Rentenniveau von 50 Prozent: DGB fordert Kurswechsel bei Sozialreformen
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
An einem bundesweiten Aktionstag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) haben sich nach Angaben der Veranstalter rund 175.000 Menschen beteiligt. Während die Gewerkschaftsführung vor massiven Einschnitten in das soziale Sicherungssystem warnte, stießen die Proteste bei der Arbeitgeberseite auf scharfe Kritik.
Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Kampeter, warf dem DGB eine rituelle Verweigerung von Reformen vor und hielt den Demonstrierenden vor, von einer Welt von gestern zu träumen.
Kundgebungen in 15 Großstädten
Der Aktionstag unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente“ fand in insgesamt 15 Großstädten statt. Zu den Schwerpunkten zählten unter anderem Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Hannover. In Nürnberg bezifferte die Polizei die Teilnehmerzahl am Kornmarkt auf 20.000 bis 25.000 Personen. In Frankfurt versammelten sich laut polizeilichen Schätzungen etwa 15.000 Menschen auf dem Opernplatz, während in Hannover rund 13.000 Demonstrierende gezählt wurden.
In der Bundeshauptstadt Berlin kam es zu Differenzen bei den Teilnehmerzahlen: Während die Polizei von 5.500 Teilnehmenden sprach, gab der DGB die Zahl der Demonstrierenden mit 12.000 an.
In Nordrhein-Westfalen versammelten sich in Essen laut Polizeiangaben 12.000 Menschen; der DGB NRW berichtete von mehr als 10.000 Teilnehmenden auf dem Burgplatz. Weitere größere Kundgebungen wurden aus Stuttgart mit geschätzten 10.000 bis 16.000 Personen und Bremen mit etwa 7.000 Teilnehmenden gemeldet.
Gewerkschaften warnen vor Demontage des Sozialstaats
DGB-Chefin Fahimi kritisierte in Essen, dass die geplanten Maßnahmen einseitig zu Lasten der Arbeitnehmerschaft gingen. Sie betonte, dass die Sozialversicherungen kein Sparschwein für den Bundeshaushalt seien. Fahimi verteidigt insbesondere die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren und sprach sich gegen eine Ausweitung der Arbeitszeiten sowie eine Lockerung des Acht-Stunden-Tages aus.
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Der ver.di-Vorsitzende Werneke bezeichnete die Pläne in Frankfurt als Angriff auf die Rechte der Beschäftigten. Er forderte ein Ende der gegen Arbeitnehmer gerichteten Sparpolitik und verlangte stattdessen echte Reformen.
Die Vorsitzende der IG Metall, Benner, warnte in Nürnberg vor einem Rückbau der sozialen Sicherheit. Sie forderte den Erhalt der Altersteilzeit sowie den Fortbestand der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Ergänzend kritisierte die IG-Metall-Bezirksleiterin Resch mögliche Neuregelungen zu Befristungen von bis zu vier Jahren.
Wirtschaftliche Lage und konkrete Forderungen
Die wirtschaftliche Dringlichkeit der Debatte unterstrich IGBCE-Chef Vassiliadis. Er wies darauf hin, dass allein in der Industrie derzeit monatlich 15.000 Arbeitsplätze verloren gingen. Vor diesem Hintergrund forderte der DGB verstärkte Investitionen in Infrastruktur und Wachstum. Zu den zentralen Forderungen gehören ein gesetzliches Rentenniveau von mindestens 50 Prozent, eine effizientere Mittelverwendung im Gesundheitssystem sowie die Einführung einer Steuer auf hohe Vermögen zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben. Zudem lehnen die Verbände eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag strikt ab.
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Politische Reaktionen und Gegenpositionen
Seitens der Arbeitgeberverbände hieß es von Kampeter, dass sich Herausforderungen wie die Demografie, der Fachkräftemangel und der internationale Wettbewerb nicht wegdemonstrieren ließen. Unterstützung erhielten die Gewerkschaften hingegen von der Linkspartei. Die Parteivorsitzende Schwerdtner erklärte, man wolle die sogenannte Merz-Agenda stoppen.
Innerhalb der SPD regte sich ebenfalls Widerstand gegen Teile der Reformpläne. Der niedersächsische Ministerpräsident Lies forderte sozial abgefederte Korrekturen und sprach sich gegen eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren aus. Er reagierte damit auf Äußerungen von CDU-Chef Merz, der bereits Mitte September klargestellt hatte, dass die Reformen unumgänglich seien.
Auch die VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Cavallo mahnte im Zuge der Proteste mehr Wertschätzung und eine angemessene Entlohnung für die Beschäftigten an.
