Rheinmetall, Skyranger

Rheinmetall nennt Kundenentscheidung als Skyranger-Verzögerung

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 07:20 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Rheinmetall weist politische Vorwürfe zurück, bei verspäteten Bundeswehr-Projekten allein verantwortlich zu sein. Der Konzern nennt Entscheidungen des Kunden als Mitursache, räumt aber zugleich Schwächen bei einem Drohnentest ein.

Lieferplan und Ausrüstung im Bundeswehr-Auftrag

  • Rheinmetall macht beim Skyranger die Fahrgestellentscheidung des Kunden vom Februar 2025 für Verzögerungen mitverantwortlich.
  • Das B0-Fahrmodul soll im Januar 2027 in die Industrieerprobung und im dritten Quartal in behördliche Tests gehen.
  • Die Bundeswehr bestellte 123 Schwere Waffenträger für 2,7 Milliarden Euro; acht Fahrzeuge wurden verspätet erwartet.
Rheinmetall (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Rheinmetall nennt Kundenentscheidung als Verzögerungsgrund

Rheinmetall wehrt sich gegen Vorwürfe aus der Politik, für Verzögerungen bei Rüstungsprojekten der Bundeswehr allein verantwortlich zu sein. Der Düsseldorfer Konzern macht beim Flugabwehrsystem Skyranger unter anderem die Entscheidung für ein neues B0-Fahrmodul statt des ursprünglich vorgesehenen Boxer-Fahrgestells verantwortlich.

Skyranger soll 2027 in die Erprobung

Ein Rheinmetall-Sprecher sagte der „Welt am Sonntag“, der Kunde habe im Februar 2025 den Wechsel beschlossen, obwohl das B0-Fahrmodul noch nicht fertig entwickelt gewesen sei. Rheinmetall habe damals auf die daraus entstehenden Verzögerungen hingewiesen.

Das neue Fahrgestell soll im Januar kommenden Jahres in die Industrieerprobung gehen. Im dritten Quartal sollen Tests durch Behörden folgen. Rheinmetall kündigte an, bereits im dritten Quartal 2027 Serienfahrzeuge auf B0 auf eigenes Risiko zu liefern, obwohl die Amtserprobung dann noch nicht abgeschlossen sein soll.

Konzern räumt Probleme bei Drohnentest ein

Gleichzeitig räumte der Konzern eigene Schwierigkeiten ein. Bei einem Live-Test in Schweden gegen ukrainische Drohnenpiloten sei das Ergebnis unbefriedigend gewesen, sagte der Sprecher. Rheinmetall sei noch nicht dort, wo das System sein müsse, ziehe daraus aber Konsequenzen und verbessere es.

Im kommenden April soll das System in das Nachweisschießen gehen. Dann müsse alles funktionieren, erklärte der Sprecher.

Streit über Schweren Waffenträger

Auch beim Schweren Waffenträger sieht Rheinmetall die Verantwortung nicht allein bei der Industrie. Der Boxer-Radpanzer mit 30-Millimeter-Kanone und Panzerabwehrraketen soll bei der Infanterie den Wiesel ersetzen.

Die Bundeswehr bestellte 123 Fahrzeuge für 2,7 Milliarden Euro. Nach einem früheren Magazinbericht drohten mindestens elf Monate Verzögerung. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte im Juli kritisiert, dass acht Fahrzeuge nicht rechtzeitig geliefert worden seien.

Rheinmetall verweist auf fehlende Kundenvorgaben

Der Rheinmetall-Sprecher sagte, die Verzögerungen seien teils von der Industrie und teils vom Kunden verursacht worden. Die Bundeswehr habe Mitwirkungspflichten; eine Ausstattungsliste hätte im September 2025 vorliegen müssen, sei aber erst im Mai 2026 endgültig eingegangen und bei den Funkgeräten noch geändert worden.

Rheinmetall erklärte, alles für die Auslieferung der acht Fahrzeuge getan zu haben. Das sei gelungen. Umso überraschter sei der Konzern über die negative Äußerung des Ministers gewesen.

Die Auseinandersetzung berührt zwei zentrale Probleme der deutschen Beschaffungspolitik: komplexe militärische Systeme müssen parallel entwickelt, integriert, erprobt und unter Zeitdruck in die Truppe gebracht werden. Beim Skyranger kommt nach Darstellung Rheinmetalls ein Wechsel des vorgesehenen Fahrgestells hinzu. Ein solcher Wechsel kann Entwicklungs-, Integrations- und Testabläufe miteinander verknüpfen, weil Fahrmodul, Schutz, Elektronik, Bewaffnung und Zulassung aufeinander abgestimmt werden müssen.

Für die Bundeswehr ist der Vorgang deshalb mehr als ein Streit über einzelne Liefertermine. Der Skyranger soll den Schutz vor Drohnen und anderen Bedrohungen aus der Luft verbessern. Zugleich steht beim Schweren Waffenträger die Ablösung des Wiesel an. Verzögerungen bei beiden Vorhaben können die Modernisierung der Landstreitkräfte erschweren und die Planung von Ausbildung, Logistik und Verbandsausstattung beeinflussen.

Verantwortung und nächste Prüfungen

Rheinmetall weist die alleinige Verantwortung zurück, räumt aber zugleich eigene Defizite beim Test gegen ukrainische Drohnenpiloten ein. Damit verschiebt sich die Debatte von der reinen Lieferfrage auf die Qualität der Erprobung: Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Prüfungen die technischen und organisatorischen Probleme rechtzeitig sichtbar machen und beheben.

Beim Skyranger stehen als nächste markante Schritte die Industrieerprobung des B0-Fahrmoduls im Januar 2027, behördliche Tests im dritten Quartal 2027 und das Nachweisschießen im kommenden April im Raum. Für die Öffentlichkeit und die Bundeswehr bleibt damit vor allem relevant, ob Zeitplan, Leistungsfähigkeit und Zuständigkeiten an diesen Meilensteinen belastbar zusammenpassen.

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