Rentenkommission, Rente

Rentenkommission: Rente mit 63 soll abgeschafft werden

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 13:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kommission empfiehlt Anhebung des Rentenalters und Abschaffung der Rente mit 63. Krankenstand bei Älteren steigt, viele Frührentner brauchen Nebenjobs.

Rentenkommission: Rente mit 63 vor Abschaffung und neue Pläne
Ältere, vielfältige Gruppe von Menschen im Büro, die müde, aber entschlossen aussehen, mit subtilen digitalen Daten-Overlays. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine Rentenkommission empfiehlt eine Anhebung des Rentenalters, während aktuelle Gesundheitsdaten die Belastungen älterer Arbeitnehmer zeigen.

Empfehlungen der Kommission: Rente mit 63 vor dem Aus?

Mitte Juli legte eine Rentenkommission weitreichende Vorschläge vor. Die Experten empfehlen, das Rentenalter ab 2042 um ein halbes Jahr pro Jahrzehnt anzuheben. Zentraler Punkt: Die abschlagsfreie Rente mit 63 soll abgeschafft werden.

Ziel ist es, das Rentenniveau für Neurentner bei 48 Prozent zu stabilisieren. Bis 2050 soll ein Gesamtniveau von 50 Prozent erreicht werden. Zur Finanzierung schlägt die Kommission eine kapitalgedeckte Zusatzrente vor – startend mit einem Beitrag von einem Prozent, später steigend auf zwei Prozent.

Künftig sollen auch Politiker, Selbstständige und Vorstände in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Beamte müssten langfristig integriert werden.

Krankenstand: Ältere werden häufiger krank

Den Forderungen nach längerer Arbeit stehen aktuelle Gesundheitsdaten gegenüber. Eine Auswertung der DAK für das erste Halbjahr 2026 zeigt: Der allgemeine Krankenstand sank leicht auf 5,3 Prozent. Doch bei den über 60-Jährigen stiegen die Ausfalltage um 0,3 Prozentpunkte.

Besonders alarmierend: Psychische Erkrankungen legten um neun Prozent zu. Auf 100 Versicherte entfielen 184 Fehltage aufgrund psychischer Leiden. Sie sind damit die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit.

Positiv: Atemwegserkrankungen gingen deutlich zurück. Muskel-Skelett-Erkrankungen bleiben aber eine hohe Belastung. Die Politik reagiert: Geplant sind eine Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.

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Hinzuverdienst: Frührentner müssen weiterarbeiten

Viele Beschäftigte wollen früher in Rente – doch die Finanzen zwingen sie zum Weitermachen. Eine IW-Studie vom Juni 2026 zeigt: Nach dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenzen 2023 stieg der Anteil der Frührentner mit substanziellem Nebenverdienst sprunghaft an.

Bei besonders langjährig Versicherten mit 45 Beitragsjahren kletterte der Anteil von 18 Prozent (2022) auf 25 Prozent (2023). Wirtschaftsexperten kritisieren widersprüchliche Signale der Politik: Einerseits Anreize für frühen Rentenantritt, andererseits Klagen über Fachkräftemangel.

Die finanzielle Notwendigkeit wird durch steigende Lebenshaltungskosten verschärft. Ein Heimplatz in der Pflege kostet durchschnittlich 3.364 Euro pro Monat – 256 Euro mehr als im Vorjahr. Die durchschnittliche Rente lag 2024 bei lediglich 1.154 Euro.

Regionale Unterschiede: Armutsrente droht

Die Debatte um die Rente mit 63 wird von der Frage nach dem Armutsrisiko begleitet. Linken-Politiker Bartsch warnt: Besonders in Ostdeutschland droht vielen Vollzeitbeschäftigten eine Armutsrente. Dort verdienen 54 Prozent der Vollzeitkräfte unter 3.700 Euro brutto – bundesweit sind es 39 Prozent.

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Um eine Rente oberhalb der Armutsgefährdungsgrenze von 1.446 Euro brutto zu erreichen, ist ein Monatslohn von mindestens 3.771 Euro nötig. Die Bundesagentur für Arbeit meldete für 2025 zwar einen Anstieg des Medianentgelts auf 4.217 Euro – ein Plus von 5,1 Prozent. Doch die Unterschiede bleiben enorm: In Hamburg liegt das Entgelt bei 4.768 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern bei nur 3.497 Euro.

SoVD-Expertin Wunderlich kritisiert die Kommissionspläne scharf. Die geplante Kapitaldeckung sei zu riskant, die Einschränkung der Frühverrentung eine faktische Rentenkürzung für viele Betroffene.

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