Rheinmetall, SAR-Satelliten

Rheinmetall startet Satellitenproduktion in Neuss für Bundeswehr

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 09:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Rheinmetall hat in Neuss die Serienproduktion von SAR-Satelliten gestartet. Die gemeinsam mit Iceye gebauten Systeme sollen der Bundeswehr exklusiven Zugriff auf einen Teil der Aufklärungskapazität geben; der erste Satellit soll Anfang 2027 starten.

  • Ein Satelliten-Modell bei der Pariser Waffenmesse Eurosatory im Sommer im Maßstab eins zu vier. In kompletter Größe sind die Satelliten 3,3 Meter lang und 0,8 Meter breit.  - Bild: Wolf von Dewitz/dpa
    Ein Satelliten-Modell bei der Pariser Waffenmesse Eurosatory im Sommer im Maßstab eins zu vier. In kompletter Größe sind die Satelliten 3,3 Meter lang und 0,8 Meter breit. - Bild: Wolf von Dewitz/dpa
  • Blick auf das Neusser Rheinmetall-Werk. - Bild: Federico Gambarini/dpa
    Blick auf das Neusser Rheinmetall-Werk. - Bild: Federico Gambarini/dpa
  • Bundeswehr-Panzer bei einer Übung in Litauen. Die Satellitenaufnahmen sollen auch der deutschen Brigade in dem baltischen Land helfen.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Bundeswehr-Panzer bei einer Übung in Litauen. Die Satellitenaufnahmen sollen auch der deutschen Brigade in dem baltischen Land helfen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Die Bremer Raumfahrt-Firma OHB baut Weltraum-Satelliten und ist damit einer der Konkurrenten von Rheinmetall.  - Bild: Sina Schuldt/dpa
    Die Bremer Raumfahrt-Firma OHB baut Weltraum-Satelliten und ist damit einer der Konkurrenten von Rheinmetall. - Bild: Sina Schuldt/dpa
Ein Satelliten-Modell bei der Pariser Waffenmesse Eurosatory im Sommer im Maßstab eins zu vier. In kompletter Größe sind die Satelliten 3,3 Meter lang und 0,8 Meter breit.  - Bild: Wolf von Dewitz/dpa Blick auf das Neusser Rheinmetall-Werk. - Bild: Federico Gambarini/dpa Bundeswehr-Panzer bei einer Übung in Litauen. Die Satellitenaufnahmen sollen auch der deutschen Brigade in dem baltischen Land helfen.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa Die Bremer Raumfahrt-Firma OHB baut Weltraum-Satelliten und ist damit einer der Konkurrenten von Rheinmetall.  - Bild: Sina Schuldt/dpa

Rheinmetall hat in Neuss die Serienproduktion von Satelliten gestartet und erschließt damit ein weiteres Geschäftsfeld neben Panzern, Artillerie, Munition und Drohnen.

Produktion mit finnischem Partner

Gebaut werden SAR-Satelliten gemeinsam mit dem finnischen Unternehmen Iceye. Die Synthetic-Aperture-Radar-Technologie liefert auch bei Nacht und schlechtem Wetter präzise Aufnahmen von Truppenbewegungen und Stellungen. Künstliche Intelligenz soll relevante Informationen herausfiltern und aufbereiten.

Hersteller ist die Rheinmetall Iceye Space Solutions GmbH, an der Rheinmetall 60 Prozent hält. Nach Planung und Aufbau sei die industrielle Umsetzung angelaufen, teilte der Konzern mit.

Erster Start für Anfang 2027 geplant

Pro Jahr sollen etwa 50 Satelliten entstehen. Der erste in Neuss gefertigte Satellit soll Anfang 2027 mit einer Trägerrakete von SpaceX ins All gebracht werden.

Die Satelliten sind 3,3 Meter lang und 0,8 Meter breit. Sie wiegen rund 220 Kilogramm; die Antennenfläche beträgt etwa 2,6 Quadratmeter.

Exklusiver Zugriff für die Bundeswehr

Die Radaraufnahmen sollen Nato-Armeen bei der Lageeinschätzung helfen, besonders an der Nato-Ostflanke und zur Unterstützung der Bundeswehr-Brigade in Litauen. Rheinmetall und die Bundeswehr haben dafür einen mehrjährigen Vertrag im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro zuzüglich einer Erweiterungsoption.

Die deutsche Armee erhält nach Unternehmensangaben exklusiven Zugriff auf eine nicht genannte Zahl von Satelliten. Deren Radarsysteme sollen künftig ausschließlich von der Bundeswehr genutzt werden, sodass sie nicht auf freie Kapazitäten warten muss.

Standort für mehrere Rüstungsbereiche

Das Neusser Werk wird derzeit umgebaut. Früher fertigte Rheinmetall dort Autoteile; nach dem Verkauf des schwächelnden Konzernbereichs blieb der Standort im Unternehmen. Dort sollen nun unter anderem Drohnen, Gefechtstürme und Satelliten produziert werden.

Technologie mit Grenzen

Die Expertin Juliana Süß von der Stiftung Wissenschaft und Politik bezeichnete SAR-Aufklärung als unverzichtbar für moderne Streitkräfte. Radaraufnahmen könnten unter anderem zeigen, ob Panzer oder Artillerie unter Tarnnetzen oder Vegetation verborgen seien. Zugleich brauche es geschultes Personal für die Auswertung.

Zu den Wettbewerbern im Satellitengeschäft gehören Airbus Defence and Space und die Bremer Raumfahrtfirma OHB. OHB hat der Bundeswehr Satelliten für die Programme SAR-Lupe und SARah geliefert. Eine größere SAR-Ausschreibung des Bundes soll auch für OHB und Airbus offenstehen.

Aufklärung für ein vernetztes Gefechtsfeld

Mit dem Einstieg in die Satellitenproduktion erweitert Rheinmetall seine Rolle vom klassischen Hersteller von Land- und Munitionssystemen zu einem Anbieter vernetzter militärischer Fähigkeiten. Radaraufklärung aus dem All kann Bewegungen, Infrastruktur und Stellungen unabhängig von Tageszeit und Wetter erfassen. Für Streitkräfte entsteht dadurch ein Lagebild, das mit Drohnen, Bodenradaren und optischen Satellitenaufnahmen verbunden werden kann.

Die Bedeutung steigt besonders an der Nato-Ostflanke. Die Bundeswehr ist dort mit der Brigade in Litauen dauerhaft stärker eingebunden und benötigt aktuelle Informationen über Gelände, Verkehrswege und militärische Aktivitäten. Ein exklusiver Zugriff auf ausgewählte Satelliten würde die Planung von Aufnahmen erleichtern und die Zeit zwischen einer Anfrage und der verfügbaren Information verkürzen.

Mehr Kapazität, aber hoher Betriebsaufwand

Die geplante Jahresproduktion von rund 50 Satelliten deutet auf eine Ausrichtung auf hohe Stückzahlen und häufige Wiederholungsaufnahmen hin. Der militärische Nutzen hängt jedoch nicht allein von der Zahl der Flugkörper ab. Bodenstationen, Datenverarbeitung, sichere Kommunikationswege und speziell geschultes Personal müssen die Informationen schnell in einsatzfähige Erkenntnisse übersetzen.

Rheinmetalls Vorstoß verschärft zugleich den Wettbewerb mit etablierten Raumfahrt- und Rüstungskonzernen. Für Deutschland eröffnet die Fertigung industrielle Fähigkeiten im Inland, erhöht aber auch die Verantwortung für Schutz vor Störungen, Cyberangriffen und Angriffen auf die Weltrauminfrastruktur. Satelliten stärken damit die Verteidigungsfähigkeit, ersetzen jedoch weder andere Aufklärungsmittel noch die politische und militärische Bewertung der gewonnenen Daten.

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