Rheinmetall startet Serienproduktion von Satelliten für die Bundeswehr
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 09:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRheinmetall hat in Neuss die Serienproduktion von Weltraum-Satelliten aufgenommen und will dort jährlich etwa 50 SAR-Satelliten herstellen.
Erster Start Anfang 2027 geplant
Nach Planung und Aufbau sei die industrielle Umsetzung begonnen worden, teilte der Rüstungskonzern mit. Die Satelliten entstehen in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem finnischen Satellitenbetreiber Iceye.
Der erste in Neuss gefertigte Satellit soll Anfang 2027 mit einer Trägerrakete von SpaceX ins All gebracht werden. Die SAR-Technologie (Synthetic Aperture Radar) ermöglicht präzise Aufnahmen auch bei Nacht und schlechtem Wetter.
Bundeswehr erhält exklusiven Zugriff
Die Bilder sollen der Bundeswehr und anderen Armeen angeboten werden. Rheinmetall und Iceye haben mit der Bundeswehr einen mehrjährigen Vertrag im Wert von 1,7 Milliarden Euro geschlossen.
Neu bekannt wurde zudem, dass sich die Bundeswehr exklusiven Zugriff auf eine nicht genannte Zahl von SAR-Satelliten gesichert hat. Dadurch sollen Aufnahmen möglichst schnell verfügbar sein.
Aufklärung an der Nato-Ostflanke
Die Radaraufnahmen sollen vor allem an der Nato-Ostflanke ein genaueres Lagebild ermöglichen. Sie könnten damit auch die Bundeswehr-Brigade in Litauen unterstützen.
Im Satellitengeschäft konkurriert Rheinmetall unter anderem mit Airbus Defence and Space und dem Bremer Raumfahrtunternehmen OHB. Der Konzern erweitert damit sein Angebot über Artillerie, Panzer und Munition hinaus. Zum Portfolio gehören inzwischen auch Schiffe und Flugzeugbauteile; zudem wird das Drohnengeschäft ausgebaut.
Satelliten werden Teil der Verteidigungsplanung
Mit dem Einstieg in die Serienfertigung erweitert Rheinmetall sein Geschäft um eine Fähigkeit, die für moderne Streitkräfte zunehmend wichtig ist: die schnelle Gewinnung und Auswertung von Informationen aus dem All. SAR-Satelliten können unabhängig von Tageszeit und Wetter Radarbilder liefern. Dadurch ergänzen sie klassische Aufklärungsmittel wie Flugzeuge, Drohnen und bodengebundene Sensoren.
Für die Bundeswehr steht dabei die Verfügbarkeit eigener oder exklusiv zugänglicher Kapazitäten im Mittelpunkt. Der mehrjährige Vertrag mit Iceye über 1,7 Milliarden Euro zeigt die Größenordnung des Vorhabens. Die Vereinbarung verbindet industrielle Produktion in Deutschland mit einem bereits spezialisierten Satellitenanbieter und soll den Zugang zu aktuellen Aufnahmen beschleunigen.
Bedeutung für die Nato-Ostflanke
Besonders relevant ist die Nutzung für die Überwachung der Nato-Ostflanke und die Unterstützung deutscher Kräfte in Litauen. Ein dichteres Lagebild kann helfen, Truppenbewegungen, Stellungen und Veränderungen an militärischer Infrastruktur früher zu erkennen. Der militärische Nutzen hängt jedoch nicht allein von der Zahl der Satelliten ab, sondern auch von Auswertung, Datenübertragung und der Einbindung in Führungs- und Aufklärungssysteme.
Rheinmetall tritt damit in ein Wettbewerbsfeld ein, in dem auch Airbus Defence and Space und OHB aktiv sind. Die Entwicklung passt zu einer breiteren europäischen Tendenz, Verteidigungsfähigkeit, Aufklärung und industrielle Produktion enger zu verknüpfen. Für Steuerzahler und Streitkräfte bedeutet das langfristige Ausgaben, aber auch den Aufbau einer national verfügbaren Lieferkette für sicherheitsrelevante Raumfahrttechnik.
