Rentenversicherung: Minijobber erhalten Wahlrecht ab 1. Juli
18.06.2026 - 02:49:03 | boerse-global.de
Noch im Juni soll das Kabinett den Gesetzentwurf beschließen, zum 1. Juli tritt bereits eine neue Wahlmöglichkeit bei der Rentenversicherung in Kraft.
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Arbeitgeber sollen tiefer in die Tasche greifen
Gesundheitsministerin Nina Warken will die Arbeitgeberbeiträge für Minijobs deutlich anheben. Künftig sollen Arbeitgeber 3,6 Prozent zur Pflegeversicherung zahlen. Der pauschale Krankenversicherungsbeitrag steigt von 13 auf 17,5 Prozent.
Die Ministerin erwartet Mehreinnahmen von rund 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Wirtschaftsverbände laufen dagegen Sturm. Dehoga-Präsident Guido Zöllick warnt vor einer „massiven Verteidigung von Arbeit“, die besonders das Gastgewerbe treffe. Auch der Handelsverband sieht das Minijob-Modell in Gefahr.
SPD-Vertreter halten die höheren Kosten dagegen für vertretbar. Die Verdienstgrenze war bereits Anfang des Jahres auf 603 Euro gestiegen – gekoppelt an den Mindestlohn von 13,90 Euro.
Neue Wahlrechte bei der Rente
Ab dem 1. Juli erhalten Minijobber eine einmalige Option: Wer sich von der Rentenversicherungspflicht befreien ließ, kann diesen Schritt widerrufen. Der Antrag muss schriftlich oder elektronisch beim Arbeitgeber erfolgen und wirkt nur für die Zukunft. Eine erneute Befreiung ist danach ausgeschlossen.
Mit der vollen Versicherungspflicht zahlen Beschäftigte 3,6 Prozent Eigenanteil, der Arbeitgeber weiterhin 15 Prozent Pauschalbeitrag. Die Deutsche Rentenversicherung weist auf Vorteile hin: Der Schritt sichert den Zugang zur Erwerbsminderungsrente, Rehabilitation und Grundrente. Bei einem Monatsverdienst von 603 Euro steigt die spätere Rente um etwa fünf Euro pro Jahr.
Für Arbeitgeber steigen die Dokumentationspflichten. Fachleute warnen vor Fehlern bei Meldung oder Fristen. Falsche Einstufungen können zu rückwirkenden Beitragspflichten und Säumniszuschlägen führen.
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Fachkräftemangel bleibt trotz Wirtschaftsflaute
Die Nachfrage nach Personal wird durch die Wirtschaftsschwäche gebremst. Laut KfW-Ifo-Fachkräftebarometer geben noch 21 Prozent der Unternehmen an, durch Personalmangel behindert zu werden. Im dritten Quartal 2022 lag der Arbeit bei fast 50 Prozent.
Besonders betroffen ist der Dienstleistungssektor mit 25 Prozent. Im Bauhauptgewerbe klagt fast jedes dritte Unternehmen über Engpässe. Eine Rewe-Filiale in München musste ihre Fleischtheke vorzeitig schließen – es fehlten Mitarbeiter.
Die Lücke zwischen technischer Entwicklung und Kundenwünschen zeigt eine Kantar-Umfrage: Obwohl der Handel auf SB-Kassen setzt, bevorzugen 67 Prozent der Befragten bediente Kassen. Hauptgründe sind der menschliche Umgang und Gewohnheit.
Die Tarifauseinandersetzungen verschärfen die Lage. Verdi rief im Juni tausende Beschäftigte im norddeutschen Handel zu Streiks auf. Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Entgelt. Die Arbeitgeber liegen mit ihren Angeboten deutlich darunter.
