen und Strohmännern. Mithilfe von Schein- und Abdeckrechnungen sowie fingierten Anmeldungen sollen Sozialversicherungsbeiträge in Millionenhöhe hinterzogen worden sein.
Die Staatsanwaltschaft Berlin beziffert den allein durch nicht gezahlte Beiträge entstandenen Schaden auf mindestens 25 Mio. Euro. Teile der erwirtschafteten Gewinne wurden laut den Ermittlungsbehörden in der Türkei und in verschiedenen Balkanstaaten gesichert.
Vorwurf des Menschenhandels und Ausbeutung
Über die finanziellen Delikte hinaus offenbarten die rund eineinhalb Jahre andauernden Ermittlungen massive Verstöße gegen Arbeits- und Menschenrechte. Den betroffenen Arbeitskräften seien deutlich geringere Löhne gezahlt worden als deutschen Arbeitnehmern, zudem seien sie schlechteren Arbeitsbedingungen ausgesetzt gewesen. Die Ermittler berichten von Fällen von Menschenhandel innerhalb der Reinigungskolonnen.
Dabei sollen Pässe einbehalten, Arbeitszeitnachweise gefälscht und überhöhte Mieten für Unterkünfte verlangt worden sein. Viele der Opfer aus Georgien und der Ukraine gelten als schwer traumatisiert. Neben den Vorwürfen der bandenmäßigen Einschleusung und der Urkundenfälschung steht auch der Tatbestand der Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt im Fokus der Verfahren.
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Sicherstellung von Vermögenswerten in Millionenhöhe
Parallel zu den Festnahmen, die unter anderem in Hamburg-Bergedorf und Berlin erfolgten, konzentrierten sich die Behörden auf die Abschöpfung illegaler Gewinne. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten ordnete 50 Vermögensarreste über eine Gesamtsumme von 106 Mio. Euro an. Ein erheblicher Teil dieser Summe konnte bereits vollstreckt werden.
Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten zudem umfangreiche Beweismittel und Sachwerte sicher. Dazu gehören mehr als 1 Mio. Euro Bargeld, das teils in Briefumschlägen gelagert wurde, sowie Gold im Wert von über 200.000 Euro.
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Weiterhin wurden Luxusgüter wie Fahrzeuge und ein Motorrad im Gesamtwert von etwa 77.000 Euro sowie illegale Waffen, Laptops und Mobiltelefone beschlagnahmt. Mit einer Anklageerhebung gegen die Beschuldigten, bei denen es sich um deutsche Staatsangehörige handelt, wird in etwa sechs Monaten gerechnet.
Verschärfung der regulatorischen Rahmenbedingungen
Die Operation findet vor dem Hintergrund einer geplanten Verschärfung der gesetzlichen Maßnahmen gegen Schwarzarbeit statt. Das Bundeskabinett hat dazu einen Gesetzentwurf verabschiedet, der der Finanzkontrolle Schwarzarbeit erweiterte Befugnisse einräumt.
Durch verbesserte Datenanalysen und vereinfachte Prüfverfahren soll die Schlagkraft der Behörden erhöht werden. Finanzminister Lars Klingbeil und Arbeitsministerin Bärbel Bas äußerten sich zu dem Vorhaben, welches insbesondere Branchen wie das Friseur- und Kosmetikhandwerk stärker in den Fokus rückt.
Zusätzlich zu nationalen Regelungen treten neue europäische Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (VS) in Kraft. Diese verpflichten ab dem Geschäftsjahr 2027 größere Unternehmen dazu, Daten über die sozialen Auswirkungen ihrer Lieferketten zu erheben.
Der Branchenverband SIEV weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch kleine und mittlere Reinigungsunternehmen indirekt betroffen sein könnten, da Auftraggeber zunehmend detaillierte Compliance-Nachweise fordern werden. Eine offizielle Pressekonferenz des Hauptzollamts Berlin zum aktuellen Einsatz ist für den 1. Oktober 2026 angesetzt.
